Unsere Sexmigranten

"Urlaub". Urheber: Matthias Ripp. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Spätestens dann, wenn auf Domplatten Migranten deutsche Frauen begrabschen, die aktuelle Talkshow zur „arabischen Sexualmoral ansteht“ oder die Lokalzeitung einen Mann mit Fluchthintergrund in der falschen Sauna entdeckt hat, verweisen linke Feminist*innen auf den sexistischen Normalzustand. Dieser allgegenwärtige Alltagssexismus kommt ganz ohne Migranten, leider aber auch ohne Empörung aus. Der deutsche Normalo, der sich eben noch sicher wähnte, sexualisierte Gewalt sei ebenso wie Antisemitismus, Homophobie oder Jugendgewalt vor dem Zuzug hunderttausender Muslime in Deutschland quasi unbekannt gewesen, wundert sich unterdessen, was dieser „unsichtbare sexistische Normalzustand“ seien soll. Wie wäre es damit? Die Menschenrechtsorganisation „Terre des Hommes“ schätzt, dass rund 400.000 deutsche Männer jedes Jahr „Sexurlaub“ machen. Sexurlaub. Allein das Wort trägt schon das Desinteresse und die Verharmlosung in sich, die wir dem Phänomen entgegenbringen. Ein Abgrund sexistischer Normalität, der uns allenfalls einen Running Gag entlockt, wenn der Arbeitskollege von seinem letzten Urlaub in Thailand berichtet.

Alle Rechte vorbehalten.Deshalb noch einmal noch vorn: Nach Amerikanern und Briten zählen Deutsche zur größten Gruppe internationaler Missbrauchs-Migranten. Oder wie wäre: Vergewaltiger-Export. Denn so müsste „Sexurlaub“ eigentlich heißen, schaut man sich Zahlen und Berichte über die Opfer an. Zahlen wie jene von UNICEF.

Dem Kinderhilfswerk zufolge wurden 2009 weltweit rund 220 Millionen Kinder zu sexuellen Dienstleistungen gezwungen. Im momentan beliebtesten Reiseziel westlicher Sexmigranten - Kambodscha - ist jedes dritte Opfer ein Kind. In Bangladesch liegt das Durchschnittsalter der Prostituierten laut UNICEF bei 13 Jahren. Die Täter wiederum: meist weiß, westlich und männlich. Sextouristinnen gibt es freilich auch. Wie in der einstigen Top-Destination des internationalen Missbrauchs-Tourismus Thailand, wo mittlerweile auch 30.000 „Loveboys“ ihre Dienste anbieten. Oder an kenianischen Stränden, wo reiche weiße Frauen auf der Suche nach Liebe, Sex und kolonialistischen Abenteuern auf durchtrainierte, aber bettelarme junge Männer treffen.

Wer in deutschen Medien etwas über die Opfer deutscher Sexmigranten erfahren will, muss lange suchen. Die Anzahl an Talkshows und Titelseiten großer Tageszeitungen, die sich in den letzten Jahren mit dem massenhaften deutschen Missbrauch befassten: null. Der Journalist Wolfgang Bauer hat Täter und Opfer vor vielen Jahren einmal besucht. Für seine Reportage über die philippinische „Stadt der Engel“ traf er den 38-jährigen Bremer Karl, der die Haut seiner Opfer gern „pfirsichzart“ mag. Und er traf auf Kinder, die „wie in deutschen Schlachthäusern“ angeboten werden. Die meisten von ihnen zwischen 13 und 18, einige gerade einmal 4 Jahre alt.

Bauer erzählt in seiner Reportage von Mädchen, deren Haut übersät ist mit Brandflecken ausgedrückter Zigaretten. Von Kindern, deren Unterleib bei der Penetration aufreißt, weil sie auch körperlich der Qual nicht gewachsen sind. Von den Wenigen, die gerettet und psychisch betreut werden können; deren Behandlungsräume aber schallisoliert werden müssen, weil selbst die Therapeuten, die Schreie der Traumatisierten nicht ertragen können. Und Bauer scheibt von den Tätern: Männer, die das Leben von Frauen und Kindern zum Discountpreis zerstören und wenige Flugstunden entfernt dennoch ein Leben als deutscher Normalo führen können.

