Schnell wurde klar, dass das Web 2.0, als scheinbar neutraler Bereich, ein Schauplatz hegemonialer Maskulinität ist. Onlineformulare, standardisierte Eingabemasken oder Suchformulare spiegeln eine starre Zweckrationalität, in der Verwertbarkeit das oberste Prinzip ist, wider. Die Praxis des Schreibens, die besonders in Blogs zum gelten kommt, bietet lt. Christina Schachtner, die Möglichkeit und Chance die Selbsterfahrung zu forcieren und somit Gendergrenzen zu reflektieren, Alternativen zu sehen und zu entwerfen.
Dass eine Trennung zwischen privat und öffentlich bei weitem nicht so einfach ist, wie sie zunächst scheint, wird gut am Beispiel von Mädchen- und Frauennetzwerken im Internet deutlich. Zunächst scheinen die Themenkomplexe privaten Charakter zu haben, gehen jedoch schnell in Gesellschaftskritik über. So ist das Thema der Kinderbetreuung durchaus ein Öffentliches, da es oftmals Vorraussetzung bzw. Bedingung für einen Arbeitsplatz ist.
Christina Schachtner sieht in der Aufhebung der Grenze zwischen Öffentlichkeit und Privatheit eine Chance zur Aufhebung der Geschlechtergrenzen.
Svenja Schröder sprach von aktuellen feministischen Netzkulturen, deren Chancen und Risiken. Oberstes Ziel ist und bleibt die Vernetzung on- und offline, nur so können queer-feministische Inhalte besser im Internet wahrgenommen werden und (Gegen)Öffentlichkeiten geschaffen werden, die dem Empowerment dienen. Es wurde jedoch auch deutlich, dass bloggen allein keine ausreichende politische Praxis sein kann. Wohin die feministische Netzkultur im Web 2.0 gehen kann, beschreibt Svenja Schröder ebenfalls in einem Artikel in der aktuellen April-Ausgabe des feministischen Magazins an.schläge.
Tabea Rößner, medienpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, beleuchtete (grüne) Perspektiven der Nutzung von Internetplattformen für politische Mobilisierung und Aufklärung.
Die Diskussion wurde auf der diesjährigen re:publica weitergeführt. Nachdem im letzten Jahr die Macher_innen der Mädchenmannschaft die stark männlich dominierten Podien und Workshops bemängelt haben, startete sie in diesem Jahr eine „Offensive“ für feministische Themen und Frauen auf den Podien. Das es ihnen gelungen ist kann man auf dem Gender is Happening Blog unter re:publica 2010 - feminism rules? eine kurze zusammenfassung! nachlesen.
Referent_innen:
Prof. DDr. Christina Schachtner, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt [» PDF]
Svenja Schröder M.Sc, Universität Duisburg-Essen [» PDF]
Tabea Rößner, MdB Bündnis 90/Die Grünen
Moderation:
Gitti Hentschel, Leitung Gunda-Werner-Institut
Teilnahme nur auf Einladung!






