„Das sind alles Feminazis!“ – Strategien im Umgang mit antifeministischen Angriffen im Netz

„Das sind alles Feminazis!“ – Strategien im Umgang mit antifeministischen Angriffen im Netz

Am 08.06.2017 fand die Tagung „Menschlich bleiben – Strategien im Umgang mit antifeministischen Angriffen auf Soziale Arbeit“ des Gunda-Werner-Instituts in Kooperation mit der AWO statt. Bericht zum Workshop mit dem Thema Digitale Gewalt: Gegenstrategien und Aufklärung. Eine PDF dieses Berichts findet sich hier. Der Input von Cornelia Heyken, Theresa Lehmann und Michael Drogand-Strud findet sich hier.

Urheber/in: Marcie Casas. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Der Workshop zum Thema Digitale Gewalt wurde von Cornelia Heyken und Theresa Lehmann (Amadeu Antonio Stiftung) und Michael Drogand-Strud geleitet. Der Workshop begann mit einem kurzen Themeneinstieg zu Jugendlichen und Hasskommentaren. Dabei wurde aufgezeigt, dass Jugendliche überdurchschnittlich stark von Hasskommentaren betroffen sind und sich zugleich häufig mit Hasskommentare befassen. So melden und kritisieren sie Hasskommentare überdurchschnittlich häufig. Des Weiteren sind feministische und antirassistische Aktivist*innen stark von Hasskommentaren betroffen. Häufig werden sie durch Gegner*innen auf bestimmten Websites als Aktivist*innen „geoutet“.

Anschließend wurden 2 Beispiele antifeministischer Beispiele vorgestellt und in der Gruppe diskutiert. Deutlich wurde dabei, dass die Angriffe nicht nur antifeministisch, sondern auch antirassistisch waren.

Danach wurden folgende Ziele von antifeministischen Angriffen benannt:

  • Für Gleichstellung eintretenden Organisationen zu schaden
  • Feminist*innen zum Schweigen zu bringen
  • Fem. Positionen in Gesellschaft als gefährlich, gesellschaftsschädigend darstellen
  • Deutungshoheit erlangen

Gruppenübungen

Im zweiten Teil gab es zwei Gruppenübungen, in denen die Fragestellungen zunächst in Kleingruppen und anschließend im Plenum diskutiert wurden. Die erste Übung war die Decodierung eines Bildes der nationalistischen Gruppierung justnationalistgirls. Dort wurde herausgearbeitet, wie sich rechte Gruppierung für Jugendliche ansprechender Bildsprache bedienen, z.B. sexualisierte Bilder normschöner Frauen, kombiniert mit Bildern von „Heimat“, Sicherheit, Natürlichkeit, „Reinheit“ und Harmonie. Zudem inszenieren sie das „Traditionelle“ als etwas Rebellisches und bedienen damit das jugendliche Bedürfnis aufzubegehren.

In der zweiten Übung standen Möglichkeiten von Counterspeech, am Beispiel eines nicht eindeutig antifeministischen Posts, im Vordergrund. Es gab unterschiedliche Vorschläge aus der Gruppe. Während einige den Post als unproblematisch einstufen und daher nicht darauf reagieren würden, hoben andere heraus, dass nicht reagieren eine sehr problematische Option sei, weil es einer stillen Zustimmung des Posts gleichkomme. Als mögliche Antworten wurden ironisch-humorvolle Reaktionen genannt. Diese wurden in der Diskussion als nur begrenzt einsetzbar empfunden. So sollte immer darauf geachtet werden, nicht selbst herablassend zu werden. Als weitere Strategien wurde genannt, dass man sich in einer Antwort stets auf ein Argument konzentriert werden sollte, auch wenn das Gegenüber zahlreiche Pauschalaussagen getätigt hat. Zudem sollte man das Profil solcher Kommentator*innen prüfen und bei wiederholten Äußerungen von Hasskommentaren wurde Blockieren solcher Personen als sinnvoll genannt.

Resümee Gegenstrategien

Im letzten Teil des Workshops wurden zunächst Beispiele von Gegenstrategien gegen Hasskommentare von verschiedenen Organisationen oder Websites vorgestellt und abschließend noch einmal verschiedene solcher Strategien diskutiert.

U.a. wurde die Möglichkeit diskutiert, den eigenen Account im Falle eines akuten Angriffs oder Shitstorms einer vertrauten Person zu überlassen, um sich selbst vor den Angriffen zu schützen. Diese Person könnte dann alle Hasspostings durchgehen, auf strafrechtliche Relevanz prüfen und entsprechend löschen bzw. sammeln. Zur Prüfung von strafrechtlicher Relevanz von Hasskommentaren können Kommentare an fsm.de; jugendschutz.net oder die Online Wachen der Polizei geschickt werden, die eine Prüfung vornehmen können.

Im Fall von hassvollen Memes gibt es die Strategie eines Meme Remixes, bei der die Hate Memes umgestaltet und dann selbst verwendet werden um deren Botschaften ad absurdum zu führen bzw. zu kritisieren. Die Organisation Hate Aid bietet zudem Selbsthilfestrategien, wie man gut durch einen Shitstorm kommt.

Im letzten Teil wurde noch einmal zusammenfassend über Gegenstrategien diskutiert. Unter der Kategorie präventive Schutzmaßnahmen wurden Moderation von Diskussionen, Einplanung von Ressourcen (Personal, Zeit) für die Betreuung von Diskussionen, eine transparente Kommentarpolitik und ein Notfallplan für Shitstorms o.ä. genannt. Im Fall von starken Hasskommentaren gibt es die Möglichkeit Kommentare zu melden, Personen zu blocken oder bei strafrechtlicher Relevanz anzuzeigen. Für Betroffene von Hasskommentaren oder Shitstorms können Strategien sein, sich mit anderen zu vernetzen und über ihre Situation zu reden. Zudem gibt es Möglichkeiten, Betroffene zu unterstützen, indem man sich mit ihnen solidarisiert oder sie empowert, z.B. durch das Initiieren einer positiven Gegenkampagne. Allgemein muss es Ziel sein, digitiale Zivilcourage zu stärken. Ansätze dafür bietet z.B. die Facebookgruppe #ichbinhier, die man im Fall von Shitstorms und Hasskommentaren um Unterstützung bitten kann. Strategien, um den Hasskommentaren inhaltlich zu begegnen können „Debunking“ und Aufklären sein, indem die Behauptungen und Pauschalaussagen widerlegt werden, z.B. durch wissenschaftliche Analysen.

Weitere Informationen zu Gegenstrategien und Aufklärung zu Hasskommentaren gibt es z.B. beim Projekt debate//de:hate

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