Wie groß das Problem auch heute noch ist, hat im vergangenen Jahr eine großangelegte Studie über „sexuelle Ausbeutung von Kindern in Reise und Tourismus“ zusammengefasst: Zwar sind die Zeiten vorbei, als deutsche Reiseveranstalter Hotels mit dem Zusatz „von Junggesellen bevorzugt“ bewerben konnten. Stattdessen unterwerfen sich immer mehr Hotels heute einem freiwilligen Verhaltenskodex. Die Missbrauchszahlen seien in den vergangenen 20 Jahren dennoch gestiegen.

Ein Grund hierfür mag auch sein, dass einheimische Sexmigranten hierzulande durch die Justiz ebenso unbehelligt bleiben wie durch Politik und Öffentlichkeit. In Ermangelung offizieller Zahlen hat die Kinderschutzorganisation ECPAT einmal nachgezählt, wie oft gegen einen der hunderttausenden Täter dieses unsichtbaren sexistischen Normalzustandes bisher strafrechtlich vorgegangen wurde. Die Gesamtzahl der eingeleiteten Verfahren gegen „reisende Sexualstraftäter“ in den letzten 10 Jahren: 38. Zum Vergleich: Nach dem sexistischen Ausnahmezustand der Kölner Silvesternacht gab es doppelt so viele.

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Kommentare

Kindesmissbrauch ist in

Kindesmissbrauch ist in unserer Sexualkultur tief verwurzelt. Wer sich mit Missbrauch beschäftigt, muss auch auf Sexualität gucken. Ein Grund mit für das traditionell betriebene kollektive Ausblenden der Phänomene „sexuelle Gewalt“ und „sexualisierte Misshandlung“ mag das implizit vorhandene Wissen um dessen Existenz sein. Die Täter sitzen zuhause mit auf dem Sofa, am Abendbrottisch, sie liegen neben uns in den Betten. Es sind unsere Partner, Freunde, Nachbarn, Kollegen, die Lehrer unserer Kinder. Diese Art von Täterschaft wird gern dämonisiert oder, wie im Artikel erwähnt, auf „Fremde“ projiziert. Das mag entlasten und ein Gefühl von Sicherheit verschaffen, aber es ist trügerisch. Dabei lohnt sich die Beschäftigung mit den Hintergründen. Aus einem ganz normalen, liebenswürdigen kleinen Jungen wird nicht ganz plötzlich jemand, der in ferne Länder reist, um Frauen oder Kinder mittels Sexualpraktiken zu foltern. So etwas hat eine lange Vorgeschichte. Sind die Opfer weiblich, der Täter dagegen männlich, ist Hass auf Frauen und Mädchen ein Motiv. Eine selbst erlebte (sexualisierte) Misshandlung durch nahe Bezugspersonen (Mütter!) wahrscheinlich. Werden Jungen und junge Männer gequält, könnte eine abgespaltene, verdrängte Homosexualität den Hintergrund bilden. Wenn jemand Schwächere sexualisiert misshandelt und quält, ist das aber immer ein Alarmzeichen. So etwas tut nur jemand, dessen seelische und charakterliche Entwicklung entgleist ist. Selbst wenn diese Person „nur“ im Ausland Opfer produziert, bleibt sie auch in ihrer Heimat eine Gefahr. Da das Wissen um Erscheinungsformen, die Prävention und die Bekämpfung von Sexualstraftaten in unserem Land immer noch nur rudimentär ist, haben es Täterinnen und Täter auch bei uns relativ leicht. Sie missbrauchen und bleiben dabei unbehelligt. Es bleibt zu hoffen, dass gesunde Skepsis und Realitätssinn der verbreiteten Gleichgültigkeit und Fahrlässigkeit etwas entgegen setzen.
Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer von schwerem sexuellen Missbrauch wurden

