WM 2014 in Brasilien: Weniger als 1000 Tage bis zum Anpfiff

WM 2014 in Brasilien: Weniger als 1000 Tage bis zum Anpfiff

Kinder spielen Schlammfußball auf der StraßeSchlammfußball in Brasilien. Urheber: Lucas Ninno. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

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1. Nach der WM – zurück auf der Straße
2. Vor dem Wettkampf war das Spiel: Bildungsarbeit mit Fußball
3. Straßenfußball als Kick für die Wirtschaft
4. Auf dem Platz sind alle gleich: Der Mythos von der Überwindung gesellschaftlicher Gegensätze
5. Kickfair und Formaçao: Zwei Beispiele fürs Lernen mit Fußball in Deutschland und Brasilien
6. Straßenfußball – Garant für Nachhaltigkeit oder Feigenblatt?
7. Auf dem Weg zur WM: Armut bekämpfen
8. Für saubere Spiele – in den WM-Stadien und außerhalb
9. Links & Literatur
10. Bilder aus São Luís

Nach der WM – zurück auf der Straße
„Durch den Straßenfußball habe ich gelernt, die Menschen in ihrer Diversität zu respektieren“, sagt Diane Sousa. Nach einer Pause legt die 19-jährige wild gestikulierend nach: „Es geht nicht ums Gewinnen, sondern um ein Spiel zwischen Mädchen und Jungen als Performance, bei der sich die Summe der Fähigkeiten ausgleichen.“ Im Frühjahr 2011, vor der Fußball-WM der Frauen, war Diane Sousa als Gast der Heinrich-Böll-Stiftung auf Tour in Deutschland. Im Herbst 2011 ist sie nun selbst Gastgeberin: Beim „Encontro Brasileiro de Mediação em Esportes Educativos“.

Beim „Treffen der Mediation im pädagogischen Sport“ - so der Titel auf Deutsch - im Oktober in São Luís, der Hauptstadt von Maranhão, steht der Straßenfußball im Mittelpunkt. Die anstehenden sportlichen Megaevents in Brasilien – von der Fußball-WM 2014 bis zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 – werfen ihre Schatten bis in den Bundestaat im hohen Nordosten des riesigen Landes.

Die schmächtige Diane Sousa von der Veranstalter-NGO Formação ist so etwas wie der kleine Star der Konferenz der Sportmediatoren und fast auf jeder Veranstaltung präsent – mal diskutiert sie auf dem Podium mit, mal begleitet sie eine Band im Rahmenprogramm als Perkussionisten; eine ehemalige Lehrerin nennt Diane ein „Phänomen“. Nach ihrer Rückkehr aus Deutschland im Mai rief sie in São Luís das erste Straßenfußballturnier für Frauen ins Leben, zu dem auch ein Schiedsrichterinnen-Lehrgang gehörte. Und jetzt hat Diane, die bei Formação zur Sportmediatoren ausgebildet wurde und gerade ein Jurastudium begonnen hat, die dreitägige Konferenz mit organisiert.

Eingeladen zum brasilianischen Treffen ist auch der Kolumbianer Jairo Aguilar. Der 36-jährige erzählt dem, vornehmlich jungen Publikum vom Drogenkrieg in seiner Heimat in den 1990er Jahren, in dem sich auch verfeindete Jugendbanden einzelner Viertel Bogotás bekämpften – es ist die Geschichte seines Lebens. „Damals war es sogar gefährlich, wenn man eine Freundin aus einem anderen Viertel hatte.“ Dann wurden Fußballspiele zwischen den Banden ins Leben gerufen – es waren erste Schritte zu friedlichen Kontakten.

Bei den Fußballpartien galten allerdings spezielle Regeln: Nicht nur die Tore zählten, sondern auch die Fairness im Zweikampf mit dem Gegner. Vor allem aber gab es keinen Schiedsrichter. Zentraler Akteur war stattdessen ein Mediator, der den Spielern unter anderem dabei half, eigene Fair-Play-Regeln zu entwickeln.

