Überwachung: Feministische Perspektiven dringend benötigt

Feminismus und Überwachung

Intersektionale Perspektiven

„Ich habe nichts zu verbergen“ immer wieder fällt dieser Satz, wenn von Überwachung die Rede ist. Diese Haltung ist problematisch. Denn sie unterstellt, dass andere durchaus etwas zu verstecken hätten, da die Ausspähung der Sicherheit aller diene. Der Staat etwa sorgt dafür, dass zum Beispiel Hartz-4-Empänger*innen, mit sehr viel mehr Eingriffen in ihre Privatsphäre rechnen müssen als Erwerbstätige.

Auch Frauen*, Schwarze Menschen oder Menschen of Color müssen mit stärkeren Eingriffen in die (körperliche) Privatsphäre rechnen. Sei es beim Recht auf sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung oder hinsichtlich der Bewegungsfreiheit, Stichwort Racial Profiling.

Überwachung, ob staatlich oder privatwirtschaftlich, betrifft großflächig uns alle, wenn auch nicht im gleichen Maße. Trotzdem scheint sich kaum jemand betroffen, eingeschränkt oder gar eingeschüchtert zu fühlen. Woran liegt das?

Finden wir Privatsphäre nicht mehr wichtig? Haben wir akzeptiert, dass es Privatsphäre nur noch für diejenigen gibt, die es sich leisten können, sei es finanziell oder weil sie in diesem Sinne Digital Natives sind, also über die entsprechende Bildung verfügen? 

Welchen Einfluss haben Big Data und Algorithmen, mit denen Gesellschaft in Gruppen sozial sortiert (Social Sorting) wird, auf Prozesse und Strukturen der Überwachung?

Vor allem soziale Netzwerke sammeln Daten und nutzen diese für Interessen- und Aufmerksamkeitssteuerung. Doch wem gehören diese Daten eigentlich und welche Rolle spielen sie in den unterschiedlichen Feldern der Überwachung?

Das Dossier Überwachung: Feministische Perspektiven dringend benötigt wird diesen Fragen nachgehen und gleichzeitig historische Hintergründe beleuchten. 

Historische Linien

Begriffe

Überwachung Intersektional: Geschichtliche Kontinuitäten

Die Überwachung von Frauen und ihren Körpern hat eine lange Tradition. Die intersektionale Betrachtung dieser historischen Linien rückt den Fokus von einzelnen Überwachungstechnologien und -praktiken von Staaten oder Konzernen hin zu den Machtverhältnissen, die Überwachung untermauern.

Von Nicole Shephard

Auch Mathe kann sexistisch sein​

Begriffe wie Vorratsdatenspeicherung, Metadaten und Uploadfilter tauchen immer wieder in der medialen Verhandlung auf - doch was heißen sie eigentlich und was bedeuten sie konkret für den*die Einzelne*n? Wer hat die Macht über unsere persönlichen Daten und wie neutral sind mathematische Computerentscheidungen wirklich?

Von Leena Simon

Privatsphäre als Grundrecht, aber für wen?

Video: Überwachung auf Schritt und Tritt

Videokameras werden vermehrt zum Alltag. Doch welche Gefahren intersektionaler Diskriminierung bieten sie für ethnische und religiöse Minderheiten, LGBTQ-Menschen, Immigrant*innen, Geflüchtete und Frauen*?

Von Dia Kayali

Digitale Grenzverschiebung

Handykontrollen bei Geflüchteten, Arbeitslosen, die in sozialen Netzwerken ausgespäht werden, automatisierte Kontrollsysteme: Die Ausweitung von Überwachungsmaßnahmen trifft massiv Bevölkerungsgruppen, die an den Rand gedrängt werden, und danach alle.

Von Sonja Peteranderl

Menstruationszyklen entziffern

Mit dem Versprechen maßgeschneiderter Gesundheitsanalysen und verbesserter Kontrolle über den eigenen Körper sind es vor allem Fitness-Apps, Menstruations- und Fruchtbarkeitsapps die das “Quantified Self” en vogue gemacht haben. Bei den Tracking-Apps geht es eher um Kaufkraft und Daten, denn die Lösung von Problemen der Gesundheitsversorgung oder -aufklärung.

Von Marie Kochsiek

Social Sorting, Social State, Social Media: schöne neue vernetzte Welt

Wem gehören eigentlich die Daten in den sozialen Netzwerken?

Viele Nutzer*innen stellen ihre Inhalte für alle sichtbar ins Netz. Das bedeutet, dass nicht nur andere Privatleute, sondern auch Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden diese Daten problemlos verwerten können. Aber auch Unternehmen spielen eine wichtige Rolle.

Von Valie Djordjevic

Das Problem mit der Sozialen Sortierung

Der weibliche Körper wird konstant überwacht, in den eigenen vier Wände genauso wie im öffentlichen Raum. Dabei geht es nicht nur um die Verletzung der Privatsphäre, sondern auch um die soziale Aussortierung.

Von Shmyla Khan

Big Data und Algorithmen

Datenfeminismus: Big Data, Überwachung und Gender

Wir sind wandelnde Datenpunkte, egal ob wir sie selber produzieren, oder andere es für uns tun. Gender als Kategorie, ist dabei oft leitend. Wie können feministische Antworten auf staatliche und privatwirtschaftliche Sammelwut aussehen.

Von Nicole Shephard
feministische Netzpolitik

Wie können netzpolitische Handlungsfelder mit feministischen Diskussionen zusammengebracht werden?