„Die Gender-Ideologie will unsere Kinder in ihrer sexuellen Identität verunsichern und frühsexualisieren oder sogar homosexualisieren.“

„Die Gender-Ideologie will unsere Kinder in ihrer sexuellen Identität verunsichern und frühsexualisieren oder sogar homosexualisieren.“

Richtig ist: Gender, Gender Mainstreaming und Sexualerziehung werden oft in einen Topf geworfen. Sexualerziehung arbeitet zwar mit Gender-Konzepten; ihre Aufgabe ist aber nicht Gleichstellungspolitik, sondern kindgerecht und offen über Liebe, Gefühle, Sexualität, Geschlecht und über körperliche Entwicklung aufzuklären. Eine offene Aufklärung bedeutet nicht Verunsicherung, sondern vermittelt Kompetenzen im Umgang mit den eigenen Grenzen und Wünschen. Kinder kommen heute durch Internet und Werbung früh mit Darstellungen von Sexualität in Kontakt. Es ist wichtig, dass neben den Eltern auch Schulen sie begleiten und unterstützen. Zu ihrem Schutz, aber auch, um einen respektvollen Zugang zu Sexualität zu erlernen. Eine moderne Sexualerziehung berücksichtigt verschiedene Lebens- und Beziehungsmodelle. Der Vorwurf, Kinder würden dadurch „homosexualisiert“, ist homosexuellenfeindlich und verhindert Respekt für Lesben, Schwule, Inter- und Transpersonen.

Hintergrund: Pegida, religiös-fundamentalistische Vereine, teilweise die katholische Kirche, ultra-konservative Elternverbände, die AfD (federführend Beatrix von Storch) sowie Publizistinnen wie Birgit Kelle, Gabriele Kuby oder Hedwig von Beverfoerde warnen immer wieder vor der „Frühsexualisierung unserer Kinder“. Die Angriffe gegen moderne Sexualerziehung und Bildungspläne zeigen den zunehmenden Einfluss religiös-fundamentalistischer Kräfte auf die Politik und auch die neuen Allianzen zwischen Rechtspopulismus, christlichem Fundamentalismus und neoliberal-nationalkonservativer Ideologie. Sie behaupten, Kinder würden durch Sexualerziehung in Schule und Kindergarten „sexuell indoktriniert“. Sie richten sich gegen ein offenes Verständnis von Sexualität und schüren zum Beispiel die falsche Vorstellung, Kinder würden allein durch die Aufklärung über unterschiedliche sexuelle Orientierungen zum Sex angereizt oder zu Homosexualität erzogen.

‚Frühsexualisierung‘ ist so zum Kampfbegriff gegen Homosexualität, aber auch gegen Transgeschlechtlichkeit und sexuelle Selbstbestimmung geworden. Die Skandalisierung einer angeblichen „Frühsexualisierung“ ist eine Strategie, traditionelle Rollenbilder und Beziehungsmodelle als die einzig gültigen zu definieren. Verhindert werden sollen Schulaufklärungsprojekte, die Respekt für Lesben, Schwule, Inter- und Transpersonen fördern. Man will eine fortschrittliche Sexualpädagogik verhindern, die Kindern und Jugendlichen nicht einseitige Normen oder gar Scham vermittelt, sondern Offenheit und Neugierde gegenüber der eigenen Sexualität und eigenen Bedürfnissen. Nicht zuletzt wird auch die Entwicklung der Kompetenz verhindert, die eigene Grenze zu kennen und „Nein“ zu sagen.

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