Vor dem Wettkampf war das Spiel: Bildungsarbeit mit Fußball
„Fútbol por la paz“ heißt dieser Ansatz seither im spanischsprachigen Raum, der von Formação auch in Brasilien praktiziert wird und in Deutschland als „Straßenfußball für Toleranz“ bekannt ist: Auf Kleinfeldern stehen sich geschlechtergemischte Vierer-Teams gegenüber – auf dem Platz müssen dabei stets zwei Mädchen sein; nur wenn sie ein Tor erzielen, zählen auch die Treffer der Jungs. Zudem hat das Spiel nicht nur zwei, sondern drei „Halbzeiten“: in der ersten werden gemeinsam Fair-Play-Regeln vereinbart, in der zweiten gespielt und in der dritten – unter Anleitung des Mediators – noch einmal abschließend über alles Vorgefallene reflektiert: Wurden die Vereinbarungen von allen eingehalten? Und falls nicht: Wie ist dann damit umzugehen?

Das „Encontro“ in São Luís ist so etwas wie ein Familientreffen der internationalen Straßenfußballszene – keinesfalls alle, aber doch viele der Projekte arbeiten nach der „Straßenfußball für Toleranz“-Methode. Anderswo hat man eigene Regeln, um den Fußball als Mittel für Bildungsprogramme zu nutzen: In Kenia müssen Spieler Müll recyceln, bevor Tore gelten, während in Südafrika beim Training nicht nur Dribbeln geübt, sondern auch über Aids aufgeklärt wird.

In Brasilien hat es der Ansatz, Sport und Bildung miteinander zu verbinden, dabei anscheinend ähnlich schwer wie in Deutschland, größere Anerkennung zu finden – Formação erhofft sich vom Mediationstreffen einen Schub in der öffentlichen Wahrnehmung. Immerhin sind „edukative Sportarten“ in Brasilien anders als bei uns ein bereits bekannter Begriff. Vielleicht liegt das vor allem daran, dass Konzepte, die auf das spielerisch-erzieherische Potential des Sports setzen, in einem ballverrückten Land wie Brasilien einfach auf der Hand liegen. Regina Cabral, Mitgründerin von Formação, bittet jedenfalls darum, als Botschaft nach Deutschland zu tragen: „Gespielt hat der Mensch immer schon, seit jeher ist er ein Homo ludens. Der sportliche Wettkampf hat sich hingegen erst mit der Zeit herausgebildet.“

Straßenfußball als Kick für die Wirtschaft
Das Thema Sport und internationale Entwicklungszusammenarbeit hat währenddessen Konjunktur – gerade auch in Deutschland. Es gebe eine „Flut von Initiativen und Projekten“, heißt es dazu in einer aktuellen Veröffentlichung der Deutschen Sporthochschule Köln. Obwohl systematische und vergleichende Untersuchungen zum Thema bislang Mangelware sind, wird etwa der Fußball mittlerweile in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit eingesetzt: „Die Jugendlichen lernen dabei, sich an Regeln zu halten, den Gegner zu achten und gemeinsam etwas zu erreichen“, schreibt etwa das „Magazin zur Entwicklungspolitik der Regierung“.

Als Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) nun im September in Brasilien war, hat er dort mit dem internationalen und der FIFA kooperierenden Straßenfußball-Netzwerk „streetfootballworld“ eine Absichtserklärung unterzeichnet: Unter anderem sollen Fachkräfte aus Deutschland streetfootballworld vor der WM 2014 in Brasilien dabei helfen, vor Ort ein Landesnetzwerk zu etablieren. Der FDP-Mann scheint dabei auch an die Mitwirkung deutscher Firmen zu denken: Durch die enge Vernetzung und den ständigen Austausch der Akteure von streetfootballworld sollen Partnerschaften mit Unternehmen der deutschen Wirtschaft erleichtert werden. Für diese ist das Land schon jetzt der größte Handelspartner in Lateinamerika, und Thyssen Krupp, Siemens, Bayer und BASF investieren Milliarden in Stahlwerke, Telekommunikation, Infrastruktur und Agrobusiness. Durch WM und Olympia winken jetzt weitere Großaufträge.

Auf dem Platz sind alle gleich: Der Mythos von der Überwindung gesellschaftlicher Gegensätze
Öffentlich redete Niebel vor allem von der Unterstützung des im Hinblick auf die „Überwindung gesellschaftlicher Gegensätze so wichtigen Straßenfußballs“ in Brasilien. Generell überwinde der Fußball Gegensätze, so Niebel, und der sportliche Wettkampf ermögliche „die Annäherung von Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und unterschiedlicher sozialer Schichten“.

