Feminismus zum Hören

Tonarchiv des Gunda-Werner-Instituts

Feminismus zum Hören

Im Vodergrund steht ein altmodischer Kasettenrekorder. Im Hindergrund liegt eine Person und hört zu. Feminismus auf die Ohren — Urheber/in: Eric Nopanen. Public Domain.

Auf dieser Seite lassen sich Podcasts und Veranstaltungsmitschnitte des Gunda-Werner-Instiuts nachhören.

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Veranstaltungsmitschnitte

Veranstaltungsdokumentation: "Lateinamerika gegen den Malestream? Geschlechterdemokratie unter der Lupe"

Ob konservativ oder progressiv: In der Abtreibungsfrage verzeichnet die Bilanz der unterschiedlichen Regierungen Lateinamerikas keine Fortschritte, sondern eher dramatische Rückschritte. So wurden in El Salvador und Nicaragua 1997 und 2006 Totalverbote eingeführt. Schwangerschaftsabbrüche werden seitdem mit langen Gefängnisstrafen geahndet. Auch der starke Einfluss der katholischen Kirche und evangelikaler Strömungen sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft spielt eine maßgebliche Rolle bei der Beibehaltung bzw. Verschärfung der strengen Gesetzgebung.

Zwei Frauenrechtsaktivistinnen aus Chile und El Salvador analysieren im Gespräch, welche (Macht-) Interessen hinter den Abtreibungsgesetzen stecken und warum es so schwer ist, diese zu ändern. Welche Rolle spielen die sozialen Bewegungen dabei, das gesellschaftliche Bewusstsein in dieser Frage zu ändern?
Anschließend debattieren unsere Gäste mit Vertreter/innen aus Politik und Zivilgesellschaft die Rolle internationaler Abkommen und konkrete Handlungsmöglichkeiten für die deutsche und europäische Politik.

Veranstaltungsdokumentation: "Deutschland im Pflegenotstand – Perspektiven und Probleme von Care Migration"

In Deutschland – wie auch im Rest Europas – steigt die Zahl der Hochbetagten drastisch an. Diese auf der einen Seite erfreuliche Perspektive angesichts einer im Durchschnitt höheren Lebenserwartung bringt auf der anderen Seite mit sich, dass mehr Menschen in ihrem Alltag eingeschränkt und auf (fremde) Hilfe angewiesen sind. Die Alterung der Gesellschaft wird eine weitere Zunahme bewirken. Die Zahl Pflegedürftiger nimmt stetig zu, während es bereits akut an qualifizierten Pflegekräften mangelt. Das Angebot an bezahlbaren Pflegedienstleistungen steigt nicht äquivalent zur Nachfrage. Dazu wollen die Menschen in der Regel so lange wie möglich zu Hause leben und dort gepflegt werden. Laut Pflegestatistik waren 2011 etwa 2,5 Mio. Menschen als pflegebedürftig eingestuft. 70 Prozent aller Pflegebedürftigen wurden zuhause versorgt - entweder mit oder ohne Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst. In teil- und vollstationären Einrichtungen wurden rund 30 Prozent der Pflegebedürftigen betreut. Die Tagung will die Mikroentscheidungsebene in Familien mit der transnationalen Arbeitsmarktebene von Care Migration auf der Makroebene zusammenbringen. Welche Ursachen sind für den Pflegenotstand in Deutschland verantwortlich und wie wirkt sich dieser aus? Was wird gegen den Pflegenotstand unternommen? Wie gehen wir mit unseren Pflegebedürftigen um? Wer übernimmt Verantwortung für eine menschenwürdige Pflege? Welche Rolle spielt die Pflegemigration und welche Situation finden Pflegemigrant/innen in Deutschland vor?

