Agent*In - Antifeminismus-kritisches Online-Lexikon

Urheber: Jingyi Wang. Public Domain.
  1. Was ist die „Agent*In“ ?

Die Agent*In (Abkürzung von Anti-Gender-Networks Information) ist ein Anti-Feminismus-kritisches Online-Lexikon, das als sogenanntes Wiki (analog zum Online-Lexikon Wikipedia) konzipiert wurde. In dem Wiki werden Wissen, Daten, Fakten und Zusammenhänge über die Einflussnahme von antifeministischen Akteur_innen auf Politik und Öffentlichkeit gesammelt und organisiert. Alle Informationen sind aus öffentlich zugänglichen Quellen zusammengetragen, neu ist die Verknüpfung und Zusammenstellung der Daten sowie die Einordnung der Akteur*innen.

  1. Was ist das Ziel der Agent*In ?

Antifeministische Kräfte sind europa- und weltweit vernetzt. Doch diese Netze sind oft unsichtbar. Die Agent*In versucht diese Netzwerke, deren Institutionen, Geschichte und führende Protagonist*innen sowie deren Positionen sichtbar zu machen und über deren Ziele und Ideologien, Vorgehensweisen, Argumentationsstrategien und Distributionsmechanismen aufzuklären. Hinweise auf weiterführende Literatur und Materialien eröffnen Zugänge zu feministischen und emanzipatorischen Ansätzen und Perspektiven.

  1. An wen richtet sich die Agent*In?

Die Agent*In erleichtert u.a. Aktivist_innen, Multiplikator_innen und Journalist_innen sowie Bildungseinrichtungen die Recherche zu anti-feministischen Akteur_innen und bietet die Möglichkeit, sich anhand der Informationen selber ein Bild über deren ideologische Ausrichtung und Vernetzung zu machen.

  1. Um was geht es inhaltlich?

Die gesellschaftliche Polarisierung zwischen autoritär orientierten Parteien und Gruppierungen und emanzipatorischen Kräften, die eine offene und liberale Gesellschaft mit all ihren Errungenschaften verteidigen wollen, nimmt zu. Mittendrin können wir seit Jahren Antifeminismus beobachten, der als verbindendes Element, als Kitt zwischen (national)konservativen, rechtspopulistischen bis hin zu rechtsextremen Einstellungen und Politiken fungiert und die Brücke in die sogenannte Mitte der Gesellschaft bildet. In dieser sind antifeministische Positionen gleichfalls verankert.

Islamfeindlichkeit, Homophobie und Ablehnung von ‚Gender-Ideologie‘ verbinden eine bunte Mischung von Rechtsaußenparteien, Gruppierungen und fundamentalistischen Bewegungen in ganz Europa und über die Grenzen Europas hinaus. In Deutschland gehören zu diesem Spektrum u.a. die AfD, Pegida, HogeSa, Besorgte Eltern, Demo für alle, die Zivile Koalition, sogenannte Lebensschützer oder christlich-fundamentalistische Organisationen und Gruppierungen der Neuen Rechten. Diese antifeministischen, geschlechtskonservativen und mitunter rassistischen Kreise mobilisieren z.T. schon seit Jahren auf europäischer und nationalstaatlicher Ebene gegen Gleichstellungspolitik und emanzipative Geschlechterbewegungen wie auch gegen die Geschlechterforschung. Durch Demonstrationen, sprachliche Subversion und Aktionen, die sich z.B. gegen „Gender-Wahn“ oder die „Frühsexualisierung unserer Kinder“ richten sowie gezielte Tabubrüche wollen sie Einfluss auf den öffentlichen Diskurs nehmen. Unterstützung erhalten diese Gruppierungen u.a. von (ultra)konservativen Publizist_innen. Der Blick auf Leitmedien, Talkshows und Bestsellerlisten zeigt, dass der Einfluss von Anti-Feminist_innen in den letzten Jahren stärker geworden ist. Egal ob es sich um die Thematisierung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in der Gesellschaft, in Schulen oder in den Gender Studies handelt oder um Familien- und Rollenvorstellungen – der Protest richtet sich stets gegen post-essentialistische Sexualitäts- und Genderkonzepte.

  1. Wer oder was wird in die Agent*In aufgenommen?

Gruppierungen, Vereine, Verbände, Institutionen, Netzwerke, politische Strömungen, Personen etc. werden in das Wiki aufgenommen, wenn sie mit ihren Aktivitäten, Publikationen, Programmen, Protesten etc. anti-feministisch in Erscheinung getreten sind. Mit dem Begriff Antifeminismus beschreiben wir verschiedene gesellschaftliche Strömungen, die sich gegen Frauen, vor allem in öffentlichen Funktionen, gegen Geschlechtergleichheit oder die Frauenbewegung und den Feminismus richten.