Das Bild von der völkerverständigenden und Klassengegensätze überwindenden Balltreterei – werden dem Fußball damit Möglichkeiten zugeschrieben, die er gar nicht erfüllen kann? Wird der weltweit beliebteste Sport damit nachträglich mit einer unangemessenen sozialen Sinnhaftigkeit aufgeladen?

„Sport befördert nicht notwendigerweise die Integration und gerade beim Fußball muss man ganz genau hinschauen“, sagt zumindest der Sportwissenschaftler David Breimer. Man müsse sich nur die allwöchentliche Gewalt auf den Plätzen in Deutschlands unteren Fußballigen vor Augen führen, um diesen Mythos zu widerlegen, so der 31-jährige von der deutschen NGO „Kickfair“ beim Treffen in São Luís. Um das Potential des Fußballs zu nutzen, bedarf es laut Breimer „zum einen der jeweiligen Situation angepasster Inszenierungen, zum anderen begleitender Lernarrangements“.

Und bezüglich der sozialen Ungleichheit überwindenden Kraft des Spiels bleibt festzuhalten, dass dies dem modernen Sport eingeschrieben ist: Der Glauben an den Mythos „Just do it“ – es ist egal, woher du kommst, auf dem Platz sind alle gleich. Soziale Ungleichheiten werden damit individualisiert und unsichtbar gemacht, sind nicht mehr politisch zu verantworten. Wird der Mythos von der verbindenden Kraft des Fußballs angerufen – zumal von Politiker_innen –, dann ist meistens Vorsicht geboten.

Kickfair und Formaçao: Zwei Beispiele fürs Lernen mit Fußball in Deutschland und Brasilien
In Deutschland hat Kickfair die „Straßenfußball für Toleranz“-Methode zu einem Bildungskonzept ausgefeilt, mit dem die Organisation mit Schulen, Kommunen und verschiedenen Trägern der Jugendarbeit in ganz Deutschland arbeitet, gezielt auch an sozialen Brennpunkten mit hohem Migrantenanteil. „Das Besondere an dem Ansatz ist, dass die Jugendlichen als Projektgestalter selbst aktiv sind und ihre Erfahrungen als Mediatoren im Straßenfußball an andere Kinder und Jugendliche weitergeben“, sagt Breimer. Letztlich lasse sich der Mediations-Ansatz, ist Breimer überzeugt, auch außerhalb des Sports anwenden. Von der Universität Tübingen wird das Straßenfußball-Konzept von Kickfair aktuell umfassend evaluiert.

Zurück in Maranhão , einem der ärmsten Bundesstaaten Brasiliens – bekannt ist Maranhão vor allem durch den von dort stammenden Ex-Präsidenten José Sarney und seine Familie, die im Ruf steht, ihre Heimat schamlos auszubeuten. Sarneys Tochter Roseana ist amtierende Gouverneurin Maranhãos, und ihr Vater wurde im Februar zum vierten Mal zum Präsidenten des Senats gewählt – ein Zeichen dafür, welch schwierige Koalitionen Brasiliens linke Präsidentin Dilma Rousseff zum Teil mit Vertretern der traditionellen politischen Eliten aus Zeiten der Militärdiktatur eingehen muss, um die Handlungsfähigkeit ihrer Regierung sicherzustellen.

Aber auch hier in Maranhão greifen die vom Rousseff-Vorgänger Lula eingeführten Sozialprogramme – landesweit sollen dadurch rund 40 Millionen Menschen die extreme Armut hinter sich gelassen haben. Die Mittel einer NGO wie der 1999 gegründeten Organisation Formação sind da vergleichsweise bescheiden, aber ihre Möglichkeiten scheint Formação zu nutzen. Wobei der integrative Ansatz der NGO laut Formação-Mitgründerin Regina Cabral immer zum Ziel hat, „die Lebensqualität der Ärmsten zu verbessern“. In städtischen „Comunidades“ wie in armen ländlichen Gebieten Maranhãos, zum Beispiel der „Baixada Maranhense“, dem feuchten Tiefland, aus dem auch Diane Sousa kommt, werden von Formação Sport- und Medienzentren betrieben, regelmäßig so genannte „Jugendforen“ abgehalten und der Nachwuchs sowohl zu Sportmediatoren als auch zu „jungen Kommunikatoren“ ausgebildet. Letzteres ist umso wichtiger, als die Bewohner der Armensiedlungen in den traditionellen Medien kaum Gehör finden.

