Alle Heteros sind homophob. Eine kleine Erklärungshilfe

Regenbogenflagge vor dem Fernsehturm in BerlinBildtitel: Berlin Pride. Auch in Berlin prangen zu den Pride Weeks die Regenbogenfahnen. Urheber: BEROLINO. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Heterosexuelle sind homophob. Heterosexualität wird nicht von irgendeinem Gen an- und ausgeschaltet. Es ist ein kulturelles Konzept, das erst durch die Abwertung gleichgeschlechtlicher Liebe, Sex und Zuneigung entstanden ist. Ein feministischer Zwischenruf.

In letzter Zeit hätte man die Welt für Homosexuellen-freundlich halten können. Politiker*innen setzen sich öffentlich für die Homo-Ehe ein. Regenbogen-Fahnen prangen von Facebook-Profilbildern und der Eiffel-Turm erstrahlt in ihnen. Auf den Straßen demonstrieren Tausende für mehr LGBTQI-Rechte. Und ständig versichert irgendein Kumpel, „selbstverständlich kein Problem mit Schwulen“ zu haben. Nur der Nachsatz, der dann meist folgt, zerstört dann doch ebenso selbstverständlich die Illusion einer schwulenfreundlichen Wert: „Ich bin aber Hetero.“

Urheber: GWI. Alle Rechte vorbehalten.Heterosexuelle sind homophob. Nein, nicht nur jene 25 Prozent, die laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage Homosexualität für „unmoralisch“ halten. Auch nicht nur die 40 Prozent, die es „ekelhaft“ finden, wenn sich Schwule und Lesben in der Öffentlichkeit küssen. Nein, alle Heteros sind homophob. Alle! Und das nicht nur, weil sie in einer homophoben Gesellschaft aufwachsen. Heteros sind homophob, weil sie Heteros sind. Oder besser: Weil sie zu Heteros gemacht wurden.

„Ich steh‘ nun mal nur auf Frauen“, würde mein Kumpel jetzt erwidern. Daran ist nichts verkehrt. Die Frage ist nur: Warum tut er das? Ginge es nicht auch anders? Natürlich ginge es anders. Heterosexualität wird nicht von irgendeinem Gen an- und ausgeschaltet. Es ist ein kulturelles Konzept, das erst durch die Abwertung gleichgeschlechtlicher Liebe, Sex und Zuneigung entstanden ist.

Den Anfang machte die katholische Kirche

Um das zu verstehen, hilft ein Blick in die Geschichte: Wann die Idee von einer „heterosexuellen“ Normalität in die Welt kam, ist schwer zu sagen. In Europa begann die katholische Kirche im 13. Jahrhundert massiv ihre Vorstellung von einer gottgewollten Sexualmoral zu propagieren. Diese orientierte sich damals zwar noch eher an den Praktiken (anal=schlecht, vaginal=gut), aber die Idee von einer „natürlichen“ und „widernatürlichen“ Sexualität war geboren. Sich neben der Ehefrau noch einen Liebhaber gönnen? Das endete im mittelalterlichen Europa oft mit dem Scheiterhaufen.

600 Jahre später waren es Psychiater, die im 19. Jahrhundert aus der religiös legitimierten Zweiteilung der Sexualität eine medizinische machten. „Heterosexualität“ wurde zum Symptom einer gesunden Lebensweise, jede Abweichung zur Krankheit erklärt. Die psychiatrische Zwangseinweisung ersetzte die Verfolgung von Sodomiten, die medizinische Behandlung die Teufelsaustreibung. Aus der Ablehnung sexueller Praktiken wurde die Ablehnung einer „kranken“ sexuellen Identität. „Normal“ war nur der, der sich zur „gesunden“ Form von Liebe und Sex bekannte: der Heterosexuelle.

Es war und ist das Verdienst der Lesben- und Schwulenbewegung, diese Zuschreibungen verändert zu haben. Aus „pervers“ machten sie „anders“, aus „unnatürlich“ „gleichberechtigt“. Doch die Zweiteilung aufheben, konnten auch sie nicht.

