42. Green Ladies Lunch - Netzneutralität vs. Selbstregulierung

42. Green Ladies Lunch - Netzneutralität vs. Selbstregulierung

Feministische NetzpolitikFeministische Netzpolitik. Urheber: Christiaan Colen. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

 

Feministische Netzpolitik - Netzneutralität vs. Selbstregulierung

Mit:

  • Katrin Ganz
  • Linnea Riensberg
  • Julia Kloppenburg

Netzpolitik hat sich in den letzten Jahren zu einem relevanten Thema entwickelt. Das Internet wird zunehmend als Teil des Lebensraums und der Lebensrealität betrachtet. In diesem Sinne hat sich ein erneuter Strukturwandel von Öffentlichkeit, von Politikbetrachtung und Einflussnahme vollzogen. Gesellschaftliche Realitäten und Politiken der sogenannten Offline-Welt werden von einem breiten Publikum im Netz fortgeführt und neu fokussiert. Dabei wird deutlich, dass die sich an gesellschaftlicher Offline-Realität orientierenden Politikverständnisse mitunter nicht mehr greifen. Zudem wird die Macht traditioneller Medien in einer bestimmten Weise eingegrenzt und verändert. Dies bietet einerseits neue Chancen der Partizipation zu gesellschaftlichem Diskurs für unterrepräsentierte Gruppen, andererseits werden dadurch neue und andere Diskriminierungen, Ausschlüsse praktiziert bis hin zu neuen Formen der Unterdrückung und Gewalt. Die fortschreitende Entwicklung des Kommunikationsraumes Internet hat sowohl zum Teil weitreichende, staatliche Regulierungsbestrebungen zur Folge, als auch wirtschaftliche sowie neue Formen der Kanalisierung von Wirtschaftsmacht und Monopolisierung. Gleichzeitig begünstigt das Internet das Wachstum einer „neuen“ sozialen Bewegung, die gemeinhin unter der Bezeichnung „Netzbewegung“ bekannt ist. In ihr werden viele verschiedene Einzel- und Gruppeninteressen (feministische- ebenso, wie künstlerische- oder menschenrechtsaktivistische) subsumiert, ohne jedoch gleichwertig sichtbar zu sein. Intersektionale feministische Perspektiven auf Netzpolitik(en), die sowohl den Zugang zum Internet und dessen Inhalte sowie Privatsphäre und Kommunikationskultur behandeln, sind bisher nur vereinzelt zu finden und werden im Web-Mainstream nicht beachtet.

Das Gunda-Werner-Institut will die gesellschaftspolitische Relevanz von feministischer Netzpolitik zum einen deutlich machen und sowohl Chancen als auch bisher bestehende Grenzen ausloten. Zum anderen möchte es angesichts der gesellschaftlichen Bedeutung und des Machtfaktors langfristig Strategien und Perspektiven entwickeln, unter welchen Bedingungen und wie feministisch-geschlechtergerechte Netzpolitiken zu realisieren und angemessen zu platzieren sind. Als Grundlage  und ersten Schritt haben wir hierzu eine Studie in Auftrag gegeben, die den Rahmen analysieren,  Anknüpfungspunkte darlegen und mögliche Wege für feministische Interventionen aufzeigen sollte.

Der 42. Green Ladies Lunch widmet sich dementsprechend u.a. folgenden Fragen:

  • Gibt es die viel beschworene Netzneutralität? Wodurch wird sie beeinflusst/ gefährdet? Wer sind hier die wesentlichen Akteur_innen? Wie greifen Marktinteressen, wie staatliche Regulierungsinteressen ein? Was bedeutet das für geschlechterpolitische/ feministische Webaktivitäten? Welche Gefahren birgt eine verschwindende bzw. nur durch den Markt geregelte Netzneutralität für feministische, frauenpolitische bzw. demokratiefördernde Projekte?
  • In welchem Zusammenhang stehen Netzneutralität und (Selbst-)Regulierung, z.B. in der Wikipedia? Inwieweit beeinflussen marktwirtschaftliche Entscheidungen über Zensur die Nutzer_innen bei Regulierungsentscheidungen in ihren Communities?
  • Welche Strukturen und Mechanismen der (Selbst-)Regulierung führen zur Zensur von  feministischen, frauenpolitischen bzw. demokratiefördernden Inhalten?

Das Gunda-Werner-Institut freut sich auf die Vernetzung von und mit politischen, bzw. Web-Akteurinnen und der Identifizierung und Schärfung sowie Fokussierung möglicher Fragestellungen im Bereich der gesellschaftlichen Teilhabe über digitale Öffentlichkeiten.
 

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