  1. Wofür steht Antifeminismus?

Bestimmte Forderungen, die sich oftmals miteinander verbinden, sind kennzeichnend für den Antifeminismus. Kernforderderungen sind gegenwärtig die Wiederherstellung ‚natürlicher Geschlechterrollen’, die Festlegung der Frau auf die Mutter- und Hausfrauenrolle im Heim, die Abschaffung sexueller Selbstbestimmung (u.a. durch Erschwerung oder Abschaffung legaler Abtreibungen) und die Marginalisierung von Homosexuellen. Er beruft sich auf ein biologistisches oder religiöses Geschlechtsrollenverständnis.

Antifeminismus lehnt geschlechtliche und sexuelle Vielfalt, wie sie heute weithin akzeptiert und gelebt wird, heftig ab und vertritt einlinige Geschlechterbilder, die sich auf die bürgerlichen nationalen Leitbilder des 19. Jahrhunderts zurückführen lassen. Der Mann ist danach zum Bürger und Kämpfer und die Frau zur Mutter und Hausfrau der Nation bestimmt. Das Frauenbild schwankt jedoch zwischen Aufwertung der Mutterschaft und extremer Abwertung („Feminazi“, Mütter/Hausfrauen als „Abzockerinnen“, „irre Lesben“). Auch das Männerbild ist gespalten: Es entspricht der nationalen hegemonialen Männlichkeit. In rechtsextremen Kontexten beschwört es den nationalen Kämpfer und Helden, den männlichen Beschützer der schutzbedürftigen „blonden Frau“. Doch Männer mit Migrationshintergrund oder Homosexuelle werden teils als bedrohlich dargestellt und abgewertet. So erfolgen häufig offene, teils aggressive Angriffe und Mobilisierungen gegen zahlreiche Personen und Gruppen, die nicht dem stereotypen Weiblichkeits- oder Mutterbild entsprechen oder sich für Gleichheit und Feminismus einsetzen.

Der rechte Antifeminismus verbindet offenen Sexismus und Rassismus. Im Internet werden sexistische und rassistische Abwertungen, Beschimpfungen und Bedrohungen bis zu Mord und Vergewaltigung gepostet. Betroffen davon sind selbstbewusste Frauen, Frauen in Gewerkschaften, Verbänden und Berufsgruppen wie Richter*nnen, Feminist*nnen, Politiker*nnen, gleichheitsorientierte Männer (u.a. als lila Pudel betitelt) und Migrant*nnen.

Kennzeichnend für Antifeminismus sind also die Einforderung der Mutter-/Hausfrauenrolle und die offensive Mobilisierung gegen Feminist*innen, emanzipative Männer, und Gleichstellungspolitik. Er unterscheidet sich von Geschlechtskonservatismus, der ebenfalls von natürlichen Geschlechtsunterschieden ausgeht, aber Frauen auch in ihrer öffentlichen Rolle wertschätzt und weniger aggressiv auftritt. Davon zu unterscheiden ist weiterhin die Geschlechterkritik, die Geschlecht und die Geschlechterverhältnisse kritisch reflektiert und auf Probleme hinweist und die innerhalb und außerhalb des Feminismus betrieben wird. Mehr

  1. Welche Informationen finde ich in der Agent*In?

Alle Organisationen und Personen werden zunächst mit einem Satz kategorisiert, z.B. als maskulistisch, antifeministisch, ultrakatholisch oder rechtspopulistisch. Mit diesen Kategorisierungen sind jeweils Artikel verlinkt, die diese Begriffe näher erklären. Darüber hinaus wird dargestellt, mit welchen antifeministischen Aktivitäten oder Positionen die jeweiligen Personen oder Organisationen in Erscheinung getreten sind. Dazu kommen Hinweise auf Vernetzungen mit anderen Organisationen und Personen. Zu allen Informationen sind Quellen und Nachweise hinterlegt. Hinweise auf weiterführende Informationen und Literatur runden die Einträge ab.

  1. Stellt die Agent*In nicht Personen an den Pranger und ist eine Art „Schwarze Liste“?

Nein. Die Personen und Organisationen stellen sich selbst in der (medialen) Öffentlichkeit und/oder im Internet mit antifeministischen Positionen dar. Die Autor*Innen geben dies in den Artikeln sachgenau wieder. Alle über die Personen und Organisationen zusammengetragenen Informationen sind aus öffentlich zugänglichen Quellen zusammengetragen. Die Agent*In verknüpft diese und zeigt Verbindungen und Netzwerke zwischen den Personen und Organisationen auf, die nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich sind. Jede*r Leser*in kann sich so selbst ein Bild machen.

  1. Wie finde ich die Informationen, die mich interessieren?

Es gibt zum einen eine Volltextsuchfunktion und zum anderen die Möglichkeit über die Kategoriensuche sich Personen, Organisationen und Ideologien auflisten zu lassen. Des Weiteren enthält die Startseite Links auf Informationen zu aktuellen Themen, Kampagnen oder Veranstaltungen.

