Nein heißt nein, online und offline

Nein heißt nein, online und offline

Feministischer Zwischenruf

Diskriminierung und Gewalt online spülen oft alt bekannte Themen an. Objektifizierung von Körpern jenseits der Schönheitsnorm, Stigmatisierung von jeder Sexualität abseits der cis-maskulinen Heterosexualität oder Gewalt gegen Intimpartner*innen zählen dazu. Zwar entwickeln sie sich online teils schneller, sind dafür kurzlebiger und zugespitzt; die Formen der Diskriminierung sind dabei allerdings sehr ähnlich geblieben. Denn die gesellschaftlichen Werte prägen sowohl das Offline- wie auch das Online-Leben.

Diskriminierung online zeigt sich z. B. auf Social Media Plattformen wie Instagram und Facebook, wo weibliche Brustwarzen auf Fotos, die mit dem Einverständnis der gezeigten Personen hochgeladen werden, nicht erlaubt sind und zensiert werden. Dieser stigmatisierende Umgang mit als weiblich gelesenen Körpern zeigt die Grenzen der Meinungsfreiheit auf diesen Plattformen auf. Denn es wird nur kontrolliert wie weibliche Körper in diesem Teil des Internets gesehen werden sollen und Fotos werden dementsprechend angepasst. Gleichzeitig verwenden die Plattformen wenig Energie darauf, z. B. Verfasser*innen von Hassbotschaften oder Morddrohungen zu finden und angemessen zu ahnden. Dass das Filtern von Hassbotschaften weniger Aufmerksamkeit bekommt als die Zensur weiblicher Brustwarzen, ist die Konsequenz einer bewusst getroffenen Technologie-Entscheidung. Weibliche Brustwarzen werden so automatisch zu potenziell anstößigem Material, das nicht gezeigt werden darf und Stigmatisierung erfährt.

Nacktheit: zensiert und kommerzialisiert

Während auf Instagram und Facebook weibliche Nacktheit zensiert wird, machte im Sommer 2019 ein Computerprogramm unter dem Namen “DeepNude” Schlagzeilen. Das Programm wandelt Fotos von bekleideten Frauen - ohne deren Zustimmung - in falsche Nacktbilder um, zieht sie also virtuell scheinbar aus. Laut Entwickler, der sich in einem Interview mit VICE Motherboard [1] als Alberto ausgegeben hat, bildet die Vielzahl der im Internet verfügbaren Foto- und Videoaufnahmen von Frauen auf Porno-Plattformen die Grundlage für die falschen Nacktbilder. Mithilfe von maschinellem Lernen werden Körperteile von realen Nacktbildern von Frauen auf wiederum reale Fotos von bekleideten Frauen angepasst, ein Algorithmus erzeugt dann schlussendlich die falschen Nacktbilder. Ein ähnliches System verwendet die gerade sehr beliebte FaceApp, die Menschen altern lässt. Doch Nacktheit muss nicht programmiert werden. Auf sogenannten RevengePorn Seiten werden schon länger Nacktbilder ohne Zustimmung der abgebildeten Personen gezeigt. Technologie wird so zum Tool für das Verletzen der Intimsphäre und dient dem Angriff auf persönliche Integrität und Würde.

Für die Opfer ist das Internet dann nicht selten ein Raum ohne Schutz, ohne Handhabe, denn sind Bilder, Texte oder andere Dateien erst einmal online, dann wird der Versuch sie vollständig aus dem Netz zu löschen fast unmöglich. Betroffene stehen mit leeren Händen da, weil es einerseits an effektiven Mitteln fehlt gegen die Weiterverbreitung der Bilder vorzugehen und andererseits an gesellschaftlichem Bewusstsein für das Problem.

Entscheidendes Merkmal für Diskriminierung und Gewalt ist online wie offline die Frage der Zustimmung der Betroffenen. Denn da wo willentlich nackte Bilder hochgeladen werden findet Zensur statt. Wo allerdings echte oder mit Hilfe von Programmen gefälschte Nacktbilder gegen das Einverständnis online gestellt werden, fehlt es oft an Durchsetzungswillen der Plattformen und Betreiber*innen, wie ein Artikel der BBC [2] über die Erfahrungen einer Betroffenen mit der Plattforn Pornhub zeigt.

Hilfe zur Selbsthilfe

Eine mögliche Anlaufstelle für Betroffene digitaler Gewalt in Deutschland kann der Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe "Frauen gegen Gewalt e. V." [3] sein. Daneben können auch Technik-Tipps für stärkere Passwörter, mehr Sicherheit beim Versenden von Nacktbildern oder die Nutzung von verschlüsselter Kommunikation helfen, sich vor allem präventiv zu schützen.

  • Solide Passwörter können aus mindestens 5 zufällig gewählten Wörtern aus dem Wörterbuch zusammengesetzt werden [4], z. B. BlickGrenzeErhebenBlankInhalt
  • Tipps für mehr Sicherheit beim Versenden von Nacktbildern gibt die Organisation Coding Rights [5], z. B. sichere Messenger wie Signal verwenden und Bilder so auswählen, dass Gesicht und besondere Merkmale wie Tattoos oder Narben nicht zu sehen sind

Nichtsdestotrotz müssen sich vor allem Gesellschaft und Politik informieren und Betroffenen genau zuhören, um so Vorschläge zur Regulierung digitaler Gewaltformen erarbeiten zu können. Von alleine wird sich das Problem nicht lösen.

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