Nicht mit mir – Männer gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus

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Wir möchten den Frauen, die in der Silvesternacht in Köln und anderswo zu Opfern sexualisierter Gewalt gemacht wurden, unser Mitgefühl und unsere Solidarität aussprechen. Diese Vorfälle haben uns tief erschreckt und wütend gemacht. Sexualisierte Gewalt – gegen Menschen egal welchen Geschlechts – ist ein Angriff auf die sexuelle Selbstbestimmung. Sexualisierte Gewalt darf nirgendwo auf der Welt Platz haben. Wir fordern bestmögliche Unterstützung für alle von (sexualisierter) Gewalt Betroffenen. Wir unterstützen die Forderungen von frauenpolitischen Organisationen, dass gesetzliche Schutzlücken (Nötigung, Vergewaltigung, Beleidigung) schnellstens beseitigt werden. Der Grundgedanke der Istanbul-Konvention „Nein heißt Nein“ muss auch in deutsches Recht umgesetzt werden. Er muss ausnahmslos für alle Menschen, an jedem Ort und unter allen Bedingungen gelten.

Wir wenden uns dagegen, dass die „Silvestervorfälle“ für rassistische Zuschreibungen und rechtspopulistische Hetze genutzt sowie für die Verschärfung von Flüchtlings- und Asylregelungen in Deutschland instrumentalisiert werden. Dadurch wird das Stereotyp des orientalischen, männlichen Triebtäters bedient und sexualisierte Gewalt zu einem Problem „der anderen“ gemacht, der „Nordafrikaner“, der „Marokkaner“. Ebenso wenden wir uns gegen die stereotype Zuschreibung, alle Männer seien – ob potenziell oder faktisch – Sexualstraftäter.

Sexualisierte Gewalt – nicht nur gegen Frauen – ist nicht neu und auch in Deutschland ein großes Problem. Sie geht uns alle an, denn sie findet überall statt: in der Familie, in Partnerschaften, am Arbeitsplatz, in der Ausbildung, in Schulen, in Kinderheimen, auf offener Straße, in der eigenen Wohnung, in Flüchtlingsunterkünften und in den Gefängnissen. Sexualisierte Gewalt kann jeden Menschen treffen. Mit Taten und Worten. Es gibt keine Rechtfertigung und keine Legitimität von sexualisierter Gewalt. Sie verstößt gegen die universellen Rechte der sexuellen Selbstbestimmung, die alle Menschen nach unserer Auffassung unveräußerlich teilen.

Dafür setzen wir uns ein:

Wir sagen: Nicht mit uns! Wir setzen uns ein gegen jede Form von sexualisierter Gewalt und Rassismus.

  1. Männlichkeitsvorstellungen, die (sexualisierte) Gewalt legitimieren, lehnen wir kategorisch ab. Wir wenden uns ebenso gegen jegliche Form von Männlichkeit, die sich des Rechts des Stärkeren bedient und auf Ausgrenzung basiert. Dabei wissen wir, dass wir selbst nicht frei von diskriminierenden Gedanken und Handlungen sind. Wir müssen Vorurteile und Stereotypen selbstkritisch reflektieren, um sie zu erkennen und zu überwinden.
  2. Häufig verbinden sich Ängste und Unsicherheiten gegenüber „dem Fremden“ mit Rassismus, welcher Abgrenzung und Abwertung bedient. Wir stehen dafür ein, sich immer wieder für den Blick auf den Einzelnen und für eine Haltung der gemeinsam geteilten Menschlichkeit einzusetzen.

  3. Männer sind verschieden! Wir treten ein für ein Männerbild, in dem die Unterschiedlichkeiten von Männern, aufgrund ihrer Herkunft und in ihren sozialen und individuellen Lebenslagen wahrgenommen werden. Wir brauchen eine Streitkultur, in der offen über unterschiedliche und gemeinsame kulturelle Männlichkeitsbilder diskutiert wird. „Das Eigene“ darf nicht zur Ausgrenzung und Abwertung „des Anderen“ werden.

  4. Wir wenden uns gegen eine Flüchtlingsdebatte, in der geflüchtete Jungen und Männer als Bedrohung und (potentielle) Täter wahrgenommen werden und nicht als Schutzbedürftige, die vor Unterdrückung, Terror, Gewalt und Armut fliehen. Geflüchtete Männer haben ebenso einen Anspruch auf Sicherheit, Privatheit und Zuwendung wie geflüchtete Frauen und Kinder. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass der sich verstärkende Rassismus und die Gewalt gegen Geflüchtete sich gegenüber Frauen und Männern in unterschiedlicher Form äußern.

Wir Fordern:

  1. Jede Form sexualisierter Gewalt muss strafrechtlich bewehrt und konsequent sanktioniert werden. Bestehende Gesetzeslücken müssen geschlossen werden. Das ratifizierte Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (Istanbul-Konvention) muss vom Gesetzgeber vollständig umgesetzt werden. Ausweisung und Abschiebung sind jedoch keine Lösung des Problems.
  2. Schutz vor sexualisierter Gewalt muss überall gewährt werden, auch in den Unterkünften für Geflüchtete. Hier herrscht großer Nachholbedarf. Im Einklang mit der UN- Kinderrechtskonvention und der EU-Aufnahmerichtlinie müssen für geflüchtete Menschen effektive Schutzkonzepte gegen sexualisierte Gewalt entwickelt und umgesetzt werden.

  3. Polizei, Justiz und privates Wachpersonal müssen für Sexismus und Rassismus noch stärker sensibilisiert und im Umgang mit sexualisierter Gewalt geschult werden, damit Strafverfolgung tatsächlich erfolgt und mit Betroffenen angemessen umgegangen wird.

  4. Die Arbeit von Beratungsstellen muss gestärkt und ihr Angebot ausgebaut werden. Eine geschlechtersensible, reflektierende Jungenarbeit und Männerberatung ist ein elementarer Bestandteil von Gewaltprävention. Sie muss dringend ausgebaut werden, so wie die Unterstützungsangebote für Frauen und Mädchen erhalten und ergänzt werden sollten.

  5. Sexualisierte Gewalt kommt in allen gesellschaftlichen Gruppen vor. Gewaltpräventions- und Aufklärungsarbeit muss breit angelegt werden. Sie muss neben den Tätern und Täterinnen auch von Gewalt betroffene Jungen und Männer in den Blick nehmen. Eine männer- und jungensensible Beratungs-, Sozial- und Bildungsarbeit muss qualifiziert ausgebaut und personell verstärkt und mit Perspektiven der Verletzlichkeit von Männern und Jungen verknüpft werden. Männer und Jungen müssen mit ihren Interessen und Problemen wahr- und ernst genommen werden. Geschlechtersensible und interkulturelle Pädagogik sind für Fachkräfte in diesem Feld unverzichtbar.

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Statements

Ich unterstütze die Kampagne, weil das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung uneingeschränkt für jeden und jede gewährleistet sein muß. Und (rassistische) Gewalt geht schon garnicht.
Henning von Bargen, Leitung GWI
"We support the campaign, because we have the same goals: Peace, Equality, Freedom, Humanity. Let's fight together to make a better World."
Syrians against sexism Group & Campaign

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