Die große Mehrheit der Männer

Die große Mehrheit der Männer auf der Welt, lebt ihre Sexualität auf würdige Art und Weise aus. Ohne dabei Mitmenschen in irgendeiner Weise zu behelligen oder gar zu beschädigen. Unabhängig von der sexuellen Orientierung und der Art der sexuellen Aktivität. Um so mehr fallen die männlichen Zeitgenossen auf, denen das nicht gelingt. Je nachdem, wie kriminelles Verhalten in sexueller Hinsicht im jeweiligen Kulturkreis definiert und vor Allem wahrgenommen wird, fällt deren Zahl unterschiedlich groß aus. Hinzu kommt, dass unsere Sexualität ja nicht nur biologisch determiniert und instinktgeleitet ist, sondern Ergebnis eines Lernprozesses. Der bewusste und unbewusste Anteile integrieren muss und vielen wenig reflektierten und auf Traditionen beruhenden Vorannahmen folgt. Gleichzeitig sind wir es trotz aller scheinbaren Offenheit und Aufgeschlossenheit nicht gewöhnt, sachlich, realistisch und auf wertschätzende Art über Sexualität zu sprechen. Auch deshalb ist es schwer, etwas gegen sexuelle Gewalt und Ausbeutung zu unternehmen. Abgesehen davon, dass Sexualstraftaten, wo auch immer sie begangen werden juristisch geahndet werden müssen, sollten wir den Tätern Fragen stellen. Genauso wie uns selbst. Auf welche Weise wurden sie zu dem, was sie sind? Was bewegt sie dazu, andere Menschen mittels Sexualität zu quälen? Was würde sie veranlassen, damit aufzuhören?

Und das wichtigste: wie entschädigen wir die Opfer dafür, dass wir alle weggucken und sie mit den teuflischen Seiten der Sexualität allein lassen?

Na ja, nicht jeder der im

Na ja, nicht jeder der im Urlaub (oder auch sonst) für Sex bezahlt, steht auf Kinder - das dürfte hier wie dort eine kleine Minderheit sein. Das ist zweifelsohne schlimm genug, aber die Zahlen hier so wild durcheinander zu bringen unterminiert dass eigentliche und wichtige Anliegen: nämlich diejenigen, die es tatsächlich tun, zu verfolgen.

Warum kann eine "Reise" in

Warum kann eine "Reise" in ein Terror-Ausbildungslager oder zum IS nach Syrien hierzulande strafbar sein, so eine "Reise" um Kinder zu missbrauchen aber nicht?
Wenn die dortigen Behörden nicht willens sind, diese Zustände wirksam zu bekämpfen, dann müssen es eben die einheimischen Behörden tun.

Prostitution ist ein

Prostitution ist ein schmutziges Geschäft. Die in diesem Metier auf primitivste Verhaltensweisen ausgelegten Sexualisierungen hinterlassen Spuren. Sowohl bei denen, die sexuell ausgebeutet werden, als auch bei denen, die für Sexualaktivitäten bezahlen. Ist bei Letzteren erst einmal eine Entgrenzung eingetreten, wird die Hemmschwelle nach und nach gesenkt. Auch wer vorhatte, seinen Sex nur an Erwachsenen abzureagieren, wird leicht zu motivieren sein, mal was „Neues“ oder „Verbotenes“ auszuprobieren. Alkohol und Stimulantien tun ein Übriges. Ich glaube nicht, dass es noch viele Männer gibt, die mit ihrem Sexurlaub prahlen. Denn wer nur über ein wenig Lebenserfahrung verfügt, kann sich gut vorstellen, was solche Typen umtreibt. Und dass, wer sicher gehen will, sie nicht mit Kindern und Jugendlichen allein lässt.

„20 Prozent aller Männer, daran erinnerte Thomas Knecht, sind ansprechbar auf Kindersex“ hieß es im März diesen Jahres im Schweizer Tagesanzeiger. Thomas Knecht ist forensischer Psychiater, der Artikel ist mit „Jegge ist überall“ betitelt. Wie viele dieses Fünftels aller Männer würde wohl seine Impulse und Phantasien in die Tat umsetzen, böte sich eine günstige Gelegenheit?

Setzt Du gerade Sextourismus

Setzt Du gerade Sextourismus (und Kindesmissbrauch) mit den Geschehnissen zu Silvester in Köln gleich?

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass am Hbf Schilder von Menschenhändlern hochgehalten wurden, mit der Aufschrift "Hier Frauen & Kinder fi.... für kleines Geld".

Prangere lieber das System in Sextourismus-Ländern an. Die Schweine, die Menschen für solche Dienste verkaufen.
Und natürlich auch die, die dieses Geschäft erst ermöglichen - die angesprochenen "Touristen".

Aber hey- das hat 0, nichts mit Köln zu tun.
Das ist echt unterste Schublade.

