Gender Mainstreaming in Bosnien
„Gender Mainstreaming ist keine »weiche« Angelegenheit“, sondern „befindet sich im Herzen von Sicherheit“ - zu diesem Schluss kommt die Konfliktforscherin Johanna Valenius in ihrer Studie „Gender mainstreaming in ESDP missions“. Valenius hatte mit ihrer Kollegin Judith Batt in einer Untersuchung für den Rat der EU im Jahre 2006 untersucht, ob die AkteurInnen der EU-Interventionen in Bosnien und Kosovo geschlechtersensibel vorgegangen waren, und kam zu einem vergleichsweise vernichtenden Ergebnis. Zum einen brachte erst die Anwesenheit der „Internationalen“ die Sexindustrie in Bosnien und Kosovo zum Blühen. Zum zweiten wurden kaum weibliche Militärs oder Polizisten eingesetzt, sodass die EU die Chance verpasste, der Bevölkerung neue Rollenmodelle vorzuleben: „Wenn die EU selbst nicht praktiziert, was sie predigt, verliert sie Glaubwürdigkeit und Effektivität.“ Männliche Militärs begründeten das entweder mit dem Fehlen getrennter Wasch- und Schlafräume oder mit der „Gefährdung“ des Zusammenhalts der Truppe durch Frauen. Oder sie behaupteten, Soldatinnen würden in muslimischen Gesellschaften nicht anerkannt, obwohl viele Heere in islamischen Ländern auch Frauen kennen. Zum dritten war die EU für örtliche Frauengruppen oder Organisationen der Zivilgesellschaft „leider unsichtbar“. Viele Frauenaktivistinnen hätten das EU-Personal als „arrogant“ und kolonial“ empfunden.

Quelle:
Johanna Valenius, Gender mainstreaming in ESDP missions, Chaillot Paper No.101, Institute for Security Studies Paris, Mai 2007, http://www.iss.europa.eu/uploads/media/cp101.pdf

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