33. Green Ladies Lunch: Feminismus im Web2.0

33. Green Ladies Lunch: Feminismus im Web2.0

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Rückblick

Feminismus im Web2.0 - Im Spannungsverhältnis zwischen Öffentlichkeit und Privatheit

19. März 2010

Knapp einen Monat vor der re:publica 2010, der Konferenz über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft, lud das Gunda-Werner-Institut zum 33.Green Ladies Lunch mit dem Thema „Feminismus im Web 2.0 - Im Spannungsverhältnis zwischen Öffentlichkeit und Privatheit“. Kommunikation und Feminismus im Zeitalter des Web 2.0, in dem Privates und Öffentliches kaum noch voneinander zu trennen sind wurden diskutiert. Kann das Web 2.0, bzw. die Nutzung dessen, das Private tatsächlich politisch werden lassen oder ist die Gefahr größer, dass jegliche Privatheit und auch Intimität Preis gegeben wird zu Lasten der Emanzipation, etwa durch sexistische, gewalttätige Inhalte? Welche Unterstützung kann die Politik für feministische Entwicklungen im Web leisten? Fragen die unter jungen und alten frauenbewegten, Web-User_innen und (Nicht)Blogger_innen des gut besuchten Ladies Lunchs vehement und kontrovers debattiert wurden. Nach Inputs von hoher Qualität der Professorin für Medienwissenschaft Christina Schachtner, der engagierten Bloggerin und Mitinitiatorin vom Mädchenblog, Svenja Schröder, ergänzt um politische Kommentierungen und Perspektiven von Tabea Rößner der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Schnell wurde klar, dass das Web 2.0, als scheinbar neutraler Bereich, ein Schauplatz hegemonialer Maskulinität  ist. Onlineformulare, standardisierte Eingabemasken oder Suchformulare spiegeln eine starre Zweckrationalität, in der Verwertbarkeit das oberste Prinzip ist, wider. Die Praxis des Schreibens, die besonders in Blogs zum gelten kommt, bietet lt. Christina Schachtner, die Möglichkeit und Chance die Selbsterfahrung zu forcieren und somit Gendergrenzen zu reflektieren, Alternativen zu sehen und zu entwerfen.

Dass eine Trennung zwischen privat und öffentlich bei weitem nicht so einfach ist, wie sie zunächst scheint, wird gut am Beispiel von Mädchen- und Frauennetzwerken im Internet deutlich. Zunächst scheinen die Themenkomplexe privaten Charakter zu haben, gehen jedoch schnell in Gesellschaftskritik über. So ist das Thema der Kinderbetreuung durchaus ein Öffentliches, da es oftmals Vorraussetzung bzw. Bedingung für einen Arbeitsplatz ist.

Christina Schachtner sieht in der Aufhebung der Grenze zwischen Öffentlichkeit und Privatheit eine Chance zur Aufhebung der Geschlechtergrenzen.

Svenja Schröder sprach von aktuellen feministischen Netzkulturen, deren Chancen und Risiken. Oberstes Ziel ist und bleibt die Vernetzung on- und offline, nur so können queer-feministische Inhalte besser im Internet wahrgenommen werden und (Gegen)Öffentlichkeiten geschaffen werden, die dem Empowerment dienen. Es wurde jedoch auch deutlich, dass bloggen allein keine ausreichende politische Praxis sein kann. Wohin die feministische Netzkultur im Web 2.0 gehen kann, beschreibt Svenja Schröder ebenfalls in einem Artikel in der aktuellen April-Ausgabe des feministischen Magazins an.schläge.

Tabea Rößner, medienpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, beleuchtete (grüne) Perspektiven der Nutzung von Internetplattformen für politische Mobilisierung und Aufklärung.

Die Diskussion wurde auf der diesjährigen re:publica weitergeführt. Nachdem im letzten Jahr die Macher_innen der Mädchenmannschaft die stark männlich dominierten Podien und Workshops bemängelt haben, startete sie in diesem Jahr eine „Offensive“ für feministische Themen und Frauen auf den Podien. Das es ihnen gelungen ist kann man auf dem Gender is Happening Blog unter re:publica 2010 - feminism rules? eine kurze zusammenfassung! nachlesen.

Referent_innen:

  • Prof. DDr. Christina Schachtner, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt [» PDF]
  • Svenja Schröder M.Sc, Universität Duisburg-Essen [» PDF]
  • Tabea Rößner, MdB Bündnis 90/Die Grünen

Moderation:

  • Gitti Hentschel, Leitung Gunda-Werner-Institut

Teilnahme nur auf Einladung!

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    Treffpunkt und politischer Ratschlag für engagierte Frauen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen. Mehrmals jährlich lädt das Gunda-Werner-Institut exponierte Vertreterinnen der Grünen Partei und der grünennahen und frauenpolitischen Szenen zur gemeinsamen Diskussionen, zum Austausch über aktuelle politische Fragen sowie zur feministischen Strategiebildung ein.

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