@Phi,

@Phi,

Ihr Verweis mit der strafbaren Reise in ein ausländisches Terrorlager ist sehr gut. Den Sexualfolterterror, den so genannte "Kindersextouristen" in den entsprechenden Ländern erlernen, transportieren sie schließlich als Mitbringsel auch in die Heimat. Mich würde es auch nicht wundern, wenn zu den Vorfahren dieser Sexualstraftäter überproportional Männer gehören, die als Angehörige des Naziterrorregimes 1933- 1945 und danach sexualisiert gefoltert haben. Ein kurzer Blick in die Berichte zum SS-Orden und die Protokolle zu Kriegsverbrecherprozessen reichen. Nur ein geringer Teil dieser sadistischen Folterknechte wurde nach dem Krieg aus dem Verkehr gezogen. Die meisten integrierten sich scheinbar unauffällig in die Nachkriegsgesellschaft.

Wegen der sexuellen Gewalt,

Wegen der sexuellen Gewalt, die sich in der Silvesternacht 2015/2016 entfaltet hatte: "Antanzen" aus Gruppen von Männern heraus in Kombination mit sexuellen Übergriffen ist eine seit langem bekannte und beschriebene Strategie von Taschendieben. Viele der minderjährigen männlichen Migranten werden auf ihrer Odyssee sexuell missbraucht und ausgebeutet. Einige landen in der Prostitution. Werden sie für die so genannten „Freier“ zu alt, weichen sie in Kleinkriminalität aus: Klauen, Dealen, Zuhälterei.
Die aus einer Perspektive der traditionellen Geschlechterrollen heraus in ihrer sexuellen Identität zutiefst entwerteteten, da auf die Stufe von Mädchen und Frauen herab gewürdigten jungen Männer, die gleichzeitig durch die erlittenen sexuellen Übergriffe traumatisiert und in ihrer sexuellen Entwicklung gestört wurden, handeln auf für männliche Opfer typische Weise: sie inszenieren ein Klischee von Männlichkeit, dazu gehört, dass sie sich an weiblichen Personen abreagieren. Ähnliches können wir bei männlichen Opfern traditioneller Institutionen wie den katholischen Schulen, die durch systematischen Missbrauch in die Schlagzeilen geraten sind beobachten. Zum Bonner Aloisiuskolleg liegen Berichte vor, ein Zeitzeuge hat dazu ein Buch verfasst: „Sacro Pop“. Das Kloster Ettal, die Einrichtungen der Regensburger Domspatzen. Sexueller Missbrauch als Mittel die Persönlichkeiten von Jungen im Sinne der Institution umzuformen. Durch sexualisierte Traumatisierung mittels Gewalt einen ganz speziellen Korpsgeist bilden. Eine bessere Grundlage für die Bildung von semikriminellen Organisationen gibt es nicht. Ganz gleich, ob man ein Terrornetzwerk gründen, Menschenhandel betreiben oder die Agenda einer religiösen Organisation betreiben will, der es in Wirklichkeit doch nur um politökonomischen Einfluss geht.
„Women is the nigger of the world“ dichtete John Lennon doch vor Jahrzehnten so weise. Man kann als Junge oder Mann auch symbolisch zur „Frau“ werden. Als Entsorgungsstelle für eines der widerwärtigsten Phänomene, das die menschliche Sexualkultur zu bieten hat. Den Anderen wie eine beheizbare Gummipuppe zu benutzen. Auf diese Weise halten uns die jungen Migranten einen Spiegel vor: darin sehen wir eine Gesellschaft, die so tut, als achte sie ihre Mädchen und Frauen. Und die sie in vielen Fällen nicht anders behandelt als in angeblich längst überwundenen reaktionären Zeiten: je nach Kontext sind weibliche Personen Kuscheltiere, Versorgerinnen, Blitzableiterinnen oder eben Sexualaborte aus Fleisch und Blut.
Vielleicht deshalb die vergleichsweise große Aufregung, die Anfang 2016 einsetzte. Während auf sexuelle Gewalt, die von Biodeutschen verübt wird, kaum jemand auch nur reagiert.

RP-online hat übrigens 62 Fakten und Vorurteile über Sex auf seiner Homepage veröffentlicht. Vieles überrascht, manches nicht wirklich.