  1. Wie viele Artikel beinhaltet die Agent*In? Wird sie zukünftig erweitert?

Zum Start des Wikis sind rund 500 Artikel eingestellt. Die Agent*in wird laufend weiterentwickelt, die einzelnen Artikel ausgebaut, aktualisiert und ergänzt. Des weiteren werden neue Personen, Organisationen, Kampagnen und Veranstaltungen aufgenommen. Die Redaktion informiert über neue Artikel über Twitter @Agent_org und Facebook www.facebook.com/Agentin.org/ sowie auf www.gwi-boell.de .

  1. Wer sind die Autor*innen?

Die Artikel werden von einer Gruppe ehrenamtlicher Autor*innen verfasst, die u.a. als Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen und/oder Bildungsarbeitende mit Themen rund um Antifeminismus befasst sind. Unterstützt werden diese punktuell durch Honorarkräfte. Alle Autor*innen sind der Redaktion namentlich bekannt, werden aber nicht mit Klarnamen genannt, um sie vor möglichen antifeministischen und/oder persönlichen Angriffen zu schützen.

  1. Kann ich auch Autor*in werden?

Autor*innen-Accounts werden anders als bei Wikipedia nur sehr begrenzt und manuell vergeben. Damit soll sichergestellt werden, dass die Qualität der Artikel im Hinblick auf presse-, datenschutz- und persönlichkeitsrechtliche Aspekte ausreichend gewährleistet ist.

Gerne können Interessierte Leser*innen Artikel verfassen und an die Redaktion schicken (redaktion-agentin@boell.de). Diese werden nach Prüfung und ggf. Überarbeitung dann im Wiki veröffentlicht. Ebenso sind ergänzende Informationen zu Artikeln willkommen und können der Redaktion gerne zur Verfügung gestellt werden.

  1. Wie ist die Agent*In organisiert? Wer ist Betreiber*in?

Die Agent*In wird vom Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung e.V. zur Verfügung gestellt und betrieben. Sie basiert auf der freien Software Mediawiki.

Die Redaktion setzt sich aus Prof. Dr. Elisabeth Tuider (Universität Kassel), Andreas Kemper (Soziologe, Autor) und Henning von Bargen (Gunda-Werner-Institut) zusammen. Ihre Aufgabe besteht vor allem in der konzeptionellen Weiterentwicklung des Wikis, der Koordination der Autor*innen und Beiträge sowie der Qualitätssicherung. Inhaltlich verantwortlich gemäß § 10 Absatz 3 MDStV, V.i.S.d.P. ist Henning von Bargen, Leitung Gunda Werner Institut in der Heinrich Böll Stiftung Berlin.

  1. Wer ist Ansprechperson für die Agent*In? Wo erhalte ich weitere Informationen zu Thema?

Der Fachkontakt läuft über die Redaktion (redaktion-agentin@boell.de). Ansprechperson ist Henning von Bargen, Leiter des Gunda-Werner-Instituts. Für Interviews stehen die Redaktionsmitglieder (Andreas Kemper, Elisabeth Tuider, Henning von Bargen) gerne zur Verfügung. Außerdem können weitere Expert_innen zum Themenfeld Anti-Feminismus vermittelt werden.

Stand 14.07.2017

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Kommentare

Wie sich die Grünen durch

Wie sich die Grünen durch Denunziationen und Fake-News immer weiter in Richtung unwählbar bewegen, kann man an Agent*In und dort insbesondere am Artikel über Arne Hoffmann gut sehen. Statt über ihre unhaltbaren Positionen zu diskutieren, ziehen sie Diffamierung a lá "verweist er häufig auf Artikel der neurechten Zeitschrift Junge Freiheit." vor. Einen Artikel von 2010 als Einzelnachweis dafür heranzuziehen, der selbst auch keinen Nachweis liefert, sondern lediglich einen Herrn Gesterkamp zitiert, finde ich schon frech. Wenn ich dann bei einer Google Suche
"Junge Freiheit" site:genderama.blogspot.de
genau 28 Ergebnisse bekomme und davon vielleicht 3 oder 4 mit Verweisen auf Artikel der Jungen Freiheit, dann wird der von Ihnen erhobene Vorwurf, Arne Hoffmann verweise "häufig" auf Artikel diese Zeitschrift, völlig als das erkennbar, war er ist: Der Versuch, durch Denunziation die Diskussion mit einem für Sie unbequemen Linksliberalen von vornherein zu unterbinden.
Wie froh bin ich, nachdem ich über 20 Jahre ihre Partei gewählt habe, schon anläßlich der Auschwitzkeule des Herrn Josef Fischer mit dieser Dummheit aufgehört zu haben. Es verbleibt die Scham über eine mehr als zwanzigjährige Blindheit.

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