Die Arbeit von Förderstiftungen für LSBTI-Rechte im Globalen Süden und Osten

Cover des Global Gaze Report - Cover Foto zur Verfügung gestellt von Blue Diamond Society
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Cover des Global Gaze Report - Cover Foto zur Verfügung gestellt von Blue Diamond Society

Der aktuelle Global Gaze Bericht gibt einen Überblick darüber, wie internationale Geberorganisationen LSBTI-Organisationen und -Projekte im Globalen Süden und Osten finanziell fördern. Er zeigt auf, dass die intensive Arbeit der Heinrich- Böll- Stiftung auf dem Gebiet LSBTI inzwischen auch international Anerkennung findet. Erstmals wurde die hbs unter den Top Ten Förderern in diesem Bereich aufgeführt. Außerdem wird in diesem Bericht der Ansatz der Heinrich-Böll-Stiftung, das Genderthema Thema Gender in alle Bereiche als Querschnitsthema zu verankern und keine gesonderte Abteilung für diese Anliegen zu gründen, als besonders wirksam gewürdigt. Durch die gemeinsame Auseinandersetzung mit anderen Themen kann die Toleranz und der Respekt für die LSBTI-Community gestärkt werden.

hbs unter den Top Ten im Bereich Einzelförderung
Die Heinrich- Böll- Stiftung belegt den 7. Platz in der Top Ten Kategorie der Einzelförderungen im Jahr 2010. Die Föorderungen machen 3,5 Prozent aller Einzelförderungen aus. Die gesamte Fördersumme aller Geber für die Unterstützung von LSBTI-Organisationen und -Projekten stieg in den letzten Jahren insgesamt stark an. Zwischen 2005 und 2007 über auf mehr als das Doppelte – von 10,5 auf 26,2 Millionen US Dollar. Im Jahr 2010 kam von 64 verschiedenen Geldgebern eine Summe von 35,5 Millionen USD$ zusammen. Das Förderaufkommen hatte zwischen 2005 und 2010 somit einen Zuwachs von 69 Prozent. Die Anzahl der Einzelförderungen, 713 im Jahr 2010, stieg im gleichen Zeitraum um 53 Prozent.

Übergriffe auf die LSBTI-Gemeinde werden legalisiert
Die Dreilinden gGmbH und das Deutsche Institut für Menschenrechte haben 2011 einen ähnlichen Bericht verfasst, der sich allerdings auf das Fördervolumen deutscher Geber im Globalen Süden und Osten konzentriert. Auch hier wird die Heinrich-Böll-Stiftung hervorgehoben, denn mit 33 Projekten hat sie nachweislich die meisten Einzelvorhaben unterstützt. Doch die Ergebnisse zeigen auch auf, dass in einigen Regionen noch viel passieren muss, um die Menschenrechte für LSBTI-Community zu gewährleisten. Das steigende Interesse an LSBTI- Themen seit einigen Jahren hat auch dazu geführt, dass die Regierungen einiger Länder, die vorher nicht über homo- oder trans*-phobe Bestimmungen verfügten, diese nach und nach einführen. Zwar bedeutet es nicht, dass die Gesetze zwangsläufig angewandt werden, doch die Gefahr für die LSBTI-Gemeinde besteht in deren Kriminalisierung . Diese fördert die gesellschaftliche Stigmatisierung und legalisiert quasi die Übergriffe vom Staat oder Privatpersonen. Außerdem hindert sie die LSBTI-Gemeinde, sich legal zu organisieren und für ihre Rechte einzusetzen.

Die Todesstrafe steht auf einige sexuelle Praktiken in folgenden muslimischen Ländern: Mauretanien, Saudi-Arabien, Sudan, Iran, Jemen, sowie Teile des Nordens Nigerias und im südlichen Teil Somalias. Vor diesem Hintergrund ist es besonders erschütternd, dass gerade nach Nordafrika am wenigsten Unterstützung geflossen ist. Hier besteht eindeutig Handlungsbedarf.

LSBTI-Themen müssen auch von klassischen Menschenrechtsorganisationen mitbedacht werden
Obwohl die Spendenbereitschaft stark angestiegen ist und die LSBTI-Gemeinde auch eine wachsende mediale Präsenz bekommt, reichen diese Summen nicht aus, um den diskriminierten und marginalisierten Gruppen den Schutz ihrer Rechte zu gewähren und sie vor Übergriffen zu schützen. Denn die Summen sind gering im Vergleich zu den Summen die allgemein für Menschenrechte im globalen Süden ausgegeben werden. Zudem macht die Studie deutlich, dass die LSBTI-Community nur von einer relativ kleinen Gruppe von Gebern unterstützt wird. Für die Zukunft wird es von Bedeutung sein, diese Geberbasis zu verbreitern und auch „klassische“ Menschenrechtsorganisationen für die Belange von LSBTI zu sensibilisieren.

Im letzten Teil des Global Gaze Berichtes werden zwei Organisationen zu ihrer LSBTI-Arbeit befragt. TrustAfrica macht darauf aufmerksam, dass in 48 der 54 afrikanischen Länder die LGBTI- Rechte stark eingeschränkt sind und teilweise sogar komplett missachtet werden. Uganda ist dazu derzeit ein sehr prominentes Beispiel.

Die Anti-Homosexuality Bill in Uganda
Auch auf der Berlinale 2012 konnte die LSBTI-Community ihre Anliegen einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machen – hier leider in einem traurigen Kontext, denn der Film Call me Kuchu, der dort vor wenigen Tagen seine Weltpremiere hatte, handelt vom Kampf um die Rechte der LSBTI-Gemeinde in Uganda und der Ermordung David Katos. Die sogenannte Anti-Homosexuality Bill steht in Uganda zur Abstimmung im Parlament. Ursprünglich sollte dort festgeschrieben werden, dass Homosexualität mit dem Tod bestraft wird. Es scheint, dass durch die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft diese Strafe aus dem Gesetzesentwurf entfernt wurde. Wie Naome Ruzindana in einem Interview nach der Filmpremiere deutlich machte, verschlimmere diese Änderung die Lage für die LSBTI-Gemeinde in Uganda absurderweise, denn durch diese Änderung fiele das internationale Interesse weg und der Entwurf könne ohne Beobachter als Gesetz verabschiedet werden. Sie sagt außerdem, dass Menschen wie ihr dann eine lebenslange Haft drohen würden und ihnen nichts anderes als die Flucht übrig bliebe.

Interview mit Naome Ruzindana

A Global Gaze

Zum Report in englischer Sprache.

Dokumentarfilm "Call Me Kuchu" über David Kato

Zum Artikel: Homophobie in Uganda – ein Jahr nach der Ermordung von David Kato von Rita Schäfer