Veranstaltung: "Frauen und Prekarität: Schwierige Bedingungen für Emanzipation" am 24.11.2011 in Berlin

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Unbezahlte Praktika, befristete Verträge, Minijobs,
Scheinselbständigkeit, Leiharbeit und Bezahlung auf Niedriglohnniveau,
Arbeitsverhältnisse die nur mit Aufstockung durch Hartz IV möglich sind–
die Prekarisierung der Beschäftigungsverhältnisse hat stark zugenommen
und betrifft immer mehr Menschen. Ganz besonders und in zunehmendem Maß
auch Frauen. Wenn die eigene Existenz als permanent bedroht erscheint,
weil eine Grundsicherung auf Dauer nicht gewährleistet ist, werden
emanzipatorische Ansprüche zu einem Luxus der Wenigen.


Was einst
von Feministinnen gefordert worden ist, nämlich das Recht aller Frauen
auf Erwerbsarbeit, zeigt sich heute oft als ökonomischer Zwang. Frauen
(und Männer) müssen, um ihre Existenz zu sichern, ihre Arbeitskraft
unter immer schlechter werdenden Bedingungen verkaufen, sie verfügen
über immer weniger Zeit und Geld, um sich um soziale Belange und
Beziehungen zu kümmern. Die ökonomischen Bedingungen machen eine soziale
und kulturelle Teilhabe schwierig bis unmöglich. Erhöhter Leistungs-
und Arbeitsdruck verschärften zudem das Problem der Versorgung und
Pflege von Kindern, alten und kranken Menschen, für deren Pflege immer
noch hauptsächlich Frauen zuständig sind: Entweder als sog. illegale und
unterbezahlte Pflegerinnen und Haushaltshilfen aus Osteuropa oder als
doppelt belastete Hausfrauen und Lohnabhängige.


Die
Individualisierung und Privatisierung von Lebensentwürfen und die Rolle
des Marktes führen dazu, dass jeder und jede versucht, eine persönliche
Antwort auf ein gesellschaftliches Problem zu finden. Um die
Prekarisierung zu entschärfen, geben Frauen ihre einstigen Berufswünsche
auf, konzentrieren sich auf eine Rolle als Mutter oder schließen von
vornherein Familie und Kinder aus, um sich nicht mit einer
Teilzeitbeschäftigung zufrieden geben zu müssen. Andere versuchen den
manchmal auch scheinbar erfolgreichen Kampf um den beruflichen Aufstieg
um den Preis, physisch und psychisch überlastet zu sein.


In einem ersten Teil der Veranstaltung wird Alexandra Scheele,
Soziologin, den Wandel von Arbeit und Geschlecht skizzieren und auf
Diskriminierungsfolgen für Frauen eingehen. In einem zweiten Teil wird Katja Böhme,
Historikerin, beispielhaft beschreiben, welche Umgangsweisen Frauen für
ihre prekäre Situation finden und welche Probleme sich aus den
individuellen Lösungsansätzen für die Verwirklichung von
Gleichberechtigung ergeben. Schließlich wollen wir darüber diskutieren,
was Emanzipation im Sinne eines solidarischen Handelns heute bedeuten
kann, weil wir der Meinung sind, dass es in der aktuellen Situation
endlich wieder eine öffentliche Verständigung über Emanzipation, nicht
nur unter Frauen braucht.


Die Veranstaltung wird von Renate Hürtgen und Sarah Graber moderiert.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Arbeitskreis Geschichte
Ost-West und der Stiftung Haus der Demokratie und Menschenrechte.


Die Veranstaltung ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.


Realisiert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.

Nähere Informationen finden Sie im Veranstaltungskalender.

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