„Migrantinnen bekommen viele Kinder und belasten die Sozialsysteme, während die Deutschen aussterben.“

„Migrantinnen bekommen viele Kinder und belasten die Sozialsysteme, während die Deutschen aussterben.“

Migrant*innen in Deutschland bekommen nicht erheblich mehr Kinder. Auch zahlen sie deutlich mehr Steuern und Sozialbeiträge, als sie umgekehrt vom Staat erhalten.

Migrant*innen in Deutschland bekommen nicht erheblich mehr Kinder – Urheber/in: Ebru Agca. Alle Rechte vorbehalten.

Richtig ist: Migrant*innen in Deutschland bekommen nicht erheblich mehr Kinder. Auch zahlen sie deutlich mehr Steuern und Sozialbeiträge, als sie umgekehrt vom Staat erhalten. Zudem haben die Geburtenraten insgesamt wieder zugenommen, sowohl bei Menschen mit und bei Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Unabhängig davon besteht das Recht aller, über die Anzahl ihrer Kinder selbst zu entscheiden.

Hintergrund: Demografie ist kein neutrales Feld, sondern wird oft politisch instrumentalisiert. Seit der Jahrtausendwende wurde zum Beispiel der sozialpolitische Abbau zunehmend mit dem „demografischen Wandel“ legitimiert. Hinzu kam in der zweiten rot-grünen Legislaturperiode (2002-2005) eine aktive Bevölkerungspolitik u.a. mit dem Ziel, die Geburtenrate in Deutschland zu erhöhen. Der Fokus richtete sich aber gezielt auf besserverdienende und gut qualifizierte deutsche Frauen und schuf damit Ungleichheiten vor allem für Geringverdiener*innen und Hartz IV-Bezieher*innen.

Außerdem wird in Bezug auf Migration gerne demografisch argumentiert und die „Nützlichkeit“ von Menschen bewertet: Mal erscheinen Migrant*innen als Arbeitskräfte, die den Fachkräftemangel beheben oder die Probleme der „alternden Gesellschaft“ lösen sollen. Mal wird ihr negativer Einfluss auf die Zusammensetzung der Bevölkerung genannt. Solche Debatten formulieren verdeckt oder ausdrücklich, welche Menschen bzw. Kinder erwünscht sind und welche nicht, welche als „wertvoll“ angesehen werden und welche nicht.

"Gender raus!" Angriffe gegen Feminismus, Gleichstellungspolitik, sexuelle Selbstbestimmung und Geschlechterforschung haben stark zugenommen. Das vorliegende Dossier gibt Anregungen, wie Behauptungen richtiggestellt werden können.

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Rechtspopulistische Akteur*innen verbinden Demografie auch deshalb mit Geschlecht, weil sie die Emanzipation der Frauen und oder den Feminismus für den angeblichen „Untergang Deutschlands“ verantwortlich machen wollen. Die AfD zum Beispiel plädiert dafür, deutsche Frauen aus der Mittelschicht in ihrer Mutterrolle zu bestärken, um die „demografische Fehlentwicklung“ aufzuhalten. Die AfD will Maßnahmen zur mittelfristigen „Erhöhung der Geburtenrate der einheimischen Bevölkerung“ ergreifen . Auf diese Weise wird „das deutsche Volk“ zur unhinterfragten und idealisierten Bezugsgröße, während ökonomische Zusammenhänge und Ausbeutung ausgeblendet werden.

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