Tunesien: Kampf vor aller Augen

Tunesien: Kampf vor aller Augen

Die LGBT-Community in Tunesien, die lange unsichtbar blieb, drängt inzwischen in die Öffentlichkeit und fordert vernehmbar ihre Rechte ein. Ein  Augenzeugenbericht.

(Anmerkung: Alle verlinkten Inhalte auf Französisch)

Ende März, das Weltsozialforum tagt in Tunis. Auf den Straßen Solidaritätsmärsche, aus der ganzen Welt haben sich Menschen versammelt, um im Einklang mit dem Slogan des Forums „Rechte und Würde“ zu fordern. Zwischen den Schildern und Fahnen fällt eine kleine Gruppe von Demonstranten in den Blick: Es sind LGBTI-Aktivist/innen (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender), die erstmals öffentlich für die Rechte der LGBT in Tunesien demonstrieren. Premiere für eine Minderheit, die bisher im Verborgenen geblieben war, um sich zu schützen.
Ali Bousselmi, Vorsitzender der Vereinigung Mawjoudin – We exist, erklärt:

„Am Anfang hatten wir nur vor, Schilder zu machen und ein, zwei Stunden auf dem Weltsozialforum zu demonstrieren. Doch als wir gesehen haben, was andere Organisationen aus Tunis und anderswo auf die Beine stellten, aber auch weil uns Aktivist/innen aus Marokko unterstützten, haben wir überlegt, weitere Aktionen zu organisieren:  Free Hugs, Demonstrationsmarsch, Flyer. Das Forum hat uns die Möglichkeit gegeben, sichtbar zu werden und Diskussionen in Gang zu bringen.“

Die Fotos von den Aktionen verbreiteten sich schnell in den sozialen Netzwerken und in der Presse. Die Debatte wurde öffentlich. In einem Land, in dem Homosexualität tabuisiert ist und Sodomie mit drei Jahren Gefängnis geahndet wird, kommt es einer Heldentat gleich, in die Öffentlichkeit zu treten.

Weltsozialforum 2015. Foto: Mawjoudin. All rights reserved.

Das Frühjahr 2015 markiert eine Wende im Kampf für die Rechte der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen in Tunesien. Ali erzählt, wie die LGBT-Community beschloss, einen Stand auf dem Campus der El Manar-Universität in Tunis zu errichten, um dort zur Diskussion über Homosexualität einzuladen.

„Wir haben Blätter und Stifte an dem Stand ausgelegt und die Leute aufgefordert, sich schriftlich zu äußern, ob sie für oder gegen Homosexualität sind. Wir wollten einen Dialog in Gang bringen. Anfangs verlief auch alles gut, aber irgendwann wurden die Leute aggressiv und haben uns beleidigt und geschlagen – eine Reaktion, die vorauszusehen war.“

Ali wusste, dass die Gefahr von Ausschreitungen und Gewalt bestand: „Das Risiko haben wir in Kauf genommen und es hat sich gelohnt. Alles in allem fällt die Bilanz eher gut aus, bis auf diesen Zwischenfall.“ Durch die öffentliche Präsenz der LGBT-Community wurde mehr Aufmerksamkeit für die Diskussionen und Aktionen geschaffen. „Wir hatten Vorträge geplant, aber wir wollten auch, dass eine breite Öffentlichkeit daran teilnimmt. Es lesen aber nicht alle genau das Programm, deshalb war es wichtig, sichtbar zu sein“, erklärt er.

Für Meyram* vom feministischen Kollektiv Chouf Minorities (das arabische Wort „Chouf“ bedeutet „schau her“)  war der Auftritt der LGBT-Community während des Weltsozialforums sehr gut überlegt. „Die Leute, die dort waren, sind Aktivist/innen, die sich zu schützen wissen, die ihre Rechte kennen und denen klar ist, dass sie nicht verhaftet werden können, nur weil sie eine Fahne schwenken. Außerdem bot die Atmosphäre auf dem Weltsozialforum mit Tausenden Besucher/innen aus der ganzen Welt einen geschützten Rahmen.“

Diesen öffentlichen Aktionen folgte ein paar Tage später bei einer Modenschau während des Festival de la Mode in Tunis eine unabhängige Aktion ganz anderer Art:

Ein Modedesigner ließ seine Modenschau mit einer persönlichen Aktion enden: Ein Mannequin schwenkte die Fahne der LGBT. Auch dieses Bild wurde in den sozialen Netzwerken und der Presse verbreitet. Jahrelang leistete die LGBT-Community in Tunesien interne Aufbauarbeit, sondierte die Bedürfnisse ihrer Mitglieder und ergriff Maßnahmen zu ihrem Schutz. Inzwischen ist sie in eine neue Phase eingetreten und betreibt Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit.