Im geplanten Projekt „MIDIação" sollen die Bereiche Mediation und Medien miteinander verknüpft werden, und Straßenfußball-Turniere im Internet wie bei kommunalen Radiosendern beworben werden. Eine andere Projektidee Formaçãos ist es, die Mediation zur Konfliktbewältigung an Schulen zu bringen: „Schülermediatoren können dabei helfen, dass es weniger Mobbing an Schulen gibt“, sagt Regina Cabral beim Besuch der öffentlichen Schule Mario Meireles.

Straßenfußball – Garant für Nachhaltigkeit oder Feigenblatt?
Beim Treffen für Sportmediation verkündet UNICEF Brasilien anschließend, dass es vor der WM 2014 ein großes Straßenfußball-Programm an Schulen überall im Land durchführen wolle. Es sind inzwischen weniger als eintausend Tage bis zum Anpfiff der Fußball-WM in Brasilien – und viele stehen längst in den Startlöchern, auch streetfootballworld, die weltweit wohl wichtigste Organisation im Bereich Straßenfußball. Jürgen Griesbeck, der deutsche Gründer des Netzwerks mit Hauptsitz in Berlin, gilt auch als Erfinder der „Fútbol por la paz“-Methode: Erschüttert von der Ermordung des kolumbianischen Fußallnationalspielers Andrés Escobar – bei der WM 1994 hatte dieser ein Eigentor geschossen –, entwickelte Griesbeck im kolumbianischen Medellín diesen speziellen Straßenfußball-Ansatz.

Mittlerweile umfasst das internationale Netzwerk weltweit über 80 Mitgliedsinstitutionen und Griesbeck ist zum gefragten „Sozialunternehmer“ geworden: Im Juni wurde er zum „European Social Entrepreneur of the Year“ ernannt, im August nahm er schließlich für streetfootballworld den mit einer Millionen Euro dotierten „Monaco Charity Award“ der UEFA in Empfang. Griesbecks Botschaft lautet: Im Fußballsektor zirkuliere ungeheuer viel Kapital, das aber kaum sozialverantwortlich genutzt werde – das gelte es zu ändern. Die gesamte Branche sollte flächendeckend 0,7 Prozent ihres Umsatzes in soziale Projekte investieren.

2006 hat streetfootballworld zum ersten Mal ein internationales Straßenfußball-Turnier ausgetragen – damals parallel zur WM im Lande im Berliner Szenebezirk Kreuzberg. Ein Jahr später begann eine „strategische Allianz“ mit der FIFA, und mit Mitteln des Fußballweltverbandes organisierte streetfootballworld 2010 in Südafrika das „Football for Hope“-Rahmenprogramm, wozu auch die Errichtung von 20 Sport- und Gesundheitszentren zählte – als „wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Ausrichtung des Großereignisses“ Fußball-WM. Die Kooperation mit der FIFA ist dabei mit Sicherheit kein leichtes Unterfangen, wo man dadurch doch in den Ruf geraten kann, als soziale Feigenblatt-Initiative für die skandalumwitterte FIFA-Clique herzuhalten.

Auf dem Weg zur WM: Armut bekämpfen
Andrés Thompson, Chef des neu gegründeten Büros von streetfootballworld Brasilien, erinnerte bei der Konferenz in São Luís dann auch gleich an die mahnenden Worte der Staatspräsidenten Dilma Rousseff : Die Bekämpfung der Armut habe bis 2014 oberste Priorität, hatte sie bereits im Vorjahr verkündet. Fest steht laut Thompson bislang nur, dass streetfootballworld Brasilien, mit privatem wie öffentlichem Geld, ein Fonds für Fußball und Entwicklung aufbauen wolle.

Auf dem Podium waren sich beim Sportmediations-Treffen alle einig, dass man das soziale Rahmenprogramm besser als in Südafrika gestalten müsse, auch wenn die FIFA weiterhin die grundlegenden Bedingungen diktiere. Kritik hatte es in Südafrika unter anderem an der schlechten Behandlung der südafrikanischen Helfer gegeben. Die Anwesenden gaben sich kämpferisch und verwiesen dabei auch auf die Stärke der zivilgesellschaftlichen Akteure in Lateinamerika. Lisa Solmirano, Direktorin von „Fu.De.“, der Stiftung „Fútbol para el desarollo“ („Fußball für die Entwicklung“) aus Argentinien, betonte, dass sich ihre Organisation als politische Kraft verstehe.

