„Die Gender-Ideologie will die Geschlechterdifferenz abschaffen. Jeder soll sich sein Geschlecht aussuchen können.“

„Die Gender-Ideologie will die Geschlechterdifferenz abschaffen. Jeder soll sich sein Geschlecht aussuchen können.“

Richtig ist: Menschen, die sich selbst als eindeutig Mann oder Frau sehen und heterosexuell leben, sollen das selbstverständlich sein und tun dürfen. Die Unterscheidung in nur zwei Geschlechter greift aber zu kurz. Viele Menschen sind nicht eindeutig weiblich oder männlich und leiden darunter, entweder weiblich oder männlich sein zu müssen. Es gibt zahlreiche geschlechtliche Zwischenstufen.

Hintergrund: Es gibt neben Männern und Frauen noch mehr Geschlechtervarianten (Intergeschlechtlichkeit und Transgeschlechtlichkeit) und vielfältige sexuelle Orientierungen. Wenn man alle Variationen berücksichtigt, zeigt jede*r hundertste Mensch eine nicht-eindeutige Form der Geschlechtlichkeit.  In der modernen Biologie werden Geschlechter deshalb nicht mehr als klar unterschiedene Alternativen betrachtet, sondern eher als zwei Pole, zwischen denen es eine Variationsbreite mit fließenden Übergängen gibt.

Intergeschlechtlichkeit bedeutet, dass die körperlichen Geschlechtsmerkmale eines Menschen nicht eindeutig als weiblich oder als männlich eingeordnet werden können. Geschlechtliche Eindeutigkeit heißt nicht, dass beispielsweise eine Person mit einem Penis sich zwangsläufig als Mann oder eine Person mit Eierstöcken sich als Frau fühlt. Transgeschlechtlichkeit bedeutet, dass sich Personen nicht (nur) mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren. So wurde ihnen beispielsweise aufgrund eines Penis der Status Mann zugewiesen, obwohl sie ihrem inneren Empfinden nach eine Frau sind. Manche Transpersonen empfinden sich weder als Frau noch als Mann. Heterosexualität, Homosexualität, Bisexualität oder andere sexuelle Orientierungen und Lebensweisen entstehen anhand von vielfältigen Faktoren und können sich im Verlauf des Lebens verändern. Weder Geschlechtervariationen noch nicht-heterosexuelle Orientierungen sind medizinische Störungen oder Abweichungen, sondern Varianten innerhalb der menschlichen Vielfalt.

In der heutigen Gesellschaft gibt es immer noch wenig Raum für Individuen, die sich zwischen den Geschlechtern fühlen. Auch nicht-heterosexuelle Lebensweisen sind keineswegs so breit anerkannt, wie es manchmal scheint. So zeigt eine aktuelle Studie, dass es die Hälfte aller Eltern in Deutschland problematisch fände, wenn sich ihr Kind als homosexuell outen würde. Auch erfahren Trans*menschen und Homosexuelle nach wie vor viel Gewalt. Auch die weit verbreitete Kritik an Gender ist meistens inter,- trans- und homosexuellen-feindlich, es geht ihr darum, die Deutungshoheit darüber zu behalten, was die richtige Lebensweise sei.

Eine offene und demokratische Gesellschaft ist dafür verantwortlich, dass Minderheiten geschützt und nicht ausgeschlossen werden. Das klappt nur, wenn Menschen Aversionen gegenüber unterschiedlichen Lebensweisen abbauen. Dafür setzen sich Lesben, Schwulen, Inter- und Transgender-Verbände ein, dafür setzt sich die Sexualpädagogik ein, und die Geschlechterforschung stellt Daten und Wissen über verschiedene Lebensformen bereit und untersucht Diskriminierung.

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