Wir könnten auch anders

Wir könnten auch anders

Pfeil nach obenUrheber/in: Matt Anderson@Flickr. CC-BY 2.0

Steuerpolitik soll sich an gelebte Realität anpassen und nicht umgekehrt. Doch nicht nur im zeitlichen Verlauf zeigt sich, dass das Ehegattensplitting für Paare immer stärker an Bedeutung verliert, da weniger Menschen in klassischen Mustern innerfamiliärer Arbeitsteilung leben möchten. 

Der Blick auf die deutsche Gesellschaft, aber auch auf europäische Nachbarn zeigt, dass das Ehegattensplitting kein deutsches, sondern ein westdeutsches Sondermodell ist. Auch wenn das steuerlich geförderte „Hausfrauenmodell“ einen Teil deutscher Gesellschaftsgeschichte beschreibt – ein anderer Teil dieser Gesellschaft ist ganz selbstverständlich von der Vollzeit-Erwerbstätigkeit von Männern und Frauen geprägt. Diese erwerbsarbeitsorientierte Sozialisation ostdeutscher Frauen und Männer bewirkt bis heute eine deutlich höhere Erwerbsneigung im Osten Deutschlands – aller steuerlichen „Vorteile“ zum Trotz.

Doch wer nun die individuelle Besteuerung als Bestandteil einer Diktatur brandmarken will, wird vom österreichischen Steuersystem eines besseren belehrt: Hier wurde in den 1970er Jahren die Individualbesteuerung eingeführt und als Bestandteil einer vergleichweise konsequenten und ambitionierten Umsetzung von Gender-Mainstreaming-Richtlinien begriffen. Diese beiden Beispiele zeigen, dass eine radikale Reform der Ehegattenbesteuerung nicht nur möglich, sondern auch dringend notwendig ist.

Steuerpolitik

Politik steuert mit Steuern. Welche Steuern werden in welchem Umfang erhoben? Sind öffentliche Haushalte geschlechtergerecht? Die Forderung nach einer eigenständigen Existenzsicherung aller Individuen rückt deren Besteuerung in den Blick: Neben der Lohnschere zwischen den Geschlechtern werden auch Steuerunterschiede sichtbar. Steuern fördern oder begrenzen bestimmte Lebenskonzepte. Steuern können geschlechterungleiche Rollenzuweisungen fortschreiben: Hier steuern feministische und geschlechtergerechte Politiken dagegen

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