Netzwerktagung Geschlechterdemokratie

Ines Kappert ist Leiterin des feministischen Gunda-Werner-Instituts in der Heinrich-Böll-Stiftung. Sie hat den Einführungsvortrag auf der Netzwerktagung Geschlechterdemokratie gehalten, die am 20. Oktober 2017 in Dresden stattfand. Sie spricht über die feministischen Aspekte und erfolgreiche Projekte der politischen Bildung in Berlin sowie über Fallstricke im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit Antifeminismus.

Musik: Stephanie Merchak: Reflections (Past, Present, Future), vom Album "Collapsing Structures"

Podiumsgespräch: Männer und Gleichstellung - Leerstelle oder wichtiges Politikfeld

Im Sommer 2017 verabschiedete die Bundesregierung den Zweiten Gleichstellungsbericht. Ein Gutachten von Sachverständigen benannte zahlreiche “Gender Gaps” zu Lasten von Frauen und forderte die Aufwertung der privaten Sorgearbeit. Ein eigenes Themenblatt der Kurzfassung stand unter der Überschrift “Männer und Gleichstellung”, im Bericht selbst allerdings kamen männerpolitische Aspekte nur am Rande vor.

Ausstellungsrundgang

Viele Mädchen und Frauen, aber auch Jungen erleben sexualisierte Gewalt auf vielfältige Weise, in Deutschland wie in anderen Ländern und Regionen. Ein Verbrechen, das individuell oft verdrängt und gesellschaftlich noch immer tabuisiert wird. Die Folge: die – meist männlichen – Täter_innen bleiben straffrei.

In diesem Podcast erläutern die drei Künstlerinnen Renate Bühn, Maria Mathieu und Heike Pich während eines Rundgangs durch das Gebäude der Heinrich-Böll-Stiftung ihre Exponate. In ihren Werken nähern sie sich auf neue, ungewohnte und sensible Weise diesem schwierigen Thema an. In Kooperation mit dem Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung und den Projekten Wildwasser e.V. und Tauwetter e.V. trägt die Ausstellung dazu bei, das Schweigen zu überwinden und sexualisierte Gewalt zu bekämpfen.

Die Boulevardisierung der Medien

Wie halten wir es mit dem Boulevard?“ Dieses alte Streitthema ist längst nicht erledigt, sondern erregt aufs Neue die Gemüter und wirft die Frage auf, ob es einen guten Boulevard gibt. Einen Boulevard, in dem der Feminismus und die Frauenberichterstattung eine Rolle spielen. Diese Frage erläutert das jb-Medienlabor am 20. November 2014 in Berlin.

Veranstaltungsdokumentation: Männerleiber - Körperlichkeit zwischen Sein und Tun

Körper und Geschlecht sind in unserer Kultur auf vielfältige Weise verknüpft. Was ist Natur? Was ist Kultur? Durch das Aufbrechen scheinbar biologisch gegebener Körper- und Geschlechterbilder können an der Schnittstelle «Körper» gesellschaftliche Ansprüche und individuelle Praktiken sichtbar gemacht werden, die über die Entstehung und Etablierung von Geschlechterordnungen Auskunft geben.

Women at the Peace Tables

Interview with Madeleine Rees, Director of the Women’s International League for Peace and Freedom (WILPF), at the International Expert Discussion of the Gunda-Werner-Institut: “Women at the Peace Tables - Spheres of Intervention to End Sexual and Gender-Based Violence in Armed Conflict Regions in Syria and Iraq”, which took place on Thursday 27th November 2014 at the Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin.

Angriffe auf das selbstbestimmungsrecht der Frau

Schwangerschaftsabbrüche sind immer noch im Strafgesetzbuch geregelt, dies hat negative Auswirkungen auf die Zugänglichkeit von Schwangerschaftsabbrüchen. Das Wissen über Abtreibungen - gesellschaftlich und unter Mediziner*innen - ist gering. Das Sprechen über Abbrüche ist tabuisiert. Die „Lebensschutz“-Bewegung will diese Problemlage noch verschärfen.