Ein vorbereiteter Schritt

Ali zufolge brauchte es Zeit, bis sich die Community auf den Weg machen konnte. "Mawjoudin! Es gibt uns, wir sind da!“, sagt Ali.

Der Verein Mawjoudin, der für LGBT-Rechte eintritt, nahm seine Arbeit Anfang 2014 auf und erhielt Ende Januar 2015 seinen rechtlichen Status. Doch Ali schärfte schon vorher seine Waffen. Anfang 2011 versuchte er sich mit Amnesty in Tunis für die Rechte von LGBT einzusetzen. „Aber wir dachten, wir bräuchten erst Zeit, um zu begreifen, wie eine Organisation funktioniert, um uns erst noch zu schulen und die Realität von Homosexualität und Homophobie in Tunesien kennenzulernen.“

Austausch und Begegnungen mit ausländischen,  insbesondere libanesischen Organisationen, die für dieselben Rechte kämpfen, sorgten bei den Aktivist/innen dafür, dass ihre Kompetenzen schnellgestärkt wurden. Heute besitzen sie das Rüstzeug, sich in die Öffentlichkeit zu begeben, und empfinden dies auch als notwendig.

Die in der tunesischen Gesellschaft weit verbreitete Homophobie ist das vordringlichste Problem, das angegangen werden muss. Die mit der Revolution erkämpfte größere Redefreiheit hat auch zu einer Zunahme des homophoben Diskurses in den Medien geführt. Für die Mitglieder der LGBT-Community ist es wichtig, darauf in konstruktiver Weise zu reagieren.

Weltsozialforum 2015. Foto: Mawjoudin. All rights reserved.

Aber vor allem ist es höchste Zeit, ihre Rechte einzufordern und gegen die Strafbarkeit von Homosexualität vorzugehen. Seit der Revolution erhielten die Aktivist/innen immer wieder die Antwort, es sei dafür gerade nicht „der richtige Zeitpunkt“. „Was Rechte angeht, gibt es keine Priorität“, sagt Khouloud Mahdhaoui, Vorsitzende von Chouf, „du besitzt sie alle oder du besitzt sie nicht.“

Die Ausrede des falschen Timings erbost viele Aktivist/innen. Houssem*, der dem Verein Kelmty vorsteht, will die politische Rede befreien. Ihm zufolge muss Tunesien, wenn es ein moderner Staat sein will, gegen Artikel 230 des Strafgesetzbuches vorgehen, der einen Teil der Bevölkerung diskriminiert: „Es ist eine lächerliche Ausrede, zu sagen, dies sei nicht der richtige Zeitpunkt. Wenn Tunesien sich für demokratisch erklärt, dann gibt es keinen besseren Zeitpunkt.“ Voller Bitterkeit listet er die unzähligen Diskussionen mit Juristen und Politikern auf, die immer erfolglos blieben.

„Es wird so getan, als hätten wir uns Flausen in den Kopf gesetzt. Aber mein Recht ist keine Flause. Ich habe das Recht, vom Staat zu verlangen, dass er aufhört, mich als Kriminellen zu betrachten.“

Houssem spricht auch von der Zurückhaltung einiger in der Community, die die Repression und Tabuisierung dermaßen verinnerlicht haben, dass sie sich nicht einmal vorstellen können, ihre Rechte einzufordern. „Wir haben viele abwehrende Reaktionen von Mitgliedern der Community erhalten. Sie sagten uns, dass es  sinnlos sei, für unsere Rechte einzutreten“, berichtet er. Er aber kämpft weiter, wie andere auch.