Dass diese Zweiteilung eine kulturelle und soziale und keine biologische ist, zeigt auch der Blick auf Zeiten und Orte, in der sie keinen Bestand hatte: Über 1.000 Jahre lang überlieferten Dichter von Andalusien bis Persien eine homoerotische und homosexuelle Selbstverständlichkeit, die Europa völlig fremd ist und war. Von China bis Äthiopien konnten Männer bis ins 19. Jahrhundert andere Männer lieben, ohne von einer gesellschaftlichen Norm abzuweichen. Dass es weit mehr von ihnen als im heutigen Europa auch taten, lag nicht daran, dass in China mehr Schwule geboren werden. Es liegt daran, dass es die Stigmatisierung von Sexualpraktiken, die Idee einer heterosexuellen Normalität, die Vorstellung man könne nur das eine oder das andere sein, lange Zeit nicht gab.

„Männer lassen sich nicht in zwei voneinander getrennte Populationen teilen: heterosexuell und homosexuell. Nur der menschliche Verstand erfindet Kategorien…. Die echte Welt ist ein Kontinuum“, schrieb Alfred Charles Kinsey 1948. Seine Thesen lösten nicht nur in den 60er Jahren die sexuelle Revolution mit aus, sie wurden später auch von Neurobiologen bestätigt: Es gibt keinen hetero/homo-Schalter im Kopf.

Eintrittskarte in den Club der Normalen

Dies dürften auch die meisten „Hetero“ -Männer schon einmal gemerkt haben. Dann zum Beispiel, wenn sie im Suff ihren pubertierenden Kumpels gestanden, doch manchmal homoerotische Fantasien zu pflegen. Trotz Homo-Ehe und Regenbogenfahnen-Inflation: Der Anteil jener Männer, die diesen Fantasien auch nachgehen, ist historisch gering: Noch in den 70ern machte in Deutschland jeder fünfte männliche Pubertierende gleichgeschlechtliche Erfahrungen. Heute ist es nur noch jeder zwanzigste.

Dies liegt nicht daran, dass heute mehr Heteros geboren werden, sondern daran, dass Heterosexualität heute den Charakter einer Bekenntnisreligion mit Ausschließlichkeitsanspruch angenommen hat. Das Bekenntnis „Hetereo“ spiegelt nicht die eigene sexuelle Identität wider. Stattdessen generiert sich die eigene sexuelle Identität zum großen Teil aus einem gesellschaftlichen Zwang zum Bekenntnis. Heterosexualität bedeutet, sich selbst zu vergewissern, nicht „pervers“, „krank“, „anders“, oder einfach nur „so“ zu sein. Sie ist die Eintrittskarte in den Club der Normalen. Und diese kann einem mit nur einem falschen Kuss, einer zu innigen Umarmung, einer Nacht jederzeit abgenommen werden.

Wie der Umgang mit dem gleichen Geschlecht zumindest etwas besser gelingen kann, kann der „heterosexuelle“ Mann übrigens von jenen Menschen lernen, zu denen er sich vermeintlich ausschließlich hingezogen fühlt: Frauen. Mit Absicht handelt dieser Text weder von Lesben noch von heterosexuellen Frauen. Denn auch wenn der gesellschaftliche Zwang zum Bekenntnis auch auf Frauen lastet: Frauen, die sich als Hetero bekennen, gehen oft unverkrampfter mit dem eigenen Geschlecht um, können sich umarmen, küssen, in einem Bett schlafen und zumindest während der Pubertät mit der besten Freundin knutschen, ohne sozial geächtet zu werden. Der Grund: Wie so vieles in patriarchalischen Gesellschaften wurde auch das Konzept der Hetereosexualität um Männer herum konstruiert.

Noch bessere Rolemodel findet der Hetero-Mann allerdings dort, wo die meisten schon an der Türschwelle in Identitätskonflikte gestürzt werden: im nächsten Gay-Club. Denn Homosexualität ist in der Praxis nicht nur das Gegenstück zu Heterosexualität, es ist dessen Aufhebung. Kaum ein Homosexueller dürfte ein schlechtes Gewissen wegen eines hetero-erotischen Traums haben. Kaum ein Schwuler dürfte auf die Idee kommen, sich vor seinen Eltern als „straight“ zu outen, weil er auf der letzten Party mit einer Frau rumgeknutscht hat. Und kaum jemand, der „einfach mehr Lust auf Männer hat“ muss dies seinen „heterosexuellen“ Kumpels und sich selbst ständig versichern. Das soll nicht heißen, dass Mann schwul sein muss, um seiner Homophobie zu entkommen. Es reicht, sich von der Idee zu verabschieden, ein Hetero zu sein.

