„Gender raus!“

„GENDER RAUS!’ ZWÖLF RICHTIGSTELLUNGEN ZU ANTIFEMINISMUS UND GENDER-KRITIK

Foto: Ebru Agca. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der es grundsätzlich möglich ist, das eigene Leben auf vielfältige Art und Weise zu gestalten: So ist zum Beispiel gleichgeschlechtliche Liebe weitgehend akzeptiert, Frauen und Männer sind gesetzlich gleichgestellt und können im Prinzip entscheiden, wie sie leben wollen. Allerdings werden diese Errungenschaften von rechtspopulistischen und christlich-fundamentalistischen Kräften, aber auch aus der liberalen Mitte heraus, zunehmend bekämpft oder infrage gestellt. Es gilt, dem etwas entgegenzusetzen und für Freiheit und Selbstbestimmung einzutreten.

Nicht nur die Hetze gegen den Feminismus oder die Kritik an feministischen Anliegen wie Lohngleichheit, Recht auf Abtreibung, sexuelle Selbstbestimmung oder Quoten haben zugenommen. Auch der Begriff „Gender“ selbst ist ein Angriffsziel. „Gender“ ist der englische Fachbegriff für Geschlecht. Gemeint ist jedoch nicht das körperliche, sondern das soziale Geschlecht, also die Art und Weise, wie Menschen Geschlechtsidentität in ihrem Alltag leben. Dies kann jeweils sehr unterschiedlich sein und wird nicht nur durch biologische Faktoren, sondern auch durch Erziehung, Kultur, Ökonomie und Machtstrukturen beeinflusst. „Gender“ zeigt, dass Menschen nicht passiv der Natur ausgeliefert sind, sondern dass ihr Leben auch von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen abhängt und sie diese verändern und mitgestalten können. 

Gender-Kritik und Anti-Gender-Hetze bilden eine Art Dach, unter dem sich sehr unterschiedliche, teils gegensätzliche Akteur*innen, Organisationen, Parteien und Gruppierungen bündeln und oft auch gemeinsam agieren. In Deutschland sind das unter anderen die extreme Rechte, die AfD, Pegida, verschiedene Männerrechtsgruppen, christlich-fundamentalistische Kreise sowie manche Journalist*innen, Publizist*innen und Wissenschaftler*innen. Gender-Kritik ist auch in der bürgerlichen Mitte verbreitet und generell ein fester Bestandteil öffentlicher Debatten. Gender-Theorien und Feminismus werden auch innerhalb gleichstellungspolitischer, feministischer, wissenschaftlicher und politisch linker bzw. liberaler Kreise kontrovers diskutiert. Es gibt hier keine einheitliche Position. Im Unterschied zu diesen wichtigen Auseinandersetzungen ist jedoch das Ziel von Anti-Gender-Hetze und Antifeminismus, falsche Informationen zu geben, Hass zu schüren und gezielt Feindbilder aufzubauen.

Diese Broschüre trägt einige der falschen Behauptungen zusammen, stellt sie richtig und formuliert auch Gegenargumente.

Die Broschüre zum download!

Franziska Schutzbach       Katharina Pühl        Henning von Bargen

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Menschen sollen die Möglichkeit haben, Familie und Beziehung so zu leben, wie es ihrer Lebenssituation entspricht. Ohne Bevormundung und ohne Benachteiligung. Geschlechterrollen und Familienmodelle haben sich historisch immer wieder verändert und verändern sich auch jetzt gerade.

Die Skandalisierung einer angeblichen „Frühsexualisierung“ ist eine Strategie, traditionelle Rollenbilder und Beziehungsmodelle als die einzig gültigen zu definieren.
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Gender, Gender Mainstreaming und Sexualerziehung werden oft in einen Topf geworfen. Sexualerziehung arbeitet zwar mit Gender-Konzepten; ihre Aufgabe ist aber nicht Gleichstellungspolitik, sondern kindgerecht und offen über Liebe, Gefühle, Sexualität, Geschlecht und über körperliche Entwicklung aufzuklären

Der Kampf gegen sexualisierte Gewalt ist kein ernsthaftes Anliegen rechtspopulistischer Akteur*innen. Sie wenden sich nur gegen Sexismus oder sexualisierte Gewalt, wenn Migrant*innen beschuldigt werden.
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Migrant*innen haben verschiedene Werthaltungen. Natürlich gibt es auch Geflüchtete oder Migrant*innen mit konservativen Geschlechterbildern (genauso wie es Deutsche mit traditionellen oder sexistischen Vorstellungen gibt). Viele Menschen flüchten aber auch, gerade weil sie für Frauenrechte eintreten oder homosexuell sind und deswegen politisch verfolgt werden.

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Gender Mainstreaming ist eine Strategie zur Förderung der Gleichstellung aller Geschlechter. Ziel ist es, Chancengleichheit als durchgängigen Aspekt in alle Politikfelder einzuziehen. Die Vorstellung, Gender Mainstreaming würde Menschen „gleichmachen“, ist falsch

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Migrant*innen in Deutschland bekommen nicht erheblich mehr Kinder. Auch zahlen sie deutlich mehr Steuern und Sozialbeiträge, als sie umgekehrt vom Staat erhalten.

Der häufige Ruf nach „echten Männern“ und die entsprechenden Bilder in Werbung und Öffentlichkeit sind für viele Männer ein Problem, weil sie ein klischeehaftes und einseitiges Verständnis von Männlichkeit vermitteln.
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Feminismus setzt sich für eine gerechte Gesellschaft für alle Geschlechter ein. Auch Männer können benachteiligt sein.

Im Kern wollen Anti-Gender-Akteur*innen definieren, was richtiges und was falsches, was wichtiges oder unwichtiges Wissen ist.
von

Die Gender Studies beschäftigen sich mit (historischen) Fragen und mit Menschen, die oft vergessen oder ausgelassen wurden, und tragen auf diese Weise gerade zu mehr Objektivität bei.

von

Die Situation von Frauen in Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Sexismus, also Benachteiligung aufgrund des Geschlechts, ist jedoch nicht beseitigt.

von

Der Verweis auf feststehende biologische Tatsachen ist eine der ältesten Strategien, mit der traditionelle Geschlechterrollen und Hierarchien legitimiert und gestärkt werden. Menschliches Verhalten beruht aber nicht nur auf biologischen Faktoren wie Genen, Gehirnstruktur oder Hormonen.

Schwangerschaftsabbrüche zu verbieten ... ist Ausdruck einer Geschichte, in der weibliche Körper, Gebärfähigkeit und Sexualität regelmäßig unterworfen und zum Gegenstand von Politik und Regulierung gemacht werden.
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Frauen zwingen, ungewollt Kinder zu bekommen, widerspricht unter anderem dem Recht auf Gesundheit, auf körperliche Integrität sowie dem Recht auf Gewissensfreiheit, moralische Autonomie und Entscheidungsfreiheit – und dem weltweit anerkannten Menschenrecht auf selbstbestimmte Mutterschaft.

Eine offene und demokratische Gesellschaft ist dafür verantwortlich, dass Minderheiten geschützt und nicht ausgeschlossen werden.
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Menschen, die sich selbst als eindeutig Mann oder Frau sehen und heterosexuell leben, sollen das selbstverständlich sein und tun dürfen. Die Unterscheidung in nur zwei Geschlechter greift aber zu kurz.

von

Sexismus ist klar definiert, es geht um Ungleichbehandlung und Abwertung aufgrund von Geschlechterstereotypen. Frauen im Minirock oder mit weitem Ausschnitt sind keine einheitliche Gruppe, die alle gleichermaßen etwas Bestimmtes wollen.

zum download

Angriffe gegen Feminismus, sexuelle Selbstbestimmung und Geschlechterforschung haben stark zugenommen. Die gemeinsam vom Gunda-Werner-Institut und der Rosa-Luxemburg-Stiftung herausgegebene Broschüre „Gender raus!“ Zwölf Richtigstellungen zu Antifeminismus und Gender-Kritik“ bietet verständliche Argumente und Anregungen, wie antifeministische Behauptungen und Parolen entlarvt und richtiggestellt werden können.