Türen für gesellschaftliche Transformationsprozesse öffnen

Türen für gesellschaftliche Transformationsprozesse öffnen

Es gilt: Türen zu öffnen für gesellschaftliche Transformationsprozesse — Bildnachweise

17.3.15

Gestern: Die 2. Woche der Frauenrechtskommission startete deutlich ruhiger, viele, auch die deutsche Delegation, sind abgefahren, ebenso unsere kolumbianischen Panelistinnen.
 

Männer sagen: die Diskriminierung der Frauen muss ein Ende haben

Das Montagsplenum stand ganz im Zeichen der Männer - "The responsibility of men and boys  in achieving gender equalities". Das Podium - mit Ausnahme der Vorsitzenden - ein Männer-Panel. Fünf Vertreter verschiedener Länder geben Inputs, darunter zivilgesellschaftlicher Organisationen, die mit Männern arbeiten, wie Gary Barker von Men Engage aus den USA und von Sonke Gender Justice aus  Südafrika , aber auch offizielle Regierungsvertreter.  Sie werden von 3 Männern, 2 Frauen, Verteter_innen verschiedener Staaten sowie aus Förder-Organisationen und NGO kommentiert. Inhaltlich ist die Kernaussage fast aller: die Diskriminierung der Frauen muss ein Ende haben, vor allem die extreme physische und körperliche Gewalt gegen Frauen. Männer können dagegen Verbündete als "Agent of Change" sein. Geschlechtergleichstellung bringe für alle nur Vorteile und auch ökonomischen Wohlstand, nicht nur den Frauen, sondern auch für die Kinder, die Männer, die gesamte Gesellschaft. Vereinzelt weisen Diskutant_innen auf die soziale Konstruktion der Geschlechter hin und fordern eine Transformation der Gesellschaften und die Veränderung der sozialen und kulturellen Standards in Bezug auf die Geschlechterbilder. Kritisch hinterfragt eine Regierungsvertreterin auch Frauenbilder über Männer und die Erwartungen an den "Macho"-Mann. Ebenfalls vereinzelt wird auch das Stereotype über die friedlichen Frauen beschworen, denen Männern deshalb folgen sollten.

Gesellschaft profitiert von Geschlechtergleichheit

Am Nachmittag ist das Panel dann wieder von Frauen besetzt, es geht um Wege der Veränderung gesellschaftlicher Geschlechter-Normen und -Zuschreibungen. Als wesentlich für Transformation und Abbau von Gender-Stereotypen und -Vorurteilen werden systematische Studien und Datenerhebungen vorgeschlagen um zu zeigen, wie Gesellschaften von Geschlechtergleichheit profitieren. Empfohlen wird ein „comprehensive approach“. Gesetzt wir dabei vor allem auf frühzeitige (Gender)Erziehung, umfassende Bildung und Aufklärung, auch medial, auf spezifische Programme für Jungen und Männer, und auf Kampagnen, wie etwa die UN-Women-Kampagne "He for She". Und unverzichtbar: nicht nur eine „Top-down“-Politik, sondern ebenso „Top-top“, also Bildung der Führungsspitzen. Auffällig in der gesamten Debatte (soweit ich sie verfolgt habe): Die weitgehende Ausblendung der spezifischen Diskriminierung von Menschen, die von den traditionellen Männer-Frauen-Zuordnungen abweichen, wie Schwule, Lesben, Trans- oder Intersex-Menschen. Als ob ihre Gleichstellung nicht wesentlich zur gesellschaftlichen Transformation beitrüge.