Auf der Veranstaltung sollten die negativen Auswirkungen der Kampagnen der sogenannten Lebensschützerinnen und Lebensschützer auf die verschiedenen gesellschaftlichen Bereiche - Beratung, Politik, medizinisches Studium und sexualpädagogischer Bildung - diskutiert und Gegenstrategien entworfen werden.

Podcasts

Streitwert - Politik im Dialog

Wie genau funktioniert die Indienstnahme von feministischen Argumenten für rassistische Zuschreibungen, auch in feministischen Zirkeln?

Welche blinden Flecken innerhalb der mehrheitlich weißen Feminismen in Deutschland kommen in der Debatte um die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht zum Tragen?
Wie konnte es passieren, dass zwar das Asylrecht ohne großen Aufschrei verschärft wurde - den Forderungen nach besserer Ahndung von sexualisierter Gewalt aber nicht ausreichend nachgekommen wurde?
Warum gelingt es den liberalen Kräften nicht, die Themenagenda der Politik mehr zu bestimmen? Welche Versäumnisse sollten erinnert werden, damit beim nächsten Vorfall nicht wieder die Rassismuskarte gezückt werden kann?

Diskussion im Rahmen der Reihe "StreitWert – Politik im Dialog"des Gunda-Werner Instituts in der Heinrich Böll Stiftung.
Der Wahlkampf ist vorbei, die Frage nach angemessener Aufarbeitung sogenannter „Pädophilie“ u.a. bei den Grünen ist geblieben. Auch andere Einrichtungen, Vereine und Parteien haben mit dem Problem zu kämpfen. Worum geht es eigentlich: Um „Pädophilie“ – oder Pädokriminalität und sexualisierte Gewalt an Kindern? Wie konnte es zur Verharmlosung sexualisierter Gewalt in alternativen Milieus kommen? Haben Feminist_innen nicht interveniert? Wie muss heute eine gesellschaftliche Debatte über sexualisierte Gewalt an Kindern gefördert werden? Wie ist Missbrauch zu verhindern, wie kann (potentiellen) Opfern bzw. Überlebenden Gerechtigkeit widerfahren?

Der Deutsche Bundestag hat am 1. Februar den Familiennachzug bis August 2018 ausgesetzt. Das trifft in den Herkunftsländern vor allem Frauen und Kinder, die damit in noch größerer Gefahr sind. Gleichzeitig ist das Ankommen im neuen Land kaum möglich ist, wenn Ehepartner*in und Kinder sich in Lebensgefahr befinden. Noch im November 2017 sprach sich die Mehrheit der in Deutschland lebenden Menschen für die Familienzusammenführung aus, inzwischen ist die Mehrheit dagegen.

Laut Migrationsforscher Herbert Brücker handelt es sich nur um 50.000 - 60.000 Menschen, die in diesem Jahr nachkommen würden. Die Verhandler*innen der Großen Koalition brachte auch diese Zahl nicht zum Einlenken.
Gibt es dennoch einen Weg, den Familiennachzug zu retten?

Wie kann das Antidiskriminierungsrecht bei Digitaler Gewalt helfen. Welche Bündnisse sind notwendig, um das AGG möglicherweise zu novellieren und Betroffene besser zu schützen? Wie kann sichergestellt werden, dass die intersektionale Perspektive dabei angemessen berücksichtigt wird?

Mithu Sanyal schreibt ein Buch über Vergewaltigung im sogenannten Jahr der sexualisierten Gewalt. Sie hat mit „Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens“ eine, wie sie sagt, „Debattenkultur der Vergewaltigung“ geschrieben. In leichtem Stil und mit einer schier unerschöpflichen Menge an hinzugezogenen Quellen zeigt Sanyal, dass Vergewaltigung als das „gegenderteste Verbrechen“ auch das Verbrechen ist, was uns am meisten gendert. Inmitten einer Unmenge an Geschlechtssymbolik offenbaren sich hinter unserem Wissen über Vergewaltigung Geschlechterbilder, die uns an den Haaren herbeigezogen erscheinen würden, wenn wir uns ihrer bewusst wären.

