Rückblick
30. Green Ladies Lunch
Altern ab zwanzig oder «forever young«?
20. März 2009
Vorweg die Frage: Ab wann ist man alt? Oder besser: Ab wann ist Frau alt? Dies ist durchaus anders zu beantworten als die Frage, ab wann Mann alt ist: „Sechzig. Das ist eine böse Zahl. Da ist nichts mehr zu machen. Mit sechzig ist man alt. Noch immer. Frauen sind mit sechzig älter als Männer mit sechzig“ (Bovenschen, 2006). Das defizitär geprägte Bild der älteren Frau in unserer Gesellschaft verändert sich nur langsam.

Das Gunda-Werner-Institut lud am 20. März 2009 Grüne Ladies zu einem doppelten Jubiläum: Dem 30. Green Ladies Lunch im zehnten Jahr, wie immer unter der Schirmfrauschaft von Claudia Roth, Bündnis 90/Die Grünen.

Zum Auftakt betrachtete Dorothea Reinmuth, Politikwissenschaftlerin, die beiden Kategorien Geschlecht und Alter in den Nichtdiskriminierungsrichtlinien der Europäischen Union und stellte fest: Während es rechtlich bezüglich der Kategorie Geschlecht sehr klare Vorstellungen gibt, was Diskriminierung ist, bleibt die Kategorie Alter sehr diffus.

Dieser „Nachholbedarf“ an kritischer Reflexion zur Kategorie „Alter(n)“ sollte im Folgenden gedeckt werden: Dr. Miriam Haller, Germanistin mit Schwerpunkt kulturwissenschaftliche Alternsforschung, knüpfte an Judith Butlers Theorem des gender troubles an und fragte nach dem „Ageing trouble“ – sprich: nach „der Performativität des Alterns in Diskursen der (Post-)Moderne“.

Danach skizzierte die Soziologin Dr. Silke van Dyk, inwiefern es sich beim „forever young“ um einen selbstregierungstechnischen Aktivierungs-Imperativ handelt, dem kritisch zu begegnen ist.

Den Abschluss bildete Irmingard Schewe-Gerigk MdB, Frauen- und Rentenpolitische Sprecherin der Grünen Fraktion zur praktisch-politischen Frage „Wie können Frauen im Alter gut leben?“ Damit eröffneten die beiden letzten Beiträge ein Spannungsverhältnis für die größere zusammenführende Debatte: Denn zum einen fordern wir von der Politik Konzepte für das gute Leben im Alter, wir fordern Kompensation von bestehenden und zunehmenden Problemen. Zum andern erschienen die Aktivierungsdiskurse, die auch bei der Suche nach Problemlösungen in der Politik eine Rolle spielen, als problematisch.

Der 30. Green Ladies Lunch leuchtete Ohn/Macht und Potenziale des Alter(n)s in feministischen Perspektiven aus. Es schlug Brücken von kulturellen zu ökonomischen Perspektiven, von literarischen bis rentenpolitische Auseinandersetzungen.

Diskussion mit:
  • Irmingard Schewe-Gerigk, MdB Bündnis 90/Die Grünen, Sprecherin für Frauen- und Rentenpolitik
    „Wie hat sich die Sicht auf das Alter in Politik und Gesellschaft gewandelt? Armut im Alter ist nach wie vor ein Frauenproblem. Mit welchen grünen Antworten reagieren wir darauf?“
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  • Dorothea Reinmuth, Universität Erfurt, Politikwissenschaftlerin
  • Dr. Miriam Haller, Universität Köln, kulturwissenschaftliche Alternsforschung
    „Alterskonstruktionen sind Resultate diskursiver und narrativer Akte, die in unterschiedlichen Medien und Wissensordnungen und von unterschiedlichen Akteuren/innen ko-konstruiert werden.“
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  • Dr. Silke van Dyk, Universität Jena, Soziologin
    „Ich möchte im Folgenden den lauter werdenden Ruf nach eigenverantwortlicher Aktivität in der Nacherwerbsphase problematisieren und aufzeigen, dass bislang weder die Alterswissenschaften noch die Wohlfahrtsstaats- und Arbeits-marktforschung diesem (neuen) Phänomen gerecht werden.“
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  • Präsentation: [Frauenporträts von Anja Müller]
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