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Kommentare

gibts für diese theorie auch

gibts für diese theorie auch beweise, oder ist das nur die meinung des autors. was war denn in der antike oder in vorgeschichtlicher zeit? wer hat damals die menschen zur hetrosexualität "gezwungen"?
ein artikel, der keinerlei belege für die darin aufgestellten behauptungen vorlegt. leider symptomatisch für die anhänger jener partei, der die böll-stiftung nahe steht.

Wenn es sich nur um eine

Wenn es sich nur um eine kulturelle Prägung hätte, hätten also diejenigen unter den Erzkonservativen Recht, die meinen, daß man solche Themen durch heraushalten aus der Bildung einfach verhindern kann? Und, umgekehrt, könnte man dann nicht die Prägung der Homosexualität durch entsprechende Bildung verhindern/umkehren? Fragen über Fragen, die sich z.B. die Fundichristen schon lange beantwortet haben, und hier dann auch nochmal bstätigt finden.

Der Artikel steckt voller

Der Artikel steckt voller interessanter Aussagen und Behauptungen. Nur Quellen und Belege finde ich keine - könnten Sie diese bitte noch nachreichen? Behaupten kann ja erst einmal jeder.

Das ist doch nicht Ihr ernst

Das ist doch nicht Ihr ernst Herr Goldmann, oder?!
Mit Aussagen, wie in der Überschrift getroffen bzw. mit sexistischen Unterstellungen und Allgemeinaussagen über komplette Gruppen stellen Sie sich selber ins wissenschaftliche Abseits und produzieren nur ideologisch geprägten Lärm.
Erschreckend für eine aus Steuermitteln finanzierte Einrichtung.
Liest den niemand die Schriftstücke vor der Veröffentlichung? Wird eine wissenschaftliche Arbeitsweise nicht geschätzt?
Ansonsten wird dies nur die Personen interessieren, deren Ideologie abgebildet wird. Ob das gegenseitiges Schulterklopfen von und mit Gesinnungsgleichen für ein solch geartetes Ego verantwortlich sein mag, welches solch einen Unsinn unter dem Schirm einer Stiftung veröffentlicht, ist mir nicht ganz klar.
Die Absicht scheint eine gute zu sein, aber polemische, diskriminierende Meinungen, versteckt als sozialwissenschaftliche Aussagen zu behaupten, sollte nicht das Mittel der Wahl sein. Ebenso eine Argumentation auf dem Niveau der Mittelstufe und einer schwarz/weiss Mentalität ist dem Ganzen sicherlich nicht zuträglich.

MfG,
Drobny

Man ist hetrosexuell, nicht

Man ist hetrosexuell, nicht weil die Gesellschaft einen dazu gemacht hat, sondern weil der Urtrieb der Vermehrung nur auf diesem Wege möglich ist. diese pseudogesellschaftliche Abhandlung ist nichts anderes als heiße Luft ohne jeden wirklich wissenschaftlich Hintergrund.

​Aller Propaganda zum Trotz :

​Aller Propaganda zum Trotz :

Homosexualität betrifft weniger als 5% der Menschheit und kann schon von daher bei uns kein so wichtiges Thema sein. Nervig ist, dass diese Gruppe aus einem Minderwertigkeitskomplex heraus, ihre sexuellen Präferenzen wie eine Monstranz vor sich her trägt und sämtliche Lebensbereiche durchdringt.
Ich weiß nicht wie meine Nachbarn vögeln, ich will es auch nicht wissen und ich will auch nicht wissen wie sich das schwule Pärchen aus der Nachbarschaft entspannt.