Für Badreddine Baabou, dem Vorsitzenden von Damj, ist die Zeit abgelaufen, in der sie im Verborgenen für Gerechtigkeit und Gleichheit gekämpft haben. Auch er spricht von den unzähligen Gesprächen mit Juristen und Politikern, die alle nichts gebracht haben. „Der Kampf muss mit lauter Stimme geführt werden“, sagt er. Der tunesische Verein für Gerechtigkeit und Gleichheit, Damj, ist der älteste der Community. Er wurde im August 2011 genehmigt. Bereits 2010 hatte Damj einen Antrag gestellt, der jedoch abgelehnt wurde, „weil wir in den Statuten von LGBT-Rechten gesprochen haben. Das mussten wir ändern: Heute sprechen wir von Minderheiten und Randgruppen.“

Damj arbeitet schon seit Jahren für die Rechte der LGBT. Doch Badreddine will, bevor er vom Alltag eines Teils der Community zu reden beginnt, den rechtlichen Aspekt des Kampfes unterstreichen. Zwar hat die Community an Stärke gewonnen und ist heute mehr in der Lage, sich für die eigenen Belange einzusetzen, aber er betont, dass auch rechtliche Veränderungen zur Verbesserung der Situation beitragen würden. Er erwähnt die großen in der Verfassung festgehaltenen Prinzipien wie Gleichheit zwischen Bürger/innen, Schutz des Privatlebens und der Wohnung, Vertraulichkeit des Briefverkehrs hervor.

Zu diesen Grundsätzen steht Artikel 230 des Strafgesetzbuches in Widerspruch. Doch mangels eines Verfassungsgerichts kann im Augenblick noch nicht dagegen vorgegangen werden.

Gegen die Gewalt kämpfen

Die Aufhebung von Artikel 230 ist deshalb entscheidend, weil dadurch eine Verhaltens- und Mentalitätsänderung herbeigeführt werden kann, die Auswirkungen auf den Alltag der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen in Tunesien haben wird.

„Die Arbeit hat 2002 begonnen, war aber damals noch marginal. Es gab Probleme auf den Dating-Seiten im Internet”, erzählt Badreddine. Polizisten verabredeten sich unter Vorgabe einer falschen Identität mit Personen aus der LGBT-Community, um sie zu verprügeln oder festzunehmen. So kam es zu erzwungenen Coming-outs und Leute landeten auf den Straßen, weil sie von ihrer Familie verstoßen worden waren.

Die Mobilisierung der Community Anfang der 2000er Jahre begann, um der Gefährdung und Stigmatisierung entgegenzutreten, der einzelne Mitglieder ausgesetzt waren.

Graffiti von 2008 gegen Artikel 230 des Strafgesetzbuches. Foto: damj/inkyfada. All rights reserved.

„Es wird von Artikel 230 gesprochen, als wäre er ein totes Gesetz, aber das ist falsch. 2008 gab es viele willkürliche Verhaftungen, vor allem in Tunis. Die Polizei verfolgte die Leute bis in die Bars und Cafés und verhaftete sie”, erinnert sich Badreddine. War bei den Festnahmen Anfang der 2000er Jahre in den Protokollen noch von „Ausschweifung” die Rede, änderte sich 2008, 2009 der Ton. Es begann eine Art Hexenjagd. Die Polizei- und Gerichtsprotokolle nannten nun explizit Homosexualität als Grund der Verhaftung und Verurteilung.

Die Community schloss sich zusammen, um für die Inhaftierten Hilfe zu organisieren, einen Anwalt zu beschaffen und die Strafen zu senken. „Während all der Jahre gab es nur zwei Anwälte, die uns immer geholfen haben und denen es gelang, die Sanktionen zu verringern. Aber sie mussten mit falschen Karten spielen und zum Beispiel mit dem eingeschränkten Geisteszustand ihrer Mandant/innen argumentieren. Lästige Ausreden, aber das war damals die einzige Möglichkeit, die Leute wieder aus dem Gefängnis zu holen und das hatte für uns Priorität.”

