„Feminismus ist Männerhass. Männer sind die eigentlichen Verlierer der Gleichstellung.“

„Feminismus ist Männerhass. Männer sind die eigentlichen Verlierer der Gleichstellung.“

Richtig ist: Feminismus setzt sich für eine gerechte Gesellschaft für alle Geschlechter ein. Auch Männer können benachteiligt sein. Männer erfahren z.B. Abwertung wegen ihrer sexuellen Orientierung, durch Gewalt, Arbeitslosigkeit, gesundheitliche Probleme oder aufgrund vorherrschender Männlichkeitsnormen (z.B. stark, überlegen, beruflich erfolgreich sein zu müssen). Tatsächlich sind trotz bestimmter Nachteile diejenigen, die Macht und Vermögen besitzen, verteilen und repräsentieren, auch heute noch mehrheitlich Männer.

Hintergrund: Frauen mischen an vielen Orten zunehmend mit und bewegen sich in ehemals männlich dominierten Feldern. Bei vielen Männern löst die verstärkte weibliche Präsenz Unbehagen und Abwehr aus oder gar die Vorstellung, Frauen dominierten nun die Gesellschaft. Im Internet entladen manche Männer ihr Unbehagen mit systematisch frauenfeindlicher Stimmungsmache. Vergessen wird, dass in vielen Feldern bis heute Männer dominieren, vor allem in führenden Positionen. Bereiche wie Pflege, Kinderbetreuung oder Grundschule wiederum werden als „Frauenarbeit“ wahrgenommen und infolgedessen geringer entlohnt. Feminismus kritisiert diese fortbestehenden Ungleichheiten und fordert eine gerechte Verteilung von Macht und Ressourcen. Kritik ist aber nicht Hass.

Vor allem Maskulist*innen und Männerrechtsgruppen haben in den vergangenen Jahren die Vorstellung verbreitet, Feminismus sei ein Kampf der Geschlechter gegeneinander und benachteilige Männer und Jungen. Auch Medien haben die Erzählung vom „benachteiligten Geschlecht“ befeuert und geben dem Feminismus die Schuld an der „Krise der Männlichkeit“. Verbreitet wurde z.B. die falsche Meinung, Jungen schnitten schlechter in der Schule ab, weil dort vor allem Frauen unterrichten. Dabei wird unterschlagen, dass schulische Leistung nicht nur mit Geschlecht, sondern mit weiteren Faktoren wie (sozialer) Herkunft, Einkommenssituation der Eltern etc. zu tun hat. Es sind vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund, die es schwerer haben.

Der häufige Ruf nach „echten Männern“ und die entsprechenden Bilder in Werbung und Öffentlichkeit sind für viele Männer ein Problem, weil sie ein klischeehaftes und einseitiges Verständnis von Männlichkeit vermitteln. Zahlreiche Männer dagegen sind emotional, fürsorglich, zart, künstlerisch. Oder sie leiden an Krankheiten, haben Behinderungen, leben in Armut, sind schwul oder haben Flucht-Erfahrungen. Studien zeigen, dass es auch Männern in einer stärker gleichberechtigten und ökonomisch egalitäreren Gesellschaft bessergeht. Weil sie zum Beispiel weniger unter dem Druck leiden, Ernährer sein zu müssen.

Es ist wichtig, dass über Vorstellungen von Männlichkeit gesprochen wird, zum Beispiel über die Schwierigkeit, Schwäche zu zeigen oder Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch muss darüber gesprochen werden, dass viele Männer Opfer von (sexualisierter) Gewalt sind, sowie darüber, dass Männer oft vorschnell als pädophil verdächtigt werden, wenn  sie Kindergärtner werden wollen. Fortschrittliche Männerorganisationen zeigen, dass man diese Themen behandeln kann, ohne dabei Feminismus als Gegenspieler zu sehen.

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