Our Voices, Our Choices

„Our Voices, our Choices“ ist die internationale, geschlechterpolitische Podcast-Reihe der Heinrich-Böll-Stiftung. Hier werden Geschichten über Frauen- und LGBTI-Menschenrechte erzählt: von Menschen, deren Stimme nicht oft gehört wird, und, deren Rechte eingeschränkt werden.

Schwarzer Protest, Gender-Kommission, mydressmycoice - Frauenproteste weltweit

Polen, Kolumbien, Kenia. Drei Länder, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Was sie verbindet, sind Frauen, die zuletzt mit Protesten für ihre Rechte kämpften und damit Soziale Bewegungen auslösten: Für ein Recht auf Abtreibung, für das Recht auf Frieden, für das Recht auf selbstbestimmte Bekleidung. In diesem Podcast will Lukasz Tomaszewski wissen, wie es dazu kam, dass Frauen in Polen, Kolumbien und Kenia auf die Straße gingen, wie ihre Aktionsformen aussahen, und ob die Proteste nachhaltig etwas an ihrer rechtlichen Lage geändert haben.

Mein Bauch gehört mir – aber wie viel ist er wert? Leihmutterschaft ist ein globales Geschäft geworden.

Für viele Paare ist es die einzige Hoffnung auf ein Kind, für viele Frauen die einzige Chance Geld zu verdienen.

Es wird kompliziert, wenn es um Leihmutterschaft geht: Was ist mit dem gerechtfertigten Wunsch vieler Paare auf ein Kind? Welchen emotionalen und körperlichen Belastungen sind die Leihmütter ausgesetzt? Welchen emotionalen und finanziellen die Wunscheltern? Wie sieht die rechtliche Situation aus: Wer ist die legale Mutter des Kindes? Welche Staatsbürgerschaft hat es dann? Vanessa Loewel macht sich auf die Suche nach Antworten.

Der Traum vom Internet als einer gerechteren Welt, in der alle gleich sind und freien Zugang zu Bildung und Kommunikation haben, ist geplatzt: Der virtuelle Raum reproduziert Macht- und Gewaltstrukturen unserer Gesellschaften und verstärkt oft noch Diskriminierung. Für Frauen* und LSBTI-Menschen ist das Internet auch ein Raum der Diffamierung und Bedrohung.
Aber das Internet birgt nicht nur Gefahren, sondern auch riesige Chancen: #aufschrei, #metoo, #miprimeracoso schaffen weltweit Aufmerksamkeit, prangern Sexismus und sexuelle Belästigung an. Feminist*innen holen sich das Internet Schritt für Schritt zurück. Vanessa Loewel hat sich umgehört.

Die rechtliche Situation von Regenbogenfamilien ist kompliziert, und auch oft prekär. Südafrika, Argentinien, Deutschland - drei Länder mit unterschiedlichen rechtlichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen für Regenbogenfamilien. In diesem Podcast erzählen drei ganz unterschiedliche Personen davon, wie es ihnen dabei ergangen ist, Familien zu gründen, Rechte zu erkämpfen und legale Unsicherheiten auszuhalten. Julia Riedhammer hat sich mit ihnen unterhalten.

Abtreibungen sind in Deutschland illegal. Auch wenn sie unter gewissen Bedingungen und innerhalb der ersten zwölf Wochen straffrei bleiben, bleibt das Stigma einer Straftat. Es ist eine Gesetzgebung, die Patient*innen und Ärzt*innen kriminalisiert - mit negativen Folgen für die medizinische Versorgung.

Noch wesentlich dramatischer ist die Situation natürlich in Ländern, in denen Abtreibungen fast ausnahmslos verboten sind. In diesem Jahr haben uns vor allem die Nachrichten aus Irland, Argentinien und Polen bewegt: Vanessa Loewel hat mit Aktivistinnen aus diesen drei Ländern gesprochen, sowie mit den Expertinnen Stephanie Schlitt und Peggy Piesche des Gunda-Werner-Instituts.