Die "homophobe" Natur sorgt von selbst dafür, dass Homosexualität binnen einer Generation wieder verschwindet. Natürlich kommt dieser Irrtum immer wieder vor und selbstverständlich ist das kein Grund die Betroffenen zu diskriminieren aber hier schwule Männchensymbole an Ampeln zu kleben und von Diskriminierung zu labern während Geschlechtsgenossen in den arabischen Ländern an Baukränen aufgehängt oder von Hochhäusern geworfen werden ist schlicht grotesk und eine geschmacklose Verhöhnung dieser mit unfassbarer Brutalität ermordeten Opfer.

Auch das gerne vorgebrachte Totschlagargument, dass man Homosexualität nur aus Angst vor eigenen homosexuellen Neigungen ablehnt ist absurd. Mit der Argumentation könnte man uns auch unterstellen, dass wir Kindesmißbrauch, häusliche Gewalt usw. nur aus Angst vor eigenen entsprechenden Neigungen ablehnen würden.

Schwule nehmen sich schlicht zu wichtig, Homosexualität ist eine für die meisten Menschen völlig bedeutungslose und nicht sonderlich attraktive sexuelle Spielart. Und mit "homophob" hat das gar nichts zu tun.

Du bist schwul ? Wer bitte will das denn wissen ? Das geht uns Heteros doch am Arsch vorbei.

Der Text liest sich wie eine

Der Text liest sich wie eine Realsatire, scheint aber sein ernst zu sein. Traurig aber wahr. Dies beruht auf keiner Wissenschaftlichen Grundlage, soetwas nennt man Ideologie einer Randgruppe.

Und alle Schwulen die sich

Und alle Schwulen die sich vor Brüsten und Vaginas ekeln sind Heterophob weil...sie von einer geheimen schwulen Gesellschaft schwul gemacht wurden?
Und was ist mit asexuellen Menschen, die sich trotz unserer stark sexualisierten Gesellschaft weder zu Männern noch zu Frauen sexuell Hingezogen fühlen?

Du hast den Terminus "Phobie" nicht verstanden. Dieser beschreibt eine "extreme Angst vor bestimmten Objekten oder Situationen" (Duden)

Ich habe keine Angst vor Vaginas. Ich finde sie jetzt auch nicht krass eklig, aber ich stehe halt einfach nicht drauf. Ich hab's mal versucht aber was soll ich sagen: macht mich einfach nicht an.
Dieses Empfinden erfüllt nicht die Definition einer Phobie. Ich bin folglich nicht Homophob.

Interessante Ansichten.

Interessante Ansichten. Könnte der Autor erklären, wie eigentlich die Fortpflanzung der Spezies Mensch gewährleistet sein sollte, wenn es keine biologische Heterosexualität gibt, wie es der Autor behauptet?

Der Entstehungsgrund von Sexualität überhaupt ist ja die Notwendigkeit der Fortpflanzung. Vor diesem Hintergrund ist die Behauptung einer heteronormativen Weltverschwörung doch sehr gewagt.

Sehr geehrter Hr. Goldmann,

Sehr geehrter Hr. Goldmann,
vielen Dank für diese aufschlussreiche Belehrung. Also auch wenn ich seit Jahrzehnten keinerlei Berührungsängste gegenüber Schwulen habe, ich aber trotzdem nicht mit Schwulen ins Bett möchte, bin ich homophob. Steile These.
So nimmt man allen Menschen, die für eine Gleichbehandlung und Gleichstellung aller Menschen in allen Lebensbereichen eintreten, wunderbar den Wind aus den Segeln. Einfach kräftig in den Unterleib treten und schon hat man für klare Verhältnisse gesorgt. Reife Leistung, wirklich reife Leistung.

Jürgen

Ich wusste gar nicht, dass

Ich wusste gar nicht, dass ich homophob bin. Auch wusste ich nicht, dass ich zum Hetero gemacht wurde. Sachen gibt's. Ich frage mich, ob Fabian Goldmann auch Hetero und damit Homophobiker ist. Oder ob er heterophob ist.

"Noch in den 70ern machte in Deutschland [Ost-, West-?] jeder fünfte männliche Pubertierende gleichgeschlechtliche Erfahrungen. Heute ist es nur noch jeder zwanzigste." Solche Sozialzahlen sind chronisch unzuverläßig. Und selbst wenn sie stimmen sollten: Waren diese 20% "gleichgeschlechtliche Erfahrungen" Missbrauch von Jungen oder haben diese in der damaligen homophoben Stimmung ihre Sexualtät einfach viel ungehemmter ausgelebt als in der heutigen liberalen?