15 Jahre UN-Resolution 1325

Zwischendurch schnell mal hin und her zwischen UN und Australischer Mission bei der UN, die vier Straßenzüge entfernt liegt. In Kooperation mit der Vertretung des Südsudan fragen sie im Rahmen des OECD-Netzwerks für Gender (Gendernet) „15 Jahre nach der Verabschiedung der UN-Resolution 1325“: wie die Kluft zu ihrer Umsetzung schließen? In einer OECD-Studie zeigt OECD-Vertreterin für Frauen- und Geschlechtergerechtigkeit Emily Espen auf: in den letzten Jahren sind beträchtliche Summen (mehr als 10 Billionen USD) von wirtschaftsstarken Staaten zur Förderung von Gleichstellung in Krisen-und  Konfliktregionen gegangen, vor allem in sogenannte „fragile“ Staaten (z.B. Irak, Niger, Afghanistan), aber die Programme waren nicht primär auf Geschlechtergleichstellung ausgerichtet, und hatten zu kurze Laufzeiten. Zudem konzentrierten sie sich auf die Förderung sozialer Projekte, die „harten“ Politikfelder Wirtschaft, Frieden und Sicherheit wurden so gut wie nicht (2 %) berücksichtigt. Vor allem wurden Frauenorganisationen in fragilen Staaten kaum bedacht – an sie gingen nur 130 Millionen USD, (im Vergleich zu 31,8 Billionen zur Stabilisierung dieser Staaten insgesamt). Ein krasses Missverhältnis angesichts der überall betonten wichtigen Rolle von Frauen(Organisationen) in Krisen-und Konfliktregionen, wie auch andere Panelistinnen, etwa von UN Women kritisierten. Der Ausweg einmal mehr: die gezielte Förderung und Finanzierung von lokalen und regionalen Frauennetzwerken, forcierte Beteiligung von Frauen in allen Friedensprozessen an führender Stelle, die beschleunigte Umsetzung bestehender Nationaler Aktionspläne zur Resolution 1325 , und die strafrechtliche Verfolgung von gender-basierter (Kriegs)gewalt, die in nahezu allen Ländern konstatiert wird.

Türen für gesellschaftliche Transformationsprozesse öffnen

Pech heute Morgen: die Schlange vor der Einlass-Kontrolle zur UN war heute extrem lang, und nur wenig Kontrollettis, das Ergebnis: ich kam in die Veranstaltung " Making Women’s Voices heard from bejing to post 2015 in social media" nicht mehr rein. Wegen Überfüllung geschlossen.
Insgesamt sind die Veranstaltungsangebote von zivilgesellschaftlichen Organisationen aus den verschiedenen Staaten weniger geworden, und zum Teil stärker auf regionale Perspektiven konzentriert, zum Teil werden sie kurzfristig gecancelt.

Großes Gedränge und Überfüllung auch bei der nächsten Veranstaltung von UN Women und dem Fund for Gender Equality (FGE) – nicht nur hochrangig besetzt u.a. mit der Direktorin von UN Women Phumzile Mlambo-Ngcuka und Botschaftern aus der Schweiz und Dänemark,  sondern auch mit zivilgesellschaftlichen Vertreterinnen der „Grassroot-Ebene“, also aus lokalen Projekten. Thema: „Civil Society at the forefront of the post-2015-Agenda and launch of UN Women's Fund for Gender Euality“.

Panellist_innen: Civil Society at the forefront of the post-2015-Agenda and launch of UN Women's Fund for Gender Euality — Bildnachweise

Zum Einstieg ein „Mut-Mach-Video“ „Gender-Equality is possible“. Gezielt werden durch den UN Women’s Fund Projekte gefördert, die auf ökonomische Selbständigkeit, soziale Rechte und politische Partizipation für Frauen und Mädchen abzielen. Nicht nur „Windows of  Opportunity“, sondern „Doors“ - Türen für gesellschaftliche Transformationsprozesse sieht Phumzile Mlambo-Ngcuka darin.

Aufbauend und Hoffnung weckend dann auch die beiden Präsentationen der Projekt-Vertreterinnen, Abigail Muleya aus Zimbabwe und Suneeta Dhar aus Indien. Beide präsentieren für je eine Region in Zimbabwe bzw. Indien per Video überzeugend, wie gezielte Projektarbeit Frauen und Mädchen zu ihrer wirtschaftlichen Selbständigkeit, Unabhängigkeit und Stärke geführt hat. Projekte, von denen es weltweit sehr viel mehr braucht. Voraussetzung: mehr finanzielle Unterstützung für den UN Women´s Fund, der von Staaten – wie Schweiz und Dänemark, aber auch von privatwirtschaftlichen Geldgebern finanziert wird.

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