Willkürliche Verhaftungen und Diskriminierung

„Ab 2008 waren wir Diskriminierungen ausgesetzt. Richter und Polizisten wendeten Artikel 230 nach Gutdünken an, und das Polizeiprotokoll wurde noch während der Verhaftung geschrieben”, erinnert sich Badreddine. Eine semantische Verschiebung vollzog sich: Es ging nicht mehr darum, den Akt der Sodomie zu verurteilen, sondern ein Verhalten, dessen Beurteilung man dem guten Willen der Autoritäten überließ. Je homophober der Polizist und der Richter waren, desto höher fiel die Strafe aus.

Zwei Jahre lang kam es zu Dutzenden willkürlichen Verhaftungen und Prozessen. Badreddine zufolge gab es in der Hafenstadt Sousse die meisten Festnahmen Homosexueller. In Sousse und in Tunis steckte man die wegen Homosexualität verurteilten Männer in spezielle Zellen, die ironische Namen wie “rosa Zimmer oder Löwenzimmer” trugen, um die Männlichkeit der schwulen Gefangenen infrage zu stellen. 40 bis 60 Häftlinge wurden in diesen Zellen untergebracht.

„Jedes Mal, wenn unter den Häftlingen ein 'Homosexueller' entdeckt wurde, sperrte man ihn in diese Zelle.”

In dieser Zeit, als es noch weitgehend an Organisierungsfähigkeit mangelte, gründete ein Dutzend Aktivist/innen, die alle anonym blieben und im Internet agierten, die erste LGBT-Gruppe Tunesiens, um für ihre Rechte zu kämpfen. Sie boten juristische Hilfe an und organisierten Kampagnen im Internet. Aber auch in der Realität: In mehreren Städten erschien an Wänden ein Graffiti – ein Zeichen, dass sich die Community zusammenschloss.

Die Revolution: finstere Jahre

Zwischen 2011 und 2013 hat die Gewalt zugenommen, berichtet Badreddine: „Es gab Razzien an belebten Orten, Lynchjustiz mitten in der Stadt, durchgeführt von organisierten Banden und Leuten, die wussten, dass sie kein Risiko eingingen, weil das Opfer aus Angst, selbst angeklagt zu werden, keine Anzeige erstattete.”

Schlimmer noch: Zwischen 2011 und 2014 zählte die Community im ganzen Land an die 15 aus Homophobie begangene Morde. Einigen Opfern sei am Telefon gedroht worden, erzählt Badreddine. „Das waren nur die bekannten Fälle, andere wurden verschwiegen”, beklagt er.

„Es stimmt, dass die Community nur zögerlich gewachsen ist. Aber nach der Revolution, mit der zunehmenden Zahl von Ermordungen und der weit verbreiteten Homophobie, die für alle normal zu sein schien, schloss sich die Community schneller zusammen.” Dass homophobe Gewalt nach wie vor ein Problem ist, zeigt der Fall einer Chouf-Aktivistin vor einigen Wochen, die angegriffen wurde, als sie homophobe Sprüche wegwischte.

Chouf!

„Ja, die Gewalt hat zugenommen, das ist spürbar. Insgesamt stehen die Minderheiten mehr im Visier. Die Tatsache, dass wir in der Öffentlichkeit stärker in Erscheinung treten, macht uns auch verwundbarer. Seit der Revolution werden wir vermehrt verhöhnt und angegriffen“, beklagt Meryam. Khouloud pflichtet ihr bei. Houssem spricht sogar von einer Explosion der Gewalt: „Minderheiten werden gehasst.“ Für ihn ist die Gesellschaft ganz klar machistisch: „Wir leben in einer Gesellschaft, in der alles Männliche verehrt und respektiert wird.“

Plakat der Organisation Chouf. Foto: Chouf. All rights reserved.Diesen Eindruck teilen auch die Mitglieder des feministischen Kollektivs Chouf, das sich vor allem mit dem weiblichen Körper beschäftigt und gegen Diskriminierung kämpft. Chouf wurde 2013 gegründet und ist im Ausland als Verein eingetragen, denn, erklärt Meryam, es war nicht möglich sich in Tunesien als Organisation, die sich für die Rechte der tunesischen Lesben, Bisexuellen und Transsexuellen (LBT) einsetzt, registrieren zu lassen.

Meryam*, die Chouf mitgegründet hat, war auch zuvor schon in einer Organisation aktiv, fand dort aber die feministische Sicht zu wenig repräsentiert. „Wir waren immer Opfer von Lesbo- und Transphobie.“

Khouloud erzählt, dass die Mitglieder von Chouf beschlossen, ihre Kompetenzen zu sammeln und mithilfe der Medien und audiovisuellen Möglichkeiten die Themen des Feminismus und  der LBT-Community anzusprechen.

Das Kollektiv ist seit 2013 aktiv: Es schult seine Mitglieder in Lobbyarbeit, gibt Rechte-Leitfäden heraus, plant Zusammenkünfte. Am 17. Mai 2014 organisierte Chouf gemeinsam mit Mawjoudin den ersten Internationalen Tag gegen Homophobie in Tunesien. Fotos und Flyer wurden in den tunesischen Dialekt übersetzt, um sie allen zugänglich zu machen.

An die 50 Menschen kamen an diesem Tag zusammen. „Wir haben uns vor allem um die Sicherheit der Teilnehmer/innen gesorgt. Deshalb war es eine geheime Veranstaltung mit persönlicher Einladung.“ Man agiert also nach wie vor diskret, zuweilen sogar hinter verschlossenen Türen. „Es stimmt, dass es heute ein größeres Bedürfnis nach Sichtbarkeit gibt: Chouf nahna mawjoudin! Look, we exist!“, lacht Meryam.

Internationaler Tag gegen Homophobie

Am 17. Mai diesen Jahres organisierten Chouf und Damj zwei öffentliche Veranstaltungen. Chouf organisierte ein Kunstfestival, bei dem jede Person, die sich als Frau auswies, eingeladen war, sich in einem künstlerischen Akt auszudrücken. Es ging bei dieser Aktion darum, die von der Gesellschaft diktierte Genderordnung infrage zu stellen.

Auf der Website von Chouf war zu lesen: „Fünf Minuten nach der Geburt entscheiden sie über deinen Namen, deine Staatsangehörigkeit, deine Religion, deine Sexualität und deine Community … und du verbringst dein ganzes Leben damit, für Dinge einzutreten, die du dir nicht ausgesucht hast, und sie dumm zu verteidigen.“ Das Kunstfestival sollte eine Möglichkeit bieten, über die Identitätsklischees zu diskutieren.

Plakat des Kunstfestivals. Foto: Willis. All rights reserved.Katze links: “Ich geh' da hin!”
Katze rechts: “Warum? Bist du Feministisch?”
Katze links: “Nein, aber es kommen so viele Mädchen!”


Damj organisierte wie schon 2014 ein Debattencafé. Dieses Jahr stand es unter der Überschrift „Homosexualität (Homosensualität) im Islam“. Die Veranstaltung erhielt große Aufmerksamkeit und bedeutete für die Organisation Damj, die  bislang im Verborgenen agierte, einen Wendepunkt.

Solche Veranstaltungen sind wie ein Luftholen vor der großen Schlacht, dem Kampf für die Aufhebung von Artikel 230 des Strafgesetzbuches – für Khouloud, Meryam, Badreddine, Ali und Houssem das vordringliche Ziel –, die Reform aller diskriminierenden gesetzlichen Regelungen, gegen homophobe Gewalt und für die Anerkennung als gleichwertige Bürger/innen. Ein Kampf, der heute mit erhobener Stimme geführt wird.

Dieser Artikel erschien zuerst im Französischen auf inkyfada.com.

Anmerkung der Autorin  
Die mit * gekennzeichneten Namen wurden zum Schutz der im Artikel erwähnten Personen geändert.
Die Titelseite wurde auf der Grundlage eines Fotos des Vereins Chouf entworfen.
Ein großes Dankeschön an Willis From Tunis, die uns erlaubt hat, eine ihrer Illustrationen zu verwenden.

Mitarbeit:
Lilia Blaise, Redaktion
Abir Ben Smaya, Integration und Entwicklung
Kais Zriba, Illustratione
inkyfada 2014
inkyfada.com ist ein Projekt  der tunesischen NGO Al Khatt
contact@inkyfada.com  

Übersetzung:
Uta Rüenauver

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