Was mich immer wieder

Was mich immer wieder verblüfft, ist die Übereinstimmung in der Abwertung und dem Abscheu mit der Heterosexuelle der Homosexualität und mit der Homosexuelle der Heterosexualität begegnen.
Ach, und um die kulturelle Granularität des heterosexuellen Konzepts belastbarer zu erfassen, empfehle ich -selbstredend nur als Ergänzung- einen Blick in das Werk von Hermann Knaus und Kyusaku Ogino. Und wer es zur patriarchal verdächtig hält, kann ja interimistisch bei den Blumen und Bienen beginnen.

Die Gendertheorie besagt,

Die Gendertheorie besagt, dass das Geschlecht bzw. die
Geschlechtszugehörigkeit von einzelnen Personen sozial konstruiert und
im Grunde genommen frei wählbar sei. Da stellt sich mir die Frage
- wenn dem dann so ist, könnten Homosexuelle nach dieser Theorie auch zu Heterosexuellen umerzogen werden? Spielt hier nicht die
Genderideologie politisch radikal religiösen Gruppen in die Hände - die
Homosexualität für eine Sünde halten, und man dies heilen könne?
Demzufolge müsste auch der Wunsch einer Geschlechtsumwandlung den Transsexuelle einfordern, im Grunde nur ein Hirngespinst sein - und kein wirklich ernsthaftes Problem – nach Gendertheorie des frei wählbaren Geschlechts, weil sozial konstruiert ...
Ist diese Genderideologie im Grunde genommen Trans- und Homophob?

Vielen Dank für den Beitrag!

Vielen Dank für den Beitrag!

Denn es ist eben nicht so, dass Menschen einfach irgendwie "sind" (z.B. binär entweder homo oder hetero), und in diesem "Sein" doch bitteschön in Ruhe gelassen werden sollen.
Leidenschaften entfalten sich in einem gesellschaftlichen Kräftefeld: Anerkennung, Verachtung, Geringschätzung, Peinlichkeit, Verbot.

Männer interessieren sich leidenschaftlich füreinander; sie sind besessen voneinander, beim Fußball ebenso wie im Büro. Wer kann mit wem: dies ist die Frage, um die es zeitlebens geht. Es wird geflirtet, was das Zeug hält. Mit Milieu-Unterschieden, Bauarbeiter machen das anders als Manager oder Wissenschaftler. Der Punkt ist hier nur: wie weit darf die Leidenschaft gehen, wann fängt es an, riskant oder peinlich zu werden. Und hier sitzen uns die alten religiösen Sexualverbote noch mehr oder weniger tief in den Knochen.

Ein Symptom für die Fortwirkung der alten Verbote ist der Bekenntniszwang. Ich bin mir nicht sicher, ob das Bekenntnis zum Hetero-Sein die große Rolle spielt, die Fabian Goldmann ihm zuschreibt. Hetero ist doch die Default-Einstellung. Es sind die Abweichler, denen ein Bekenntnis abverlangt wird: insbesondere das Bekenntnis schwul zu "sein". Das Bekenntnis des Schwulseins der Anderen festigt die immer bedrohte Sicherheit der Heteros, wirklich nur und ausschließlich hetero zu sein. Tolerant, ja, aber eben nicht "schwul".

Die toleranten Heteros für homosexuelle Erfahrungen gewinnen. Zumindest für homosexuelle Phantasien. Eine Welt mit mehr Bisexualität wäre ganz einfach eine bessere Welt. Übrigens auch deshalb, weil die bisexuellen Hetero-Männer ihre Frauen besser verstehen können: sie können sich vorstellen, wie sexuell erregte Männer sich anfühlen, sie können sich vorstellen, wie es ist, einen Mann süß zu finden. Also geht es einfach nur darum, die armen unschuldigen Heteros zu verführen? Einerseits ja, warum auch nicht? Was wäre schlecht daran? Aber es geht auch um mehr, um die Perspektive einer glücklicheren, lustvolleren Welt. Link zu www.queergeist.com