Das Problem des Sextourismus

Das Problem des Sextourismus ist lange bekannt und wird auch nicht verschwiegen, sondern von einigen Experten und Organisationen angeprangert.
Allerdings weniger als Nichtigkeiten wie das Verhalten von Rainer Brüderle. In der Affäre um seine Dekolletée-Sprüche gab es in den "progressiven" Medien etliche Artikel und Talkshows.
Auch wegen des Sextourismus? Nö, politisch und finanziell nicht genügend nützlich für Feminist*innen.

Nebenbei: Was hat eigentlich der Taharrusch in Köln an Silvester mit dem Sextourismus zu tun? Existiert da ein innerer Zusammenhang?

"Nebenbei: Was hat eigentlich

"Nebenbei: Was hat eigentlich der Taharrusch in Köln an Silvester mit dem Sextourismus zu tun? Existiert da ein innerer Zusammenhang?"

Gute Frage @Robert. Ich erkläre mir das so: in Nordafrika hat die sexuelle Ausbeutung von Jungen und jungen Männern eine lange Tradition. Befördert wurde sie insbesondere, als im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wohlhabende Europäer begannen, auch diesen Teil der Welt zu bereisen. Durch die aktuelle Krise in der Region brach ja auch der Sektor "Jungenhandel" ein Stück weit zusammen. Selbstverständlich verlagern die Profiteure solcher Art Kinder und Jugendliche auszubeuten, ihre organisierte Kriminalität dorthin, wo es weiter Geschäfte zu machen gibt. Also zu uns. Auf der ganzen Welt gibt es Männer - und Frauen! - die meinen, das, was sie für ihre sexuellen Bedürfnisse halten, auf derart einseitige Weise befriedigen zu müssen. Da sich der erwünschte Zustand aber so nie einstellt, sondern, im Gegenteil die persönliche Misere zunimmt, kann suchtartiges Verlangen und Verhalten entstehen. Bei den entsprechenden AnwerberInnen und ZuhälterInnen handelt es sich also im Grunde um Menschendealer. Ein Weg, dem zu begegnen wäre es, sachlich, also soweit möglich befreit von heftigen Emotionen zu untersuchen, was die Ursachen der sexuellen Beschädigungen der Personen sind, die ihre Sexualität auf so einseitige und menschenverachtende Weise ausleben. Im zweiten Schritt dann zu überlegen, was man dagegen tun kann. Selbstredend ist es für die männlichen Opfer sexueller Ausbeutung noch schwerer, in ein bürgerliches Leben zurückzukehren, als für weibliche. Männern den eigenen Körper gegen Subventionierung für Sexualpraktiken zur Verfügung zu stellen, ist eine traditionell Frauen und Mädchen vorbehaltene Rolle. Der zu sein, der den weiblichen Mitmenschen sexuell benutzt, gilt als Zeichen von Männlichkeit. "Stricher" bzw. missbrauchte Jungen werden also geschlechtsrollengemäß zu Mädchen, bzw. Frauen. Drastisch ausgedrückt zu Sexualaborten, beheizbaren Gummipuppen. Ein Synoym für alles, was in traditionellen Gesellschaften für minderwertig und schwach gilt.

Übrigens: den Weg, den Anis Amri genommen hat, halte ich für typisch. Dass er, bzw. die Leute, für die er die Drecksarbeit machen musste, unbehelligt blieben auch. Es gibt überall Menschen, die ähnlich den Dementoren im Harry-Potter-Roman anderen, vitaleren, hübscheren, heileren die Lebensenergie absaugen wollen. Was ihnen oft sogar gelingt. Insbesondere in Deutschland gibt es diese vaporisierenden Personen. Solche Leute wirken, oberflächlich betrachtet normal. Oft verhalten sie sich sogar überangepasst. Es gibt sie auch in Behörden. Was verständlicherweise die Ermittlungen nicht effizienter werden lässt.

Bei der Gelegenheit: ich finde, dass sexuell übergriffige Leute, in dem Moment wo sie so agieren, einen schwefligen Geruch ausströmen. Und erkläre mir das mit der Produktion von Streßhormonen, die bei solcherart Tun anfällt. Schon allein um diesen teuflischen Odem auszuhalten, ist eine Bezahlung nötig.

VG
Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

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