Für die vier zum streetfootballworld-Netzwerk gehörigen Organisationen in Brasilien, eine davon ist Formação, war das Treffen derweil der erste Schritt zur Gründung eines nationalen Straßenfußball-Netzes, während streetfootballworld Brasilien zunächst damit beschäftigt ist, eine Übersicht über die im Land tätigen sozialen Fußballprojekte und ihre Arbeitsmethoden zu erarbeiten, um anschließend Handlungsanleitungen zu formulieren.

Für saubere Spiele – in den WM-Stadien und außerhalb
Am Ende der Konferenz kam schließlich einige der Akteure der anstehenden Megaevents zu Wort. Ob die versprochenen Verbesserungen zum Beispiel bei der Infrastruktur, den Verkehrswegen und dem Öffentlichen Transport in den 12 WM-Städten wie geplant umgesetzt werden und dem Volk zugutekommen, bleibt abzuwarten. Nimmt man andere sportliche Großereignisse der jüngsten Zeit als Vergleichsmaßstab, ist alles andere als gesunde Skepsis wohl unrealistische Träumerei.

Mitentscheidend dürfte dabei sein, ob verhindert werden kann, dass die überwiegend durch öffentliche Gelder finanzierten Milliardeninvestitionen zu einem großen Teil im Korruptionssumpf verschwinden. Dazu hat das „Instituto Ethos de Empresas e Responsabilidade Social“, das „Institut für Unternehmensethik und Soziale Verantwortung“ die Initiative „Jogos Limpos Dentro e Fora dos Estádios“ ins Leben gerufen: „Saubere Spiele in und außerhalb der Stadien“. Zu diesem Zweck müssten die verwendeten Gelder allerdings nicht nur von allen Seiten transparent gemacht, sondern auch Gesetze verschärft werden und die beteiligten Unternehmen durch Selbstverpflichtungen wirksame Maßnahmen gegen die Korruption ergreifen.

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff steht währenddessen weiterhin im Dauerclinch mit Ricardo Teixeira, dem umstrittenen Chef des brasilianischen Fußballverbandes CBF. Es geht dabei vor allem um die Frage, wer bei der WM 2014 das Sagen hat – das Gastgeberland oder die FIFA und seine brasilianischen CBF-Getreuen. Hatte Teixeira, der auch das WM-Organisationskomitee leitet, nach dem Zuschlag für Brasilien 2007 noch versichert, auf öffentliche Mittel werde man verzichten, ist davon längst keine Rede mehr. Auch in São Paulo gibt es zurzeit Unstimmigkeiten: Für den Neubau des Corinthians-Stadions zur WM drohen tausende Familien zwangsumgesiedelt zu werden, während einige wenige durch Immobilienspekulation Unsummen verdienen könnten. Rafael Vasconcelos vom landesweiten Favela-Netzwerk „Central Única das Favelas“ (CUFA) zuckt beim Mediationstreffen die Schultern und sagt: „Es gibt große Versprechungen, aber ich glaube nur das, was ich am Ende mit eigenen Augen sehe.“

Reclaim the Street(football)….
Vasconcelos nimmt es dennoch gelassen. Denn die CUFA will mit einem eigenen Turnier auf die Favelas und ihre Kultur aufmerksam machen: mit der „Taça das Favelas“, dem „Favela-Pokal“. Wenn ab nächstem Jahr zunächst in Rio de Janeiro 80 Mannschaften aus den Armenvierteln der ganzen Stadt gegeneinander antreten, dürfte der Straßenfußball in seiner ursprünglichen Form wieder auferstehen.

Links:

 

Literatur:

  • Fußball, Lernen und Bildung, von Steffi Biester, Jochen Föll, Luis Fernando Ramirez, Carsten Ress, Hrsg.: Kickfair. Dreisprachige Ausgabe: Deutsch, Spanisch, Englisch, www.kickfair.org, Ostfildern, 3. überarbeitete Auflage 2010, 12,00 EURO (zzgl. 1,45 Euro Versandkosten).
  • Sport und internationale Entwicklungszusammenarbeit – Theorie und Praxisfelder, Hrsg.: Karen Petry, Michael Groll und Walter Tokarski. Veröffentlichungen der Deutschen Sporthochschule Köln, Bd. 17, Sportverlag Strauß, Köln 2011, 19,80 EURO.

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