„Gender Mainstreaming will Männer und Frauen gleichmachen.“

Gender Mainstreaming ist eine Strategie zur Förderung der Gleichstellung aller Geschlechter.. Urheber: Ebru Agca. Alle Rechte vorbehalten.

Richtig ist: Gender Mainstreaming ist eine Strategie zur Förderung der Gleichstellung aller Geschlechter. Ziel ist es, Chancengleichheit als durchgängigen Aspekt in alle Politikfelder einzuziehen. Die Vorstellung, Gender Mainstreaming würde Menschen „gleichmachen“, ist falsch. Gender Mainstreaming zielt darauf, möglichst unterschiedliche Lebenssituationen und Interessen von Frauen, Männern und allen Geschlechtern zu berücksichtigen. Dabei wird nicht in das private Leben eingegriffen, sondern Diskriminierung im Handeln von Politik, Behörden und Institutionen vorgebeugt.(5) Praktisch bedeutet dies im öffentlichen Bereich, dass Entscheidungen und Strukturen von Institutionen, Gremien, Behörden darauf hin geprüft werden sollen, welche Auswirkungen sie auf die konkreten Lebenssituationen von Menschen haben. Jedoch ist faktisch Gender Mainstreaming in vielen politischen Bereichen nicht durchgesetzt worden.

 Hintergrund: Seit vielen Jahren verbreiten christlich-fundamentalistische, konservative und rechtspopulistische Kreise falsche Bilder von Gender Mainstreaming als staatlichem Zwang und verbinden damit die Forderung, die Gesellschaft müsse von Gender „befreit“ werden. Die Kritiker*innen positionieren sich oft selbst als Befreier*innen und legen nahe, dass die von ihnen befreiten Menschen wieder richtige, das heißt traditionelle Frauen und Männer oder Familien seien. Genau genommen sind es also die Anti-Gender-Akteur*innen selbst, die „gleichmachen“ wollen, weil sie nur bestimmte Lebensweisen als Norm akzeptieren.

Geschlechtergerechtigkeit und das völkerrechtliche Diskriminierungsverbot sind Leitprinzipien des Gender Mainstreaming. Gleichstellung soll damit tatsächlich verwirklicht werden. Menschen sollen mehr Möglichkeiten haben als das, was aufgrund ihrer sozialen Herkunft oder ihres Geschlechts gesellschaftlich nahezuliegen scheint. Anders ausgedrückt: Arbeiter*innenkinder sollen nicht Arbeiter*innenkinder bleiben müssen; Frauen sollen sich, weil sie Kinder gebären können, nicht allein auf die Mutterrolle festlegen müssen. Väter sollen nicht Ernährer sein müssen. Bildungsinstitutionen stellen deshalb z.B. Bedingungen her, unter denen auch Mädchen sich für Naturwissenschaften begeistern können und Jungen für soziale Berufe. Oder es werden Arbeitszeitmodelle gestaltet, die es allen ermöglichen, Familien- und Erwerbsarbeit zu verbinden.

Allerdings wird Gender Mainstreaming auch auf feministischer und linker Seite kontrovers diskutiert und von einigen als Instrument neoliberaler Politikumsetzung kritisiert, das nicht hinreichend ökonomische und soziale Ungleichheiten berücksichtigt.

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