Für die nächste Generation: Lernen aus der Vergangenheit in Serbien

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Für die Heinrich-Böll-Stiftung ist seit langem ein weiterer strategischer Partner in Serbien das Belgrader Zentrum für Frauenstudien und Geschlechterforschung. Dieses ist eine alternative akademische Einrichtung, zu deren Hauptaktivitäten seit zehn Jahren die Organisation eines Postdiplom-Studiengangs in Gender Studies gehört. So hatte das Zentrum 2007 erneut einen einjährigen Kurs zum Thema „Vergangenheitsbewältigung: bürgerliche Verantwortung“ angeboten, der sich an Studierende und Lehrpersonal der Belgrader Universität richtet. Beleuchtet wurde darin unter anderem der Missbrauch von Geschichte und Religion für eine nationalistische Politik. In den Vorträgen über die Verantwortung für die Kriegspolitik und die in diesem Rahmen begangenen Verbrechen wurde mit Bedacht immer wieder der Blick auf die geschlechterspezifischen Aspekte gerichtet. Wie eine genderorientierte Vergangenheitspolitik aussehen müsste, wurde in einer begleitenden öffentlichen Veranstaltung thematisiert.


Nachzulesen ist das alles in einem Sonderheft der Zeitschrift Genero, die das Frauenstudienzentrum seit 1995 herausgibt. Hier wurden im Laufe der Jahre wichtige Texte der feministischen Theorie, Philosophie und Kultur veröffentlicht. Viele dieser Texte sind eigens aus anderen Sprachen übersetzt worden. Mit einer leichten Akzentverschiebung hin zu Fundamentalismus, wurden 2008 dann wieder 25 Personen in einer solchen alternativ-akademischen Veranstaltungsreihe zur kritischen Beschäftigung mit der jüngsten serbischen Geschichte und der sich daraus ergebenden Verantwortung eingeladen. Die Nachfrage nach diesem, vom offiziellen Hochschulbetrieb nicht anerkannten Studiengang, ist ungebrochen groß. Als besonderer Erfolg der langjährigen Arbeit wurde 2006 das Zentrum für Geschlechterstudien und Politik an der politikwissenschaftlichen Fakultät der Universität Belgrad eingerichtet. Damit haben Gender Studies erstmals überhaupt Eingang in den offiziellen serbischen Hochschulbetrieb gefunden.