Gender als politische und analytische Kategorie

Gender als politische und analytische Kategorie

Gender als politische und analytische Kategorie

Gender ist als englischer Begriff im deutschen Sprachgebrauch üblich geworden, um das soziale Geschlecht eines Menschen im Unterschied zum biologischen Geschlecht zu kennzeichnen. Im Deutschen wird der Begriff Geschlechterverhältnisse oft gleichbedeutend mit Gender benutzt.

Die sozialen Geschlechterrollen sind gesellschaftliche Konstruktionen, die kulturell und historisch geprägt und damit auch wandelbar sind. Gender beschreibt Männer und Frauen in ihren sozialen Verhältnissen zueinander und untereinander. Die unterschiedlichen Geschlechterrollen zeigen sich in der Vielfalt von Lebensrealitäten, die durch Herkunft, Glaube, Alter, sexuelle Orientierung, Behinderung, Schichtzugehörigkeit geprägt sind. Gender wird in fünf zentralen Dimensionen sichtbar:

Lebenslagen: Unterschiedliche Lebensrealitäten von Männern und Frauen entstehen durch unterschiedliche Sozialisation, Lebensbedingungen und Tätigkeitsfelder und führen zu unterschiedlichen Positionen in der Gesellschaft. Beispiel: Es sind überwiegend Frauen, die sexualisierte Gewalt erfahren, oder die Familienmitglieder betreuen.

Partizipation: Frauen und Männer sind in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen unterschiedlich stark repräsentiert. Beispiele: Es gibt viel weniger Frauen in militärischen, wirtschaftlichen und politischen Entscheidungspositionen. Männer arbeiten seltener in Dienstleistungs- und Pflegeberufen.

Ressourcen: Der Zugang zu gesellschaftlichen, materiellen und nicht-materiellen Ressourcen ist von den Geschlechterrollen abhängig. Beispiele: Frauen müssen neben dem Beruf häufig auch Kinder und Haushalt versorgen, haben deshalb weniger frei verfügbare Zeit, Geld und Mobilität, in vielen Regionen ist ihnen auch der Zugang zu Bildung verwehrt oder erschwert.

Normen und Werte: Geschlechterrollen werden gesellschaftlich zugeschrieben und tradiert. In der Interaktion zwischen Zuschreibungen und (Selbst-) Konstruktionen bilden sich Geschlechtsidentitäten von Männlichkeit und Weiblichkeit aus. Beispiele: Männer gelten als kämpferisch und Frauen als friedfertig. Männer werden für das Familieneinkommen, Frauen für die Reproduktion zuständig gemacht.

Rechte: In vielen Regionen der Welt haben Frauen und Männer – trotz der universal geltenden Menschenrechte – unterschiedliche Rechte. Selbst bei rechtlicher Gleichstellung auf dem Papier fehlt es meist an deren realer Umsetzung. Beispiele: Die Wehrpflicht gilt vielfach, auch in der BRD, nur für Männer; in Saudi-Arabien haben Frauen kein Wahlrecht; in der EU verdienen Frauen für die gleiche Arbeit trotz formaler Gleichstellung durchschnittlich 15 Prozent weniger als Männer.

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