„Muslime und Migrantinnen bringen rückständige Frauenbilder nach Deutschland; muslimische Männer gefährden deutsche Frauen.“

Richtig ist:  Migrant*innen haben verschiedene Werthaltungen. Natürlich gibt es auch Geflüchtete oder Migrant*innen mit konservativen Geschlechterbildern (genauso wie es Deutsche mit traditionellen oder sexistischen Vorstellungen gibt). Viele Menschen flüchten aber auch, gerade weil sie für Frauenrechte eintreten oder homosexuell sind und deswegen politisch verfolgt werden. Wir haben es hier mit pauschalen rassistischen Behauptungen zu tun; hier wird sexualisierte Gewalt für rechtspopulistische Stimmungsmache instrumentalisiert.

Hintergrund: Zahlreiche Menschen fürchten, ihnen werde durch Einwanderung etwas weggenommen. Diese Sorge wird von Rechtspopulist*innen und Konservativen angeheizt, indem sie Einwanderung ausschließlich als Bedrohung darstellen. Auch die Silvester-Ereignisse in Köln 2015/16 wurden instrumentalisiert und Geflüchtete pauschal als rückständig und gefährlich gebrandmarkt. Unterschlagen wird dabei, dass Sexismus und sexualisierte Gewalt in allen Gesellschaften und sozialen Schichten vorkommen und sich nicht auf Herkunft oder Religion zurückführen lassen. Die Gründe, weshalb Männer Frauen belästigen oder sie als minderwertig ansehen, sind vielfältig, ebenso die Formen sexualisierter Übergriffe. Übergriffe auf öffentlichen Plätzen sind eine Form. Eine andere sind die viel seltener beachteten Übergriffe innerhalb der Familie.

Kriminalstatistiken erfassen nur tatsächlich angezeigte Delikte. Da Täter*innen, wenn sie Migrant*innen oder Geflüchtete sind, eher angezeigt werden, kommen sie in Statistiken teilweise häufiger vor. Dies sagt aber wenig darüber aus, wie häufig und von wem Übergriffe tatsächlich ausgeübt werden. Die Statistiken erfassen beispielsweise kaum die Übergriffe in engen Beziehungen oder im sozialen Nahbereich (Sportclub, Chor, Schule, Verwandtschaft etc.). Diese machen den Großteil aller Sexualdelikte aus, werden aber, weil Täter häufig Bekannte sind, weit weniger angezeigt.

Der Kampf gegen sexualisierte Gewalt ist kein ernsthaftes Anliegen rechtspopulistischer Akteur*innen. Sie wenden sich nur gegen Sexismus oder sexualisierte Gewalt, wenn Migrant*innen beschuldigt werden. Auffällig ist, dss AfD, PEGIDA und andere Akteure sich nur dann gegen Sexismus oder sexualisierte Gewalt richten, wenn Migrant*innen beschuldigt werden. Damit bedienen sie ein rassistisches Klischee, nämlich die kolonialistische Vorstellung, der fremde „Schwarze Mann“ sei ein potentieller Vergewaltiger, der „unsere (weißen) Frauen“ entehrt. Die Funktion solcher Bilder war und ist es, bestimmte Menschen als unzivilisiert zu diffamieren. Sie unterstellen, Sexismus und sexualisierte Gewalt kämen nur bei anderen vor, nicht aber im eigenen Umfeld

In Wahrheit erfährt jedoch jede dritte Frau in Europa körperliche oder sexuelle Gewalt; in Deutschland wird fast jede siebte Frau im Laufe ihres Lebens vergewaltigt. Viele Betroffene sind geflüchtete Frauen und Migrantinnen. Zentrale Ursachen von Gewalt sind mangelnder Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen, beengte Lebenssituationen (wie in Flüchtlingsunterkünften) und/oder ökonomische Abhängigkeit. Die kann dazu führen, dass Frauen gewaltvolle Beziehungen nur schwer verlassen können.

All rights reserved.

